Über 900 Musikfreunde feierten beim Wandertag in Wittlich

Über 900 Musikfreunde feierten beim Wandertag in Wittlich © Andrea Ney / Schlager.de

Start und Ziel der Wanderroute am diesjährigen Christi Himmelfahrt-Feiertag war der Marktplatz vor dem Alten Rathaus der Mosel-Eifel-Kreisstadt Wittlich. Blauer Himmel, Sonnenschein und viele gut gelaunte und überaus motivierte Menschen. Besser kann so ein Feiertag doch gar nicht starten. „Auf Schusters Rappen“ unterwegs: Morgens um 10:00 Uhr fiel der Startschuss für den überaus beliebten SWR-4-Wandertag, als über 900 Wandersleute sich auf den Weg der ca. 10,5 km langenStrecke entlang des Lieserpfades machten. Ab 13:00 Uhr hieß es: „Bühne frei für die Stars“, denn nach dem Wandern lud SWR 4 Rheinland-Pfalz die Wander- und vor allem die Schlager-Freunde zu einem ausgewählten Musikprogramm ein.

Mit den Cappuccinos stand zunächst junger, moderner deutscher Pop-Schlager auf der Festivalbühne. 2007 wurde diese Formation von Kristina Bach und der Zeitschrift SuperIllu als quasi erste „Boygroup des deutschen Schlagers“ gecastet. Zunächst mischten sie zu Viert die Schlagerszene auf. 2009 erschien das von Kristina Bach produzierte Debütalbum dieser Formation. 2015 trennten sich die Cappuccinos zum einen von ihrer Produzentin und zum anderen auch von Bandmitglied Robert Kaufmann. Seitdem ist man nun zu dritt musikalisch unterwegs.

Zwei Niederländer, die Brüder René und Michèl, sowie Peter aus Deutschland brauchten nicht lange, um das Wanderspaß-Publikum in ihren Bann zu ziehen. Da standen drei sympathische Musiker auf der Bühne, die in den letzten Jahren an sich gearbeitet haben und musikalisch auch gewachsen sind. Neben eingängigen Party- und Popsongs im modernen Up-Tempo-Gewand gehören seit jeher auch einfühlsame Balladen zum Programm der Cappucinos. Schon 2013 fragten sich die drei: „Wie geil ist das denn…?“. Und so benannten sie das seinerzeit erschienene Album. Erfolg lässt sich oftmals halt nicht greifen oder gar begreifen – schon gar nicht planen; insbesondere nicht in so jungen Jahren. René, Michèl und Peter starteten schon zu Beginn ihres Bühnenprogramms einen musikalischen Countdown. Schon als die ersten Töne ihres großen Hits „Party auf dem Mond“ erklangen, war das Publikum kaum mehr zu halten. Diese Einladung wurde gerne angenommen, denn in Wittlich war man bereits in Stimmung – in allerbester Partylaune halt. Weiter ging es mit dem Song „Verzeih, dass ich dich liebe“, ebenfalls ein Titel aus den Anfängen, ein eingängiger Foxtrott, der zum Tanzen und natürlich zum Mitklatschen animierte. Es war zwar noch mitten am Tag, aber dennoch erzählten die drei von ihrer „Lady Moonlight“. Weiter ging es im Programm mit absolut jungem Schlager und dem Titel „Lass uns lieben“ aus dem Jahr 2015. Der erste Song übrigens, den die drei nach ihrer Trennung von Kristina Bach selbst geschrieben haben. Auch der nächste Titel ein absoluter Ohrwurm mit eingängiger Melodie: „Wer das Leben liebt“ aus dem aktuellen Album „Zusammen stark“. Für den nächsten Titel musste das Publikum sich schon im Vorfeld beweisen. Weil Deutschland doch auch das Land der (Fußball-)Weltmeister ist, stellte René ganz klar fest, müsste es auch stimmgewaltig und vor allem absolut partytauglich sein. Und so wurde der Marktplatz in Wittlich zum „Lila Feuerwerk“. Nach so viel Stimmung braucht es einen musikalischen Cool Down. Zuhören war angesagt mit der Ballade „Auch Affären tun weh“. Der Text dieses Titels stammt aus der Feder von Jan Smith. „Wo waren wir eigentlich im Sommer 2015?“, wollten die drei wissen. Sie erzählten von ihrer speziellen und überaus besonderen Reise nach Curacao, wo sie seinerzeit eine DVD für ein TV-Special aufnahmen. „Oh Magdalena“ – die Melodie zum Titelsong dieser DVD schrieb übrigens George Baker und Hit-Autor Tobias Reiz bescherte den Text. Dieser Titel und sein feuriger Rhythmus passte zum sommerlichen Feiertagswetter und die spanischen Klänge erzeugten Urlaubsfeeling.

