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Sänger machen die deutsche Sprache populärer

Sänger machen die deutsche Sprache populärer © Ingolf Keller

“Ein Hoch auf” die deutsche Sprache Sänger wie Meyle, Stürmer und Co. machen sie wieder populär. “Hey”, “wenn sie diesen Tango hört”, schaut sie mit “Funkelperlenaugen” auf “Millionen Lichter” und weiß, dass die “Zeit des Wartens” vorbei ist, und es nicht nur nur “in meinem Kopf” stattfindet. Und sie denkt: “Wir leben den Moment”, sind “frei” und hat “geweint vor Glück”.

Die Zeit, in der deutschsprachige Musiker auf Biegen und Brechen in Englisch singen, um Assoziationen an die weniger glorreiche Geschichte der Deutschen aus dem Weg zu gehen, scheint endgültig ihre Notwendigkeit verloren zu haben. Berühmte Stars wie Christina Stürmer, Andreas Gabalier, die Prinzen, Sarah Connor, Gregor Meyle und PUR-Frontmann Hartmut Engler beweisen in Fernseh-Formaten wie “Sing meinen Song-Das Tauschkonzert” und “Meylensteine” auf VOX wie schön, berührend, modern und auf den Punkt Lieder sein können, die in unserer doch wunderbaren Sprache gesungen werden. Es gab Zeiten, da war es cool, in die Fußstapfen englischsprachiger Sänger zu treten. Die “Neue Deutsche Welle” bildete bereits in den 80ern den musikalischen Kontrapunkt zum Punk und zur New-Wave-Bewegung, wenngleich auch manchmal mit etwas skurrilen Texten. Wir erinnern uns z.B. an “Da, da, da” von Trio, “Das Bruttosozialprodukt” von Geier Sturzflug oder “Der Kommissar” dargeboten vom legendären Falco. Bands wie die Toten Hosen, BAP und auch Sänger wie Herbert Grönemeyer oder Marius Müller-Westernhagen distanzierten sich von der Stilistik der NDW (Neuen Deutschen Welle), profitierten jedoch von der Beliebtheit deutscher Hits.

Die Beliebtheit deutscher Hits – Auf der Welle der Poesie

Seit nun etlichen Jahren bahnen sich immer mehr Künstler den Weg in die Album-Charts mit Liedern in ihrer Muttersprache. So liest sich die Album-Charts-Liste vom 18.07.2015 u.a. wie folgt: Platz 1 “Hurra die Welt geht unter” (K.I.Z.), Platz 2 “Sing meinen Song- Das Tauschkonzert, Vol.2” (Various Artists), Platz 4 “MTV-Unplugged” (Cro), Platz 5 “Muttersprache” (Sarah Connor) und weiter reihen sich noch Santiano, Wolkenfrei, Die Amigos, Helene Fischer, Gregor Meyle und Various Artists, Andreas Bourani und Hansi Hinterseer unter die ersten 10 Plätze. Doch woher kommt dieser Wandel? Was macht es für die Künstler attraktiv, deutsch zu singen? Nehmen wir z.B. Sarah Connor, die uns noch gut mit Liedern wie “Bounce”, “From Sarah With Love” oder “From Zero to Hero” in Erinnerung ist. Connor machte über die Grenzen hinaus von sich reden, stürmte die Charts und begeisterte mit ihrer souligen Stimme. Spätestens mit ihrem Auftritt bei “Sing meinen Song”, als sie den wunderschönen Song von Gregor Meyle “Keine(r) ist wie du” interpretierte, ganz ohne Schnick-Schnack, ohne schwindelerregende Choreographie, sondern mit leisen Tönen, ehrlich und direkt ins Herz zielend, fragt man sich: Warum erst jetzt? Connor empfand den Song von Meyle als Geschenk :“Wenn ich das singe, ist es als würde ich meine eigene Geschichte erzählen”, äußerte sie sich begeistert, und das tut sie jetzt auch. Mit “Muttersprache” antwortete Connor auf die Frage, warum sie auf Deutsch singt: “Ich habe gemerkt, wie schön sich das anfühlen kann, wenn du in deiner Sprache Dinge sagst, die du auch deiner besten Freundin, deiner Schwester sagen würdest.” Und dabei verstanden wirst…

Wenn Meyle auf Reim trifft

Auch die Auseinandersetzung mit Songs anderer Künstlerkollegen scheint für so manchen Songwriter und Sänger eine Offenbahrung zu sein. So besuchte Gregor Meyle in seiner Show “Meylensteine” diverse Künstler privat und sang ihre Lieder in seinem ganz persönlichen “Meyle-Stil”. Eine Begegnung der besonderen Art war z.B. die mit “ALT-Star” Matthias Reim. Meyle trag den Schlagerrocker Reim u.a. in seiner alten Schule in Homberg und wagte es, den Hit “Verdammt ich lieb dich”, der damals von Reim besungen wurde, mit ihm neu zu interpretieren. Doch wie geht es einem Star damit, seinen ihm so vertrauten Song aus dem Mund eines anderen zu hören? Reim zu Meyle: “WOW, du bist der Erste, der es geschafft hat diesen Song zu fühlen…” Und das sagt der Mann, der dieses Lied 2,5 Millionen Mal verkauft hat. Offensichtlich verbindet es, Musik zu singen in der Sprache, die verstanden und dem entsprechend empfunden wird, es berührt und lässt Respekt für ein anderes Genre aufkommen.

Daniel Wirtz bringt Engler zum Weinen und Catterfeld zum Glänzen

Der bisher eher unbekannte Daniel Wirtz, der seine Fans mit rockigem Sound und einer direkten, manchmal derben Sprache zum Schwärmen bringt, schaffte das Unvorhersehbare. Mit seiner Darbietung von PUR´s “Wenn sie diesen Tango hört”, bringt er den Mann der emotionalen Worte, Hartmut Engler, zum Weinen. Wirtz hatte sich diesen Song ausgesucht, weil er ihn an seine verstorbene Großmutter erinnerte. Und entgegen der Erwartungen seiner Kollegen und seiner Fans machte der Rocker aus dem Song eine gefühlvolle Ballade; und Engler, der dieses Lied ursprünglich für seine Mutter geschrieben hatte, belohnte diese Version mit den Worten: “Daniel war für mich der Gewinner des heutigen Abends, weil er mich zum Weinen gebracht hat. Ich habe diese Geschichte vor vielen Jahren aufgeschrieben und habe sie heute zum ersten Mal so serviert bekommen, dass ich komplett gerührt war und jede Zeile, jedes Bild vor mir gesehen habe und dann gab es kein Halten mehr.” Und was passiert, wenn eine elfengleiche Schönheit ein Lied von Daniel Wirtz mit dem Titel “L.M.A.A.” singt? Im Original zitiert Wirtz mit Schrammel-Gitarre und gröhlender, eher geschrieener Stimme, so die zum Teil vernichtenden Urteile der deutschen Unterhaltungsindustrie zu seiner Musik. Und Catterfeld? Sie hat sich diesen Song bewusst ausgesucht und interpretiert ihn angstfrei in einer eher jazzigen Variante und scheut auch nicht, sich selbst in diesen Song einzubauen. “Ich hätte jetzt L.M.A.A. in einem Song nicht unbedingt in den Mund genommen. Im täglichen Leben tue ich das schon Mal öfter….Aber ich bin sehr froh darüber, dass ich die Chance hatte, das mal zu tun.” Daniel Wirtz belohnte ihren Mut und kürte das Lied zum “Song des Abends”. Schön, wenn man die gleiche Sprache spricht!

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