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Musikantenstadl Oberwart, der Stadl der Emotionen!

Musikantenstadl Oberwart, der Stadl der Emotionen! © Heiko Bremicker

Der Musikantenstadl in Oberwart, der letzte Stadl von Moderator Andy Borg in seiner Heimat Österreich und vor dem Sommer Open Air in Pula sein letzter Musikantenstadl in deutschsprachigem Gebiet ist Geschichte. Zurück bleiben schöne Bilder und vor allem Erinnerungen.

Knapp 4 Millionen Zuschauer allein in Deutschland haben ihn gesehen. Lohnt es sich überhaupt, über ein vergangenes TV-Event zu schreiben? Eindeutig ja, denn den Zuschauern in Deutschland und wohl auch der Schweiz wurden die emotionalsten und wichtigsten Momente der Sendung vorenthalten, während der ORF in Österreich bis zum Schluss weiter sendete.

Ein bewegendes Finale des Musikantenstadl mit einem technischen Fehler?

Nur ein technischer Fehler? Oder wollte man dem Moderator Andy Borg, der den Mut besessen hat, gegen den Jugend- und Quotenwahn der öffentlich-rechtlichen Sender Stellung zu beziehen, auf diese Weise einen Maulkorb verpassen?

Schlager.de war während der Generalproben und der Sendung vor Ort und hat die besondere Atmosphäre dieser Veranstaltung, die leider auch vom Tod des Stadlgründers Karl Moik überschattet wurde, für die Leser hautnah miterlebt. Zumindest ein paar Tage lang können alle Zuschauer unter diesem Link der ORF-Mediathek das Ende dieses Musikantenstadl-Abends noch einmal miterleben unter: http://tvthek.orf.at/program/Musikantenstadl/3678153/Musikantenstadl/9475978/Verabschiedung-Andy-Borg-alle-Mitwirkenden-Servus-pfueat-Gott/9476064

Sowohl die Begrüßungsworte von Andy Borg wie auch die Schlussworte galten dem „Vater“ des Musikatenstadls, Karl Moik, der am Donnerstag im Alter von 76 verstorben ist.

Andy Borg zur Begrüßung: „Der Karl hätte sich gewünscht, dass wir heute hier in Oberwart einen Musikantenstadl-Abend erleben, der in seinem Sinne die Sorgen vergessen lässt.“ Wie hätte Karl Moik gesagt? „Das Leben geht weiter und ich find’s gescheit.“ Und schließlich: „Kloaner, hör auf zu reden und fangt endlich an.“

Und in diesem Sinn trugen alle beteiligten Künstler zu einem gelungenen Abend bei: Saso Avsenik (Enkel von Slavko Avsenik) und seine Original Oberkrainer eröffneten mit der jahrelangen Erkennungsmelodie des Stadls zu Zeiten von Karl Moik, dem „Trompeten-Echo“, die Show. Die Fetzig’n Zillertaler, Stefanie Hertel, noch einmal Saso Avsenik und seine Oberkrainer gemeinsam mit Gregor Avsenik, Florian Fesl, die Fäschtbänkler, Monika Martin, die Stadtkapellen aus Oberwart und Szopron, die Ladiner mit Nicol, Mary Roos, die Trenkwalder (auch im Duett mit Stefanie Hertel), Jungen Zillertaler, Volxrock, die Kastelruther Spatzen und natürlich Wolfgang Lindner mit seinen jungen Stadlmusikanten sorgten für ausgelassene Stimmung in Oberwart, ließen den Alltag vergessen, überzeugten teilweise mit neuen Titeln, ganz im Sinne des Stadlvaters Karl Moik. Eine bunte Künstlermischung, vielseitig und abwechslungsreich, eben etwas für jeden Zuschauer in der Halle und vor dem Fernseher.

„Man kann mir den Musikantenstadl nehmen, aber nicht mein Publikum“

Andy Borg sorgte mit einigen Worten zu Beginn der Sendung für Aufsehen: „Sie haben es sicher gelesen, mir und meiner Familie fiel es unendlich schwer, aber ich habe es akzeptiert und finde es mittlerweile gut… – … in dieser Nacht wird die Uhr um eine Stunde auf die Sommerzeit umgestellt.“ Das ist eben der Humor eines unvergleichlichen Moderators, und jeder wusste, um welches Thema es wirklich ging. Eine besondere Aussage hatte in diesem Zusammenhang später sein eigener Titel „Einmal wird der Wind sich wieder dreh’n“während der Sendung.