Im Programm ging es mit dem beliebten Cappuccino-Titel „Rosanne“ und einer einstudierten kleinen Tanzperformance passend zum Sound weiter. Zusammen mit Jürgen Drews hatte man seinerzeit den Titel „Party auf dem Mond“ neu aufgenommen. Der Deal war, dass die drei sympathischen Musiker auch einen Song von „Onkel Jürgen“ auf der Bühne performen sollten. Kein Problem! Drei Mann – ein Wort; und seither darf der Jürgen Drews-Hit „Ich bau dir ein Schloss“ in keinem „Cappuccino-Hit-Programm“ fehlen. Dass auch „Raphaela“ es den Cappuccinos angetan hat, wird mit dem gleichnamigen Song deutlich. Im kleinen Interview mit SWR 4-Moderator Christian Kahn erzählten die Cappuccinos unter anderem von ihrem jährlichen Campingtreffen für die Freunde und Fans ihrer Musik in Holland, bevor sie die geforderte Zugabe zum Besten gaben. Über 250.000 You-Tube-Klicks heimsten sie bisher für den Hit „Party auf dem Mond“ ein. Ganz klar, dass sich die Cappuccinos mit dem Titel verabschiedeten, mit dem sie ihr Programm begannen.

Die nächste Künstlerin hatte die kürzeste Anreise zum SWR 4-Wandertag, stammt sie doch aus Nohfelden am schönen Bostalsee im benachbarten Saarland. Mit Nicole, die für die erkrankte Mary Roos eingesprungen ist, stand eine Künstlerin auf der Bühne, die tatsächlich Musik- und Schlagergeschichte geschrieben hat. Das wurde schon in der Anmoderation deutlich. 1982 gewann sie mit ihrem Titel „Ein bisschen Frieden“ in Harrogate den Eurovision-Song-Contest, seinerzeit „Grand Prix Eurovision de la Chanson“. Die damals 17-Jährige bescherte Deutschland den allerersten Sieg in diesem prestigeträchtigen europäischen Musikwettbewerb. Und das ganz ohne pompöse Show: Mit einer weißen Gitarre auf einem Barhocker sitzend. Dieses Lied (Komponist: Ralph Siegel, Text: Bernd Meinunger) – so war man sich sicher – kam seinerzeit genau zur richtigen Zeit. 1982 herrschte Kalter Krieg und die Friedens sowie die Atomkraftbewegung befand sich auf dem Höhepunkt. Dazu kam noch der Ausbruch des Falkland-Krieges ein paar Tage vor dem Song Contest. Heute ist der Grand-Prix-Siegertitel 35 Jahre alt, und inzwischen hat man das Gefühl, dass gerade dieser Song nie an Aktualität verlieren wird. Niemals war der Wunsch nach Frieden so stark wie heute, könnte man meinen. Germany: 12 Points, Allemagne: 12 Points, Deutschland: 12 Punkte: das waren tatsächlich noch Zeiten. Und immer gerne erinnert sich Nicole an diese Zeit zurück. Ob ihr dieser Titel nicht längst schon leid ist, wird sie im späteren Interview gefragt. Nicoles Antwort folgt promt: “Nein! Dieses Lied” – so die beliebte Künstlerin – “ist auch heute noch ein Segen“. Nicole denkt gerade auch in der letzten Zeit an die vielen schlimmen Nachrichten über Krieg und Terror. Sie wird leise, wenn sie vom jüngsten Anschlag bei einem Konzert in Manchester spricht. „Dieses Lied hat den Zeitgeist getroffen“, so Nicole weiter. Sie spricht von einer Art Magie, die sie bei jeder Interpretation dieses Titels spürt. Wäre „Ein bisschen