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Zwischen den Welten – Heavy Metal und der Schlager

Zwischen den Welten – Heavy Metal und der Schlager

Jeder hat seine Lieblingskünstler, jeder hat Lieblingssongs. Sehr viele von euch mögen zum Beispiel die junge Ausnahmesängerin Oonagh und verehren ihren kaum greifbaren und doch so vertraut klingenden, einzigartigen Stil. Ihr charismatischer Mix aus Pop, Folk, New Age und neben vielen weiteren Zutaten auch einer feinen Prise Schlager hüllt euch ein und lässt euch unweigerlich abtauchen in eine andere Welt. Wie wir bereits berichteten, ist sie ab Februar 2017 wieder live mit Band auf großer Deutschlandtour zu bestaunen.

Wir haben uns einmal tiefer mit dem Thema beschäftigt und den Blick hinter die Kulissen dieser unvergleichlichen Musik gewagt. Wo kommen diese derart tollen Songs überhaupt her? Natürlich sind wir dabei auf das Team der Flensburger Musikproduktionsfirma Elephant Music gestoßen, die in ihrem Repertoire noch so einiges mehr haben, was ganz geschmeidig in die Schnittmenge von Schlager.de passt. Angefangen bei DJ Ötzi bis hin zu Santiano ist man hier ziemlich breit aufgestellt und hat immer wieder ein ganz exquisites Händchen für den richtigen Song zur richtigen Zeit bewiesen.

Dem wollten wir allerdings noch näher auf den Grund gehen und haben auch direkt einen Ansprechpartner aus diesem dynamischen Team gefunden. Leder, Nieten, Tattoos, lange Mähne und dieser Million Dollar Smile… Moment mal! Seid ihr sicher, daß wir hier richtig sind? Ja, das sind wir definitiv!

Schlager.de: Hannes, man kennt dich als stimmgewaltigen Frontmann und Songwriter der schwer angesagten Heavy Metal Band „Kissin‘ Dynamite“. Wie kommst du dazu, im Songschreiber- und Produzententeam von Elephant Music an Songs aus völlig anderen Genres mitzuarbeiten?

Ganz einfach: Ich startete meine Band Kissin’ Dynamite schon sehr früh im Alter von gerade mal 12 Jahren. Als ich 15 war wurden wir quasi von Elephant Music entdeckt und bekamen sogar einen Plattenvertag bei der EMI. Seit diesem Moment an (Elephant Music produzierte unsere Band und schrieb Songs mit uns) riss der Kontakt nicht ab; im Gegenteil. Ich hatte mir damals zum Ziel gesetzt, professioneller Songwriter und Produzent zu werden und natürlich Rockstar! 🙂 Von EM konnte ich dann 2014 in einer 2-monatigen Zeit in Flensburg wahnsinnig viel lernen. Damals schrieben wir gemeinsam an unserem 4. Album und ich nahm die Vorproduktion in die eigene Hand. Ich glaube das war der Moment, in dem das Team von EM so richtig Potential in mir sah… Dann ging alles Schlag auf Schlag. Ich kam für ein ganzes Jahr lang alle 2 Wochen von Mannheim nach Flensburg (damals war ich nebenher noch Student an der Popakademie) und schrieb bei Künstlern wie Oonagh, Beyond the Black oder eben Santiano mit. 2015 dann im Herbst fiel die endgültige Entscheidung, nach Flensburg zu ziehen, um Teil des Teams zu werden.

Wenn du schreibst – gibt es da im Kopf so etwas wie einen Schalter, auf dem „Heavy Metal“ auf der einen Seite und „Schlager“ auf der anderen Seite steht?

Haha, nein natürlich nicht! 🙂

Musik ist Emotion. Das ist im Heavy Metal wie im Schlager gleich. Sie kann dich bewegen, ermutigen, entspannen oder aufheizen. Lediglich die Gefühlswelten sind andere. Es geht darum, sich wirklich in eine Sache hineinzuversetzen und sich von der Stimmung mitziehen zu lassen. Anders geht es nicht, sonst wird dein Machwerk zu nüchtern und farblos. 

Wenn man es spürt ist es ehrlich und authentisch. Ich wehre mich auch dagegen, Musik als Berieselung anzusehen. Vielen Menschen ist gar nicht mehr bewusst, was aktives Musikhören bewirken kann. Ich bekomme so oft Nachrichten von Fans, die eine schwere Krise durchmachen mussten oder gegen schlimme Krankheiten kämpfen und trotzdem die Kraft finden, weiter zu machen durch die Musik. Das tut gut. Man muss nur die Ohren aufmachen. Es gibt so viel zu hören und noch mehr zu sagen.

Mit deiner Band, die ja vor kurzem erst sehr erfolgreich ihr 5. Album veröffentlicht hat, bist du sehr viel unterwegs. Ist es nicht ein ziemlich großer Spagat, zwischen dem Leben on Tour mit den Jungs und deinem Wirken im stillen Kämmerlein an ganz anderen Sachen wie z.B. „Oonagh“ umzuschalten?

Der Spagat ist groß, das stimmt! Doch für mich ist er notwendig. Ich bin ein Mensch, der die Extreme liebt. Wenn ich etwas gemacht habe, will ich danach genau das Gegenteil machen. Ich denke so bleibt alles im Gleichgewicht! Allein die Zeit stellt mir manchmal ein Bein. Manchmal wünschte ich eine Woche hätte 8 Tage…

Wenn es mal hektisch wird fällt es manchmal schwer, fokussiert zu bleiben, aber das sehe ich in etwa so wie Sport. Sport tut manchmal weh. Man trägt Verletzungen mit sich, doch wenn man eine Etappe geschafft hat, bleibt dieses gute Gefühl, eine Mischung aus Freude und Stolz.

