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Quoten-Desaster bei der Stadlshow – ein Rückblick

Quoten-Desaster bei der Stadlshow – ein Rückblick © Heiko Bremicker

Nein, wir wollen nicht wie andere in die Kerbe hauen. In einem der letzten Beiträge haben wir geschrieben, das Publikum wird entscheiden. Und das hat es getan: 2,46 Millionen Zuschauer in Deutschland sorgten für die schlechteste Quote aller Zeiten, über 1,3 Millionen weniger Zuschauer als bei der schlechtesten Quote des Musikantenstadls mit Andy Borg (die wohl Auslöser des unsäglichen Prozedur seiner Absetzung war), und über 2 Millionen (!) weniger als beim letzten Musikantenstadl aus Pula. Das war vorhersehbar, alle haben es seit Monaten geahnt, nur die Fernsehmacher nicht, die ja eigentlich als Medienleute ganz nah am Puls des Publikums sein müssten. Bei einer wichtigen Wahl können innerhalb von Minuten relativ treffende Ergebnis-Prognosen ermittelt werden, hier hat ein halbes Jahr nicht ausgereicht.

Wir waren für Euch vor Ort und haben mit einigen Zeilen und vielen Bildern berichtet, hauptsächlich auch im Interesse der beteiligten Künstler und ihrer jeweiligen Fans. Das sind wir besonders dem jungen Nachwuchs schuldig, der in der heutigen Radiolandschaft (Klangfarbe: Oldies nonstop) viel zu wenig Beachtung findet. Und es waren wirklich interessante und talentierte Künstler dabei, die wir kennengelernt haben und über die wir auch berichten werden. Nur waren einige in der falschen Sendung! Es gibt interessante Entwicklungen in der Volksmusik, durch die auch junges Publikum gewonnen werden kann. Aber das geht nicht in einem Hauruck-Verfahren, durch das das ältere Publikum vergrätzt wird. So geraten diese Künstler ohne eigene Schuld in den Kreis dieser Millionen Negativ-Kommentare, die sich über die Sendung ergossen. Eine gesunde Mischung der Sendung mit weiteren bekannten volkstümlichen Künstlern hätte die Akzeptanz einzelner Künstler beim Publikum deutlich erhöht. Alternativ sollte man darüber nachdenken, diesen neuen Künstlern ein eigenes Sendeformat zu bieten.

Über die ursprüngliche Gästeliste hinaus wurden DJ Ötzi und Florian Silbereisen verpflichtet, um den drohenden Quotentod abzuwenden. Eigentlich noch ein guter Gedanke auf den letzten Drücker. Warum dann aber DJ Ötzi mit einer englischsprachigen Rock-Coverversion auftritt, die sicher im Festzelt ankommt, aber nicht beim bisherigen Stammpublikum, erschließt sich uns nicht. Insgesamt haben viele der gesehenen Künstler Titel im Repertoire, die dem bisherigen Stadl-Publikum mehr entgegen gekommen wäre und Interesse geweckt hätte. Schade, Chance vertan! Und auch zum Thema „Live“ sollte noch angemerkt werden – entweder alle oder keiner. Diese absurden Wechsel zwischen Live, Halb- und Vollplayback sind technisch voll in die Hose gegangen. Allerdings war der Ton in der Halle noch wesentlich besser als in der TV-Ausstrahlung, die wir nachträglich gesichtet haben. Dabei fiel dann auch die schlechte Bildqualität auf, viele Bilder wirkten irgendwie „platt“, als hätte man die Sendung auf ein datentechnisches Mindestmaß für einen banalen Internet-Stream reduziert.

Noch ein Blick hinter die Kulissen: Der Besucherandrang bei der eigentlich legendären Seitenblicke-Party nach der Generalprobe und auch in der Stadlwirtschaft nach der Sendung war im Verhältnis zu früheren Zeiten relativ verhalten. Wenn die Dorfrocker nicht die vielköpfige Besetzung der Trachtenkapelle mitgebracht hätten, wäre das noch mehr aufgefallen. Nicht alle Künstler haben diese einzigartigen Möglichkeiten eines Kontaktes mit dem treuesten Publikum gesucht. Schade! Aber ein großes Dankeschön an einige der etablierten „alten“ Stars und einige Newcomer, die da waren.

Über die Moderatoren wollen wir uns nicht weiter äußern, sie mussten schon genug verbale und mediale Prügel einstecken. Wobei Francine Jordi wohl deutlich weniger Kritik verdient hat als ihr Kollege Alexander Mazza. Wenn dieser aber im wirklichen Leben so aalglatt und relativ emotionslos agiert wie in der Show, wird er die Kritik wohl leicht verkraften. Er ist sicher ein guter Moderator – aber nicht für ein solches Sendeformat. Beim Casting muss die Jury während seiner Bewerbung wohl gerade beim Essen gewesen sein. Bestimmt findet sich nach dem abzusehenden Ende der Stadlshow ein Sonntagnachmittag—oder Frühstücksfernsehformat für ihn, da wird er seine Sache gut machen. Der Künstlerin Francine Jordi wünschen wir jedenfalls, dass die Ereignisse um die Stadlshow keinen nachhaltigen Imageschaden für sie bedeuten, das hat sie nicht verdient, ebenso wenig wie einige Kommentare in den sozialen Medien, die nur auf ihre Person abzielen. Denkt dran, der Erfolg hat viele Väter – der Misserfolg auch!

Die Behauptung, die Powerkryner seien eine neue Entdeckung der Stadlshow war eine glatte Lüge, die Jungs haben schon bei der Seitenblicke-Party beim Musikantenstadl in Oberwart gespielt. Schade, dass sie mit Vollplayback auftraten, nach der Generalprobe haben sie in einer kleinen Session noch einigen Zuschauern bewiesen, dass sie es live draufhaben. Warum aber ausgerechnet eine dröhnende Version von „Sex Bomb“ an der Hauptzielgruppe vorbei für die Sendung ausgewählt wurde, wissen nur die Programmgestalter. Überhaupt ist das so eine Sache mit den fremdsprachigen Titeln. Sicher haben sie ihre Berechtigung im Fernsehen – aber in einer Sendung, die eigentlich immer noch einen volkstümlichen und heimatsprachlichen Hintergrund haben sollte, sollte ihr Anteil doch relativ klein gehalten werden. Eine Ausnahme davon konnte man bei Peter Kraus mit seinem Elvis-Medley gelten lassen. Obwohl seine Verpflichtung angesichts der kommunizierten Verjüngung des Formats belächelt wurde – sein Auftritt traf den Nerv des bisherigen Stammpublikums, das auch mit dieser Musik groß geworden ist. Und er hat in Sachen Performance vielen jüngeren Künstlern, deren Großvater er sein könnte, etwas vorgemacht. Respekt! Mit 76 Jahren ist man doch noch nicht zu alt für die große Bühne. Und mit 54 Jahren ist man nicht zu alt als Moderator! (Kleiner Tipp für die Sender, wenn sie mal wieder einen Quoten-Renner brauchen.)

Und damit lassen wir es gut sein. In diesem Sinne …

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