Minutenlange „Andy, Andy“-Rufe. Unverständlich, dass bei den beteiligten und gebührenfinanzierten Sendern (für die Quoten und Marktanteile eigentlich nicht allein ausschlaggebend sein sollten, die hier und die in den letzten Monaten bekundeten Sympathien für den Stadl-Moderator der Herzen auf taube Ohren gestoßen sind.

Leider haben die Zuschauer in Deutschland ein ganz besonders bewegendes Finale mit allen Künstlern wegen einer angeblichen technischen Störung nicht sehen können. Lag eine Absicht darin? Auf jeden Fall gab es nicht die vielleicht erwartete Wutrede, sondern einen leisen, ruhigen Abschied mit ergreifenden Worten von Andy Borg:

„Diese Melodie kennen wir alle. Ich hoffe, Sie haben es nicht gemerkt: Das ist mir heute wirklich schwerer gefallen als sonst.Wir haben diesen ganz besonderen Musikantenstadl begonnen mit dem „Trompetenecho“. Und wir beenden diesen Stadl mit diesem, mit deinem Lied, lieber Karl.Am Donnerstag hast Du Dich von der großen Bühne für immer verabschiedet. A bissel bös’ bin ich Dir schon, weil Du mir noch im September in die Hand versprochen hast, dass Du irgendwann einmal bei meinem letzten Musikantenstadl dabei sein wirst.Aber manchmal… aber manchmal kommt das Schicksal und haut dir eine drüber, dass um dich herum alles zusammenbricht. Und dann kommt es und sagt zu dir: Andy, dieser heutige Stadl, das wäre der richtige Moment, um Abschied zu nehmen. Und glauben Sie’s mir, ich würde das sehr, sehr gerne tun.

Lieber Karl, ich danke Dir für diese Fußstapfen, in denen ich neun Jahre lang diese wunderbare Sendung, diesen kultigen Musikantenstadl moderiert hab’.

Ich sag’ Dankeschön. Wir sehen uns noch einmal am 27. Juni in Pula. Wenn Sie bei mir sind, dann werde ich auch diese Minuten genießen können, so wie heute diesen Musikantenstadl.Ich zähl’ auf Euch. Wir sehen uns am 27. noch einmal. Bleibens g’sund! Dankeschön! Und ich sage es jetzt mit den Worten …”

‘Servus, Pfüat Gott und Auf Wiedersehen!’, Karl Moik

Mit Karl Moiks Lied „Servus, pfüat Gott und Auf Wiedersehen“ endete der Musikantenstadl. Die Bildschirme in der Halle ließen ahnen, dass die minutenlangen „Andy, Andy“-Rufe In der Halle bereits von der Eurovisionshymne überdeckt worden. Erstaunlich, dass sie im Programm des ORF dennoch teilweise gesendet wurden.

Den Künstler, Moderator und Menschen Andy Borg in Oberwart haben wir nur noch für einen ganz kurzen Augenblick hinter der Bühne gesehen. Nach den Wochen der Anspannung und diesem Abend der ganz besonderen Emotionen gebot es der Anstand, dass man einem Menschen, dem man die besondere Anspannung nach diesem Abend deutlich ansieht, keine Fragen stellt.

Wir bedanken uns bei Andy Borg, allen Künstlern und dem Musikantenstadl-Team in Oberwart für einige Stunden bester Unterhaltung und eine hervorragende Betreuung. Sehr gern werden wir den Musikantenstadl weiter beobachten und darüber berichten.

(Wie uns inzwischen aus gut unterrichteten Kreisen berichtet wurde, haben wohl einige der bisher erwähnten möglichen Nachfolger Andy Borgs eine zukünftige Moderation des Musikantenstadls abgelehnt, da bei der von den Sendern geplanten Neuausrichtung der Anteil von Volksmusik und volkstümlicher Musik drastisch reduziert werden soll und sie mit ihrem guten Namen mit einer solchen Aktion nicht in Verbindung gebracht werden wollen.)

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