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STADL-AUS bricht nicht nur Andy Borg das Herz

STADL-AUS bricht nicht nur Andy Borg das Herz © Heiko Bremicker

Nach 34 Jahren ist der Musikantenstadl, zu dem der neue Name Stadlshow so gar nicht passen wollte, Geschichte! Vorsätzlich durch falsche Personen an der falschen Stelle gemeuchelt und auf den TV-Friedhof gebracht, wie davor auch zahlreiche andere, ehemals beliebte Formate wie der Grand Prix der Volksmusik, die Krone der Volksmusik, Servus Hansi Hinterseer, Lustige Musikanten, Melodien der Berge, etc. etc.

 

Das ist es kein Wunder, wenn Andy Borg seiner Verbitterung Luft macht. So äußerte er sich gestern gegenüber der BILD: “Es bricht mir, und ich glaube auch Millionen von ‘Musikantenstadl’- Fans, das Herz, auf die Trümmer eines 34 Jahre jungen Fernsehklassikers blicken zu müssen. Verlierer sind neben meinen Gesangskollegen, denen diese TV- Plattform verloren geht, vor allem die Fernsehzuschauer.” Und zur Schuld am Stadl-Desaster? “Ganz klar diejenigen, die die Entscheidung getroffen haben, den ‘Stadl’ zu verjüngen. Denn das war eine Entscheidung gegen die Zuschauer.” Das Publikum wisse immerhin genau, was es sehen will, und lässt sich nichts vorschreiben. Das haben die schlechten Quoten gezeigt.” Schon Karl Moik habe ihm noch vor seinem Tod gesagt: ‘Was den Zuschauer interessiert, ist denen da oben so egal, wie einem etwas egal sein kann – völlig egal’.”

 

Nun mögen andere Fernsehzuschauer, die sich mehr für Sport, Talk- und Kochshows, Krimis, Daily Soaps oder tägliche Zoogeschichten interessieren, sich fragen „Was soll die Aufregung, das war doch nur eine TV-Sendung?“.

 

Ja sicher, eben dummerweise aber eben das letzte große Samstagabend-Format, in dem sich Stars und Nachwuchs aus Volksmusik und volkstümlicher Musik präsentieren konnten. Die Feste von Florian Silbereisen hießen ja ursprünglich auch „Feste der Volksmusik“, haben sich schleichend aber in ein Format für Popschlager und auch internationale Künstler verwandelt. Parallel dazu werden viele Künstler dieser Genres auch bei Carmen Nebel willkommen geheißen. Beides hervorragende Formate, über die wir gerne berichten, mit zu Recht vielen Fans, aber eben nicht ausreichend für die Freunde volkstümlicher Musik. (Obwohl es natürlich sehr erfreulich ist, dass Andy Borg bei der großen Tournee von Carmen Nebel dabei sein wird. Mehr Infos gibt es hier!) Da bringt es aber auch in beiden Sendungen nichts, wenn dort regelmäßig Andreas Gabalier, Santiano oder Voxxclub (die bei vielen Fans volkstümlicher Musik nicht uneingeschränkte Anerkennung genießen) hereinschneien. Das allerletzte Trostpflaster für einige Millionen Fans bleibt dann in den deutschen Hauptsendern nur noch Stefan Mross mit „Immer wieder sonntags“ – aber leider nur zur Sommerzeit, und nur im Vormittagsprogramm. Und die hervorragenden Schlager- und Volksmusiksendungen des MDR sind leider nicht für jeden zu empfangen.

 

Und um es denen zu erklären, die sich eben mehr für Sport als für diese Art der Musik interessieren: Angenommen, es gibt einen seit Jahrzehnten erfolgreich national und international agierenden Fußballverein. Da kommt nun ein junger, motivierter und völlig ahnungsloser Berater dank großzügiger Sponsorengelder in die Geschäftsleitung und sagt: Das alte Fußball-Publikum reicht irgendwann nicht mehr, wir müssen auch junge Anhänger von Randsportarten, die gerade hip sind, für uns gewinnen. So wird als erstes völlig unerwartet der verdiente Trainer und Liebling der Fans, trotz aller gewonnenen Titel, entlassen und durch ein jüngeres, zweiköpfiges Trainerteam ersetzt. Der eine hat früher mal selbst ein bisschen gekickt, ist aber dann in eine andere Sportart gewechselt. Der andere hatte – wie einst Churchill – mit Sport allgemein gar nichts am Hut. Die alte, eingespielte Mannschaft mit ihren Nachwuchstalenten wird auch ausgewechselt, sie besteht jetzt aus Skateboardern, Kite-Seglern, Mountainbikern usw. Nur ein paar verdiente Veteranen dürfen noch gelegentlich auf der Ersatzbank Platz nehmen. Ach ja, und der Name des ehrwürdigen Traditionsvereins wurde natürlich auch geändert, und diesmal hatte der bekannte Brausehersteller aus Österreich nichts damit zu tun.