Frieden“ sonst zu einem der Jahrhunderthits gekürt worden? Nicole gibt weiter an, dass sie sicherlich niemals müde wird, diesen Titel zu präsentieren. Vielleicht oder gerade auch deshalb heißt ihre aktuelle CD „12 Punkte“. Angelehnt an den Song-Contest hat sie ihre ganz persönlichen 13 Grand-Prix-Siegertitel in deutscher Sprache aufgenommen und auf diesem Album vereint. Zudem zwei ganz außergewöhnliche Duette als Bonus-Tracks. „Fly on the wings“ – den Siegertitel der Olson Brothers in englischer Sprache und den Italo-Hit „Insieme“ von Toto Cutugno – den die Hit-Königin zusammen mit Hape Kerkeling aufgenommen hat. Natürlich drehte sich beim Bühnenauftritt von Nicole nicht nur alles um den Song-Contest vor 35 Jahren. Viele ihrer Hits seit dem Beginn ihrer Karriere zählen natürlich ebenso zu ihrem Repertoire. Nicole ist bekannt für Titel, die gute Laune verbreiten, außerdem für Musik mit Tiefgang. Die Songs, die nachdenklich stimmen mit überaus anspruchsvollen und nicht immer alltäglichen Texten, wie man sie sonst vom Genre „Schlager“ her kennt. Nicole bezeichnet sich als absolute Realistin, die aber dennoch Träume hat. So erzählt sie musikalisch die Geschichte vom „Kaleidoskop“ oder aber dem „Talismann“, einem Song aus ihrem vorletzten Album „Traumfänger“, aus dem auch der Titel „Wir sehn uns im Himmel“ stammt. Mit den nächsten beiden Titeln dreht sie die Zeit ein Stück weit zurück. „Bis in alle Ewigkeit“ ist eine phantastische Ballade, bei der ganz deutlich wird, dass Nicole eine der Künstlerinnen ist, die für grandiosen Livegesang stehen. Wir sagen „Chapeau“ – es gibt nicht viele Künstler/innen, die live so exzellent intonieren können wie die Saarländerin. Mit dem 1992 veröffentlichten Titel „Ein leises Lied“ geht es weiter im Programm. Auch beim nächsten Programmpunkt beweist Nicole, dass es weder Glanz und Glamour, noch technische Effekte oder Feuerwerk auf der Bühne braucht. Aus dem neuen Album „12 Punkte“ präsentiert sie ein Hit-Medley, bestehend aus den Titeln „Waterloo“ von Abba, „Halt mich fest“ (Jonny Logans „Hold me now“), „Tausend Tränen“ („Only Teardrops“, der Grand-Prix-Siegertitel von Emmelie de Forest aus dem Jahr 2014) und Euphoria von Loreen. Vor diesem Grand-Prix-Hitfestival musste Nicole sich aber erst einmal ihrer High Heels entledigen und gibt überaus sympathisch zu, dass manche Schuhe halt einfach nur schön sind. Welche Frau kann nicht auch ein Lied davon singen. Vor ihrem großen Hit „Ein bisschen Frieden“ präsentierte Nicole den Titel, mit dem 1980 alles angefangen hat. „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“; musikalisch eine Warnung – damals wie heute – an alle Überflieger, die oftmals zu spät bemerken, dass man leider auch tief fallen kann. Aber auch Nicole ließ man nicht ohne Zugabe von der Bühne. Sehr zur Freude des Wanderspaß-Publikums stimmte sie einige bekannte Titel unplugged an, um dann mit einem Nicole-Hit-Medley nochmals ein musikalisches Feuerwerk auf der Bühne zu entfachen.