Elephant Music ist ja seit Jahren eine feste Größe in der Musikbranche. Was macht diesen stetigen Erfolg aus und wie dürfen wir uns eure fruchtbare Zusammenarbeit in Flensburg vorstellen?

Ich denke Elephant Music war immer ehrlich zu sich selbst und zu anderen. Das ist nicht selbstverständlich in einer hart umkämpften Branche wie dem Musikgeschäft. Diese Ehrlichkeit, aber natürlich auch Kompetenz, Geduld und Konstanz sind meiner Meinung nach die Eckpfeiler von EM. Das hat mir auch gut am Team gefallen. Elephant Music das sind Annett, Hardy, Mark, Anna und ich. Es gibt keine Wichtigtuer oder schnelllebige Trendhaschereien. Alle machen ihr gemeinsames Ding und ziehen an einem Strang! Aufgaben werden untereinander aufgeteilt und man hilft sich gegenseitig. Man schaut vielleicht auch gerade deswegen nicht immer auf die Uhr, sondern bleibt auch mal länger bei der Arbeit.

Du und deine Band kommen allesamt aus dem schönen Schwaben. Vor einiger Zeit bist du in den hohen Norden umgezogen. Wie bekommst du deine Arbeit in Flensburg und deine Verpflichtungen mit „Kissin‘ Dynamite“ unter einen Hut?

Das ist ganz unterschiedlich. Jetzt, da wir unser neues Album ‘Generation Goodbye’ veröffentlicht haben, ist es natürlich gerade besonders stressig und ich bin mit meiner Band viel auf Reisen. Aber wir versuchen solche Terminkonflikte so früh wie möglich zu besprechen, damit man planen kann. Das Stressigste an allem ist nicht einmal, dass ich quasi zwei Fulltime Jobs parallel habe, sondern die Reisen dazwischen… Das ist für mich tote Zeit, in der ich weder arbeiten noch abschalten kann. Es sei denn man reist mal für lange Zeit weg, z.B. in die Karibik! 🙂

Trotz deiner erst 24 Jahre bist du schon unheimlich lange in der Musikszene unterwegs. Was bedeutet Musik für dich und dein Leben?

Einfach alles. Das klingt vielleicht kitschig, aber ich empfinde sie als Sprache. Wo ich auch bin, höre ich ihr zu. Es muss noch nicht mal Musik erklingen. Ich lese ein Plakat und es taucht urplötzlich eine Melodie in meinem Kopf auf. So macht das Songschreiben übrigens auch am meisten Spaß! Wenn man wahre Inspiration zulässt, können die besten Dinge entstehen. Egal ob die Initialzündung ein Film, ein Dialog, oder eben ein Plakat war. Inspiration kann man aus einfach allem gewinnen.

Ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann etwas anderes zu sein als Musiker, aber das Leben schreibt seine Geschichte unweigerlich selbst.

Wofür schlägt dein Herz mehr – Das Performen auf der Bühne, oder den doch recht intimen Prozess des Songschreibens?

Das ist wie Schwarz&Weiß – Laut&Leise. Eines funktioniert nicht ohne das andere. Es gäbe keinen Kontrast mehr, keine Spannung, keinen Pulsschlag. Ich bin schlicht für beides geschaffen und ich wollte es nie anders. Dieses Wechselspiel macht es für mich aus. Wenn ich im Studio sitze stelle ich mir vor, wie der Song wohl live klingt und bei den Menschen ankommt. Wenn ich aber nach einer langen Tour nach Hause komme, freue ich mich schon wieder, neue Lieder zu schreiben.

Du bist die harte Schule der Popakademie Baden-Württemberg gegangen. Was war das für ein Gefühl, als du mit einem goldenen und einem Platinalbum für „Oonagh“ ausgezeichnet wurdest? Reflektiert man da noch einmal die ganzen harten Jahre auf dem Weg dorthin?

Ich erinnere mich an jede einzelne Steckdose an der wir vor über 10 Jahren gespielt haben. Gaststätten, Sportheime, Jugendclubs… Heute sieht das für mich natürlich viel schöner aus. Und doch habe ich noch viel mit dem Hannes von damals gemeinsam. Die Kindheit die mich prägt. Der Ehrgeiz der mich antreibt. Der Traum von der Musik und den Glauben an den perfekten Song. Schön ist auch zu sehen, dass die Menschen die an einen geglaubt haben, immer noch größtenteils da sind! Gerade mit diesen Menschen dann Erfolge wie die erste goldene Schallplatte feiern zu können, sind wertvolle Momente.

Gibt es abschließend etwas Persönliches, das du Fans und Musikern sagen oder mit auf dem Weg geben möchtest?

Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch leben!

Wir bedanken uns recht herzlich bei Hannes Braun für die äußerst interessanten Einblicke, wünschen ihm viel Erfolg bei allen Projekten, die da noch kommen mögen und stellen mit absoluter Überzeugung fest: Es ist völlig egal, woher man kommt, wohin man geht, was man macht und wie man es macht…solange man mit dem Herzen dabei ist. Musik führt uns zueinander und in diesem Falle ist es die Brücke zwischen den Welten.

Für alle, die gerne mal über den Tellerrand hinausschauen wollen, hier die Band von „Oonagh“ Songwriter Hannes Braun „Kissin‘ Dynamite“ mit ihrem Video zur Powerballade „If Clocks Were Running Backwards“: Interesse geweckt? Das Album „Generation Goodbye“ gibts hier!

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