 

Natürlich ist dieser Verein am Saisonende abgestiegen, ohne dass die Vereinsführung überhaupt versucht hat, etwas dagegen zu unternehmen. Die Zuschauerzahl hatte sich schon während des letzten Jahres halbiert. Statt den oder die Verantwortlichen zu feuern, akzeptiert man nun von den gleichen Leuten den Vorschlag, auf die Spiele während der Saison zu verzichten und nur noch ein Spiel am Saisonende (unter Einbeziehung der Traditionsmannschaft) zu veranstalten. Dafür müssen die Zuschauer aber ihre Dauerkarte weiter bezahlen.

 

Abstrus, oder? Doch genau das ist jetzt im übertragenen Sinn beim Musikantenstadl bzw. der Stadlshow passiert. Bei jedem Sportverein und in jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen wären Entlassungen wegen Unfähigkeit fällig gewesen, und zwar nicht bei denen, die das Konzept nach außen verkörpern mussten, sondern bei denen, die für die Entscheidungen verantwortlich sind!

Und um noch kurz beim Sport zu bleiben, hierzu zitieren wir den Tagesspiegel vom 18.09.2015: „Die ARD will sich verstärkt um TV-Übertragungsrechte im Sport bemühen. Das geht aus der Anmeldung für den Finanzbedarf des Senderverbunds in der Beitragsperiode 2017 bis 2020 hervor. Nach “Bild”-Informationen hat die ARD für diesen Zeitraum 1,163 Milliarden Euro bei der Prüfkommission KEF beantragt, das ist ein Plus von 66 Millionen Euro im Vergleich mit der Periode 2013 bis 2016. Zwei TV-Lizenzen stehen dabei im Fokus: Fußball – Bundesliga und Nationalelf – sowie Olympia.“

 

So. Die Kosten für ein Sendeformat, dass einen sehr großen Anteil der Gebührenzahler 34 Jahre lang erfreut hat, bewegen sich im alleruntersten Tausendstel-Bereich dieser Zahlen. Rund 4.000.000 Zuschauer regelmäßig in der Borg-Ära bedeuten nach statistischem Durchschnitt rd. 1,98 Millionen Haushalte x 17,50 € monatlich x 12 Monate deutlich über 400 Millionen Euro Rundfunkgebühren (GEZ-Beitrag). Davon muss doch etwas übrig sein, um eine dem Programmauftrag entsprechende Versorgung mit Unterhaltung dieses Genres zumindest ein paar Mal im Jahr zu gewährleisten. Zumal bei jedem Stadl auch Eintritte der Live-Zuschauer eingerechnet werden müssen, durch die bei jedem Event etliche hunderttausend Euro generiert werden. Und nach wie vor ist es angesichts dieser Zahlen unverständlich, dass ein gebührenfinanzierter Sender, der kaum nennenswert Werbung machen darf, auf die Quoten der privaten Sender schielt, die sich durch Werbung etc. finanzieren müssen.

 

Allein, uns fehlt der Glaube, dass Beispiele, Fakten, Argumente noch Gehör finden werden. Ein gigantisches Mediendebakel nahm 2015 seinen Anfang, erstes Opfer war der Publikumsliebling Andy Borg (samt seiner Fans). Auch Francine Jordi tut uns leid, die sympathische Schweizerin hätte niemals in die viel zu großen Fußstapfen treten dürfen. Aber sie bleibt uns als hervorragende Künstlerin und Aiderbichl-Moderatorin erhalten, und hoffentlich bald mit irgendeiner Moderation in einem passenden Format. Leider wurde die nette und (im besten Sinne gemeint) sensible Person von Anfang an durch die Vorschuss-Kritik verunsichert. Das Mitleid mit Alexander Mazza hält sich in Grenzen. Seinen unter 400 (!) Facebook-Fans (als „Person des öffentlichen Lebens“) hat er bis dato nichts zum Stadl mitgeteilt, das beweist die „hohe“ Identifikation, der von Anfang an mit diesem neuen Job hatte. Da hat es auch nichts gebracht, fast alle Künstler mehr oder weniger schreiend anzukündigen, um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. In einigen Mitteilungen tauchte sein Name gar als „Mazda“ auf – das passt irgendwie, erinnert sein Charme doch an einen Typen irgendwo zwischen dubiosem Gebrauchtwagenverkäufer und smartem Anlagebetrüger. Jeder neue Shopping-Kanal sollte sich um ihn reißen. Nicht böse gemeint, aber auch er hätte den Job ablehnen müssen!