Nino de Angelo – der Mr. Jenseits von Eden – ist zurück, auch auf der SWR 4-Bühne in Wittlich und gleichzeitig mit sogar zwei neuen Albumproduktionen. „Liebe für immer“, sowie einem Best of Album „Das Beste“, welches Songs von damals bis heute, neu arrangiert und neu aufgenommen, in einem ganz außergewöhnlichen Sound enthält. „Jenseits von Eden“, mit diesem Song verbindet man stets auch Nino de Angelo. Denn dieser Titel aus der Feder von Drafi Deutscher bescherte de Angelo im Jahr 1983 den wohl größten Hit seiner musikalischen Laufbahn und ist seither absolut nicht mehr wegzudenken aus dem musikalischen Repertoire des beliebten Künstlers Fluch oder Segen – darüber lässt sich im „Showbiz“ immer wieder lebhaft diskutieren, manchmal auch streiten, denn hier scheiden sich wohl die Geister. Dennoch muss man ganz klar feststellen und unterstreichen, dass die Botschaft dieses Titels auch nach 34 Jahren absolut nicht an Bedeutung verloren hat und ebenso wie der große Hit von Nicole heute aktueller denn je ist. Vielleicht oder gerade auch deshalb ist dieser Song für Nino de Angelo bei jedem seiner Auftritte kein Muss, sondern ganz einfach Programm und nicht mehr wegzudenken aus seinem musikalischen Repertoire. Selbstverständlich gehörte exakt dieser Titel zum ausgewählten Programm in Wittlich. Die Karriere des beliebten Schlagerkünstlers war nicht immer von Erfolgen gekrönt. Seine musikalische Laufbahn – sicherlich nicht immer der „Garten Eden“ – führte so manches Mal durch „tiefere Täler“. Private Schicksalsschläge und Krankheiten galt es zu überwinden. Negative Schlagzeilen gesellten sich zu den überaus positiven News von einst. Es galt Hürden zu meistern und Stürme zu überstehen.

De Angelo startete sein Programm mit älteren Titeln aus seinem aktuellen „Best of Album“. „Süße Liebe“ und „Wünsche der Nacht“ gab er zum Besten, ehe er die erste Singleauskopplung aus dem Album „Liebe für immer“ präsentierte. Mit dem Titel „So lange mein Herz noch schlägt“ bedankte sich der beliebte Künstler zunächst bei SWR 4 Rheinland-Pfalz, da die Mainzer Radiomacher diesen Song in ihrem Programm „rauf und runter“ gespielt haben. Im modernen „Up-Tempo“ ging es weiter mit dem Titel „Zur Hölle mit der Liebe“. „Das weinen habe ich längst verlernt“ – dieser Song stammt aus der Feder von Drafi Deutscher. De Angelo bezeichnete Drafi Deutscher immer schon als seinen musikalischen Entdecker und Ziehvater; so auch bei seinem Auftritt auf der SWR 4 Festival-Bühne. Ebenso Pop-Titan und Hitproduzent Dieter Bohlen hat zusammen mit Nino de Angelo Hit-Geschichte geschrieben. Einen „Bohlen Song“ hat de Angelo seinerzeit in englischer Sprache aufgenommen. „Samurai“ ist gleichzeitig Titelsong der TV-Serie „Rivalen der Rennbahn“. Musikalisch ging es danach zurück ins Jahr 1983. Vor nunmehr 34 Jahren entstand der Titel „Ich sterbe nicht nochmal“. Und zum Schluss gab er nochmals seinen größten Hit „Jenseits von Eden“ zum Besten. Aber auch ihn ließ man nicht ohne eine Zugabe von der Bühne. So erzählte er, dass er seinerzeit beim Grand Prix 1989 mit dem Titel „Flieger“ – seiner Zugabe – teilgenommen und damit den 14. Platz beim europäischen Song Contest erreicht hatte.

Im Anschluss an das offizielle Bühnenprogramm übernahm ein DJ und ließ einen wunderschönen Tag musikalisch ausklingen.

Andrea NeyAutor: