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Eine gedankliche Reise nach “San Amore” mit Andy Borg

Eine gedankliche Reise nach “San Amore” mit Andy Borg

In Ravensburg endete am Sonntag die erste Staffel der diesjährigen Musikantenstadl-Tournee, die bislang mit einem bunten Programm aus etablierten und jungen Künstlern großen Zuspruch bei Alt und Jung fand. Schlager.de berichtete bereits über den glänzenden Auftakt in Deggendorf und Regensburg und durfte im Rhein-Main-Theater in Niedernhausen eine weitere Station der Tournee besuchen. Wir waren beeindruckt von dem familiären Zusammenhalt, der sich bei dieser Tournee zwischen allen Künstlern und Mitwirkenden gebildet hat.

Bei dieser Veranstaltung ergab sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Moderator und Sänger Andy Borg, für das wir uns herzlich bedanken. Denn das war kein Interview mit einem Frage-Antwort-Muster, sondern ein Gespräch, bei dem auch Andy Borg sich für die Sichtweise von außen auf seine Arbeit, seine Musik und die Musikantenstadl-Projekte sehr interessiert hat. Ebenso wie er sich auf der Bühne, bei seinen Ausflügen in das Publikum und am Autogrammstand für seine Zuschauer interessiert.

Die Frage nach den Erfahrungen der ersten Tournee-Woche beantwortet er mit einem breiten Lächeln. Der Publikumszuspruch und das rasche Zusammenfinden der Künstler und Musiker und Crewmitglieder zu einer echten Stadl-Familie freut ihn. Ja, bereits in den der Tournee vorausgehenden zeitintensiven Vorbereitungen versucht man, ein Team zu finden, bei dem die Chemie stimmt. Ob es dann hinter den Kulissen passt, wisse man immer erst bei der laufenden Tournee. Diesmal ist er richtig begeistert vom Zusammenhalt und der Freude innerhalb der Gruppe aus den lange etablierten Stars wie Monique und Patrick Lindner, den energiegeladenen jungen Künstlern Tobias, Markus und Philipp von den Dorfrocken und Melissa, dem Orchester Otti Bauer und dem Chor und Showballett. Bei jeder Veranstaltung gibt es andere kleine Highlights in den Darbietungen der Hauptkünstler, manchmal auch ein besonderes instrumentales Kunststück von einem Bandmitglied. Das wird von allen Beteiligten registriert und man freut sich gemeinsam darüber, nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen. (Wir haben ja einen guten Teil von drei Veranstaltungen durch den Kamerasucher beobachtet und können das Gesagte nur bestätigen, weil diese pure Freude auch ohne Worte ganz einfach in den Gesichtern erkennbar ist.)

Wir sprechen die Zukunft des Musikantenstadl im TV an, über die ja im Frühjahr entschieden werden soll. Andy Borg versichert, dass er die Gedanken daran nicht mit auf die Bühne nimmt. Künstler zu sein ist nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, die ihn verpflichtet, nicht nur zu singen, sondern zu seinem Publikum jeweils ein bestimmtes Gefühl zu transportieren, das in seinen Liedern liegt. Das sei nur möglich, wenn man in genau diesem Augenblick unabhängig von allem Äußeren, praktisch eins mit seinen Liedern ist; sich gedanklich zum Beispiel selbst an einen imaginären Ort wie „San Amore“ (der Titelsong seiner aktuellen CD) begibt und die Zuhörer dorthin mitnimmt. Authentische Gefühle vermitteln – wir finden, dass ihm das ausgesprochen gut gelingt, ob im Studio oder auf der Bühne. Übrigens erkennt man auch in anderen Titeln seiner CD den sympathischen Menschen, nicht nur den Künstler Andy Borg wieder. Dazu muss man ihn nur einmal als „Zärtlicher Schlawiner“ auf der Bühne erleben.