 

Letztlich darf man auch nicht vergessen, wie viele Arbeitsplätze vom Musikantenstadl / Stadlshow abhängen, bzw. für wie viele hundert Personen die TV-Termine zu wichtigen Terminen ihres Arbeitsjahres wurden. Allen voran eine der besten Live-Bands überhaupt, mit ihrem Chef Wolfgang Lindner und dem großartigen Stadlchor. Zahlreiche Techniker und Mitarbeiter hinter den Kulissen, sie alle haben uns und vielen anderen das Gefühl gegeben, beim Stadl auch ein bisschen daheim zu sein. Es ist einfach so traurig. Bei aller Trauer um Karl Moik im vergangenen Jahr – gut, dass er das nicht mehr miterleben musste.

 

Was wird nun aus den freien Sendeplätzen? Noch ein Krimi, eine Talkshow oder was? Es gäbe eine ganz simple Idee für ein Format mit 4 Millionen (oder mehr) Zuschauern. Dazu müsste man nur eine hoffentlich irgendwo zwischen München und Wien eingemottete Bühne reaktivieren. Eine öffentliche Entschuldigung einiger Verantwortlicher bei den Zuschauern wäre fällig. Und dann sollten sich diese Verantwortlichen auf den Weg in einen kleinen Ort in der der Nähe von Passau machen, vorzugsweise die letzten 10 km auf Knien, in der Hoffnung, dass die einzig in Frage kommende Person überhaupt noch Termine frei hat, seit alle Veranstalter erkannt haben, dass der „Stadlmoderator der Herzen“ auch das Zugpferd jeder Veranstaltung ist.

 

Doch Andy Borg wäre nicht Andy Borg, das Original, der kleine – große Künstler mit dem großen Herzen, dem einzigartigen Humor und dem unvergleichlichen Gespür für sein Publikum, das ihm auch – wie vorhergesagt – eine Fehlentscheidung nicht nehmen konnte, wenn er nicht selbst noch einmal klar Stellung beziehen würde. So ist heute auf seiner Facebook-Seite zu lesen:

Hallo Ihr Lieben,

Nun ist es offiziell, der Musikantenstadl ist Geschichte.
Ich darf auf neun wunderbare
MUSIKANTENSTADL- Jahre zurückblicken.

Wer mich kennt weiß, dass ich auch in traurigen Momenten einen Schmäh auf den Lippen habe, bei dem man zwischen den Zeilen lesen kann, doch in diesem Fall bleibt mir der Witz im Hals stecken.
Es bricht mir, und ich glaube sagen zu dürfen, auch Millionen von Musikantenstadl-Fans das Herz, auf die Trümmer eines 34 Jahre jungen Fernsehklassikers blicken zu müssen.
Nicht die SENDER haben den Musikantenstadl kaputt gemacht.
Dort arbeiten viele innovative, umsichtige und vor allem verantwortungsvolle Leute.
Der Musikantenstadl hatte das Pech, vorübergehend Verantwortliche zu haben, die offenbar leider zu wenig Gespür für das Publikum und das Format hatten.

Mein Vorgänger und Meister Karl Moik sollte Recht behalten, als er noch kurz vor seinem Tod in einem Interview sagte: „Was den Zuschauer interessiert, ist denen da oben so egal, wie einem etwas egal sein kann – völlig egal“.

Auf ein Wiedersehen und Hören freut sich
Euer
Andy

Und so wollen wir den Beitrag abschließen, mit einem Lied, mit dem sich ein großartiger Sänger und Moderator schon vor dem Musikantenstadl in Pula anständig von seinem Publikum und seinem wunderbaren Team verabschiedet hat:

1 Kommentar

  1. Christian (14.10.2016 - 13:45 Uhr)

    Andy gehört zum Musikandenstadl

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