Natürlich interessiert uns seine Sichtweise auf die Reaktionen zu seinem Facebook-Beitrag im vergangenen Jahr zur Zukunft des Musikantenstadls im TV (Bislang gibt es rd. 4.000 Gefällt-mir-Angaben und 1.000 Kommentare auf seiner eigenen Seite. Der Beitrag wurde über 3.000 mal geteilt). Andy Borg freut sich einfach über den positiven Zuspruch, er empfinde das so wie eine Umarmung oder einen Händedruck von jedem einzelnen der vielen tausend Menschen, die gemeinsam den Stadl erhalten möchten. Die Bemühungen weiterer Initiativen (über die wir noch berichten werden) bestätigen ihn. Auch wenn wir bei den Veranstaltungen der Tournee ein deutlich jüngeres Publikum erlebt haben – das in seinem Beitrag erwähnte Durchschnittsalter der TV-Zuschauer bei einer Stadlsendung von 68 Jahren sei sorgfältig recherchiert worden. Andere TV-Formate werden speziell für andere Altersgruppen entwickelt. Warum sollte dann nicht auch ein Format bestehen bleiben, das regelmäßig Millionen Zuschauer überwiegend einer bestimmten Altersgruppe erfreut.

(Unsere Meinung: Da hat Andy Borg absolut recht, und die Reaktionen in den sozialen Medien und Kommentare zu zahlreichen Veröffentlichungen beweisen, dass der Musikantenstadl gleichzeitig auch ein Familienprogramm ist. Auch wenn die absolute Zuschauerzahl im Laufe der über 30 Stadljahre gesunken ist. Im Vergleich zu vielen anderen Samstagabend-Showformaten (und auch angesichts einer TV-Senderanzahl, die sich seitdem vervielfacht hat) steht der Stadl in dieser Hinsicht sehr gut da. Über 4.000.000 regelmäßige Zuschauer, praktisch Stammzuschauer, die sich auf jeden der wenigen verbliebenen TV-Termine freuen, haben ebenso einen Anspruch auf gute Unterhaltung wie andere oft zitierte Zielgruppen, die bereits von den Privatsendern mit zahlreichen Formaten nach deren Geschmack hofiert werden.)

Man merkt es ihm an, es geht ihm um Menschen und nicht nur um Zahlen in Form von Quoten und Marktanteilen!

Genauso wichtig sind ihm seine Künstlerkollegen auf der Bühne, die Duette mit Patrick Lindner und der charmanten Monique machen Spaß. Und die jungen Kollegen, wie die Dorfrocker und Melissa? Ja, er freut sich über den Erfolg junger Talente, ganz besonders auch über die ausgelassene Stimmung, die sie mit ihren Auftritten in die Hallen zaubern, und die Zuschauer von den Stühlen reißen. Und da sind wir wieder bei einem wichtigen Punkt. Nach der Einstellung vieler wichtiger Formate (z.B. Grand Prix der Volksmusik, Krone der Volksmusik) ist der Musikantenstadl neben wenigen anderen Sendungen eine letzten verbliebenen Plattformen für diese jungen Leute aus dem volkstümlichen Bereich und Schlager, sich einem breiten Publikum zu präsentieren, sei es durch die Teilnahme am Stadlstern-Wettbewerb oder durch einen anderen Auftritt in der Sendung. Solche Möglichkeiten muss es für Künstler dieser Genres weiter geben, die es in einer sich gravierend ändernden Radiolandschaft schwer haben, überhaupt noch Gehör zu finden. Er spricht einige herausragende Künstler der letzten Jahre an, z.B. Helene Fischer und Andreas Gabalier und fragt uns, was aus ihnen geworden wäre ohne die Chance einer ersten TV-Präsenz im richtigen Moment. Und er freut sich, dass mit diesen und weiteren Künstlern das Interesse an Schlager und volkstümlicher Musik auch in die nächste Generation getragen wird.

Stundenlang könnten wir uns mit ihm über diese Themen unterhalten. Doch die Uhr tickt vor dem Auftritt scheinbar immer etwas schneller. Nur noch wenige Momente, dann heißt es in Niedernhausen „Ja jetzt ist Stadlzeit …“.

Danke, lieber Andy Borg, für einen Einblick in Deinen Beruf und Deine Berufung!

Wir haben einen freundlichen, liebenswerten Künstler und Moderator kennengelernt, der an das Wohl des Ganzen denkt, Bescheidenheit zeigt, sehr gerne auch mal über sich selbst lacht, Kollegen und das Publikum sehr schätzt und das auch auf und abseits der Bühne zeigt. Und einen Menschen, der alles für ein scheinbar einfaches (und manchmal doch so schwer zu erreichendes) Ziel gibt – ganz einfach gute Unterhaltung.

Die deutschsprachige Fernsehlandschaft braucht solche Charaktere.

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