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Nik P. wollte nie etwas anderes als Schlager machen!

Nik P. wollte nie etwas anderes als Schlager machen! © Moritz "Mumpi" Künster

20 Jahre Bühnenjubiläum, die Veröffentlichung des 17. Albums und die erfolgreiche Platzierung der ersten Singleauskopplung – es läuft gerade richtig gut für Nik P.. Warum das nicht immer so war und seine Karriere erst mit 35 Jahren begann, warum ihn Albumproduktionen oft wochenlang den Schlaf kosten und was das alles mit dem Liebesleben der Glühwürmchen zu tun hat, erzählt er uns exklusiv im Interview.

 

Schlager.de: Du hast Dich für einen Titel auf Deinem neuen Album mit dem Liebesleben der Glühwürmchen beschäftigt. Bist Du unter die Naturforscher gegangen?

Nik P.: Nein, nein, das bin ich nicht (lacht). Wir hatten in diesem Jahr einen richtig heißen Sommer und in einer dieser schwülen Nächte bin ich raus gegangen in den Garten, weil es im Haus noch so warm gewesen ist. Auf einmal sehe ich einen Schwarm Glühwürmchen. Ich habe jahrelang keine gesehen und mich gefragt, warum sie eigentlich leuchten. Ich las dann, dass sie Lichtsignale senden, um auf sich aufmerksam zu machen und um dem Partner zu imponieren. Ich dachte: „Was für eine schöne Idee! Die leuchten aus Liebe!“ Das hat mich dann zu dem Titel inspiriert.

Schlager.de: Es könnte alles so einfach sein mit der Liebe, wenn wir Glühwürmchen wären, oder?

Nik P.: Ja, genau, man muss nur einmal leuchten (lacht)!

Schlager.de: Über Dein neues Album sagst Du, es sei der Spiegel eines Lebensabschnittes. An welcher Stelle Deines Lebens stehst Du gerade?

Nik P.: An einer sehr glücklichen. Meine Band und ich, wir sind gut gebucht und viel unterwegs. Wir feiern 20 Jahre Bühnenjubiläum. Das ist ein absolut toller Moment! Ich habe ja erst spät mit meiner Karriere begonnen. Jetzt bin ich 55 Jahre alt und so erfolgreich mit meiner Musik wie nie zuvor. Ich stehe wirklich sehr positiv im Leben. Alles ist perfekt!

Schlager.de: Das schließt auch das Private ein, oder?

Nik P.: Ja, natürlich. Es war ja nicht immer so ganz einfach bei mir und jetzt kann ich sagen, dass ich wirklich glücklich bin.

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Nik P.

Nik P. – Ohne Wenn und Aber – EPK (Offizielles Video)
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Schlager.de: Dein neues Album heißt „Ohne Wenn und Aber“. Das klingt sehr konsequent. Wofür steht dieser Titel, und welche Dinge sind mir Dir nicht verhandelbar?

Nik P.: Der Albumtitel steht für mein Leben. Ich habe mit neun Jahren meine Mutter verloren und musste früh lernen, auf mich selbst zu achten und dass man allein für sich verantwortlich ist. Man kann diese Verantwortung nicht abgeben. Der Mensch, der dir im Spiegel entgegen schaut, der ist für dein Leben verantwortlich. Niemand sonst. Wenn ich Entscheidungen getroffen habe, dann ohne Wenn und Aber. Und das habe ich auch genau so in der Musik umgesetzt. Plattenfirmen haben jahrelang meine Demos abgewiesen. Erst spät, mit 35 Jahren, bekam ich die Chance, ein Album zumachen. Das habe ich produziert ohne Wenn und Aber, ohne Einflüsterer. Die Ehrlichkeit, die in diesem Album steckt und auch in allen weiteren, die hat mich schlussendlich zu meinen Erfolgen geführt.

Schlager.de: Die erste Singleauskopplung aus dem Album ist der Titel „Dieser Ring“.

Nik P.: Ja, der Song ist seit fünf Wochen draußen. Und er ist auch schon die fünfte Woche Platz 1 der DJ-Charts! Ich bin sehr glücklich, aber auch total überrascht. Die Nummer hat sich vor Vanessa Mai, Andrea Berg und Helene Fischer platziert.

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Nik P.

Nik P. – Dieser Ring
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Schlager.de: Der Titel ist ja ein Plädoyer fürs Heiraten.

Nik P.: Ja, genau. Wir haben alle Klischees verarbeitet, die das Heiraten mit sich bringt. Dass das so ein Hit wird, das hätten wir nie gedacht.

Nik P. spricht exklusiv mit Schlager.de

Schlager.de: Glaubst Du, dass es den einen Menschen im Leben gibt, der einem bestimmt ist oder gibt es Menschen, die einen „nur“ in verschiedenen Lebensabschnitten begleiten

Nik P.: Ich glaube schon, dass es manchen Menschen passiert, diesen einen Menschen zu finden, der für sie bestimmt ist. Ich wage aber nicht, Prognosen abzugeben, weil ich nun schon das dritte Mal verheiratet bin. Ich habe bei meiner ersten Hochzeit gedacht, dass meine Ehe ein Leben lang hält. Und dann ist es anders gekommen, weil sich plötzlich mein Leben verändert hat und ich als Musiker erfolgreich und zur öffentlichen Person wurde. 80% meiner Fans sind weiblich. Da ist es schwer für den Partner, mithalten zu können und mit ansehen zu müssen, wie der andere umschwärmt wird. Ich bin gelernter Kellner. Wenn ich heute noch Kellner wäre, hätte ich ein eigenes Lokal, wäre noch zu Hause und mit meiner ersten Frau zusammen. Aber so ist es nun mal nicht mehr.

Schlager.de: Der Titel „Alles geht vorbei“ ist eine sehr gefühlvolle und auch kraftvolle Ballade. Kannst Du Dich gut von Menschen und Beziehungen, die vorbei sind, verabschieden oder fällt Dir das Loslassen schwer?

Nik P.: Das fällt mir wahnsinnig schwer. Ich habe mich für das Lied an Abschiede erinnert und daran gedacht, wie es mir dabei ergangen ist. Ich habe versucht, alle Gefühle wie Enttäuschungen und Herzschmerz in dieses Lied fließen zu lassen. Wenn es um Beziehungen geht, ist es wichtig, dass man den Respekt und die Freundschaft, die man mal hatte im Leben, nicht einfach weg wirft. Bei meinen beiden Ehen ist es Gott sein Dank gelungen, dass ich mit meinen Ex-Frauen noch gut befreundet bin, weil es ja auch um unsere Kinder geht.

Schlager.de: Ein weiterer toller Song auf dem Album ist „Spuren im Leben“. Was glaubst Du, womit hinterlässt man Spuren und was ist nur ein flüchtiger Moment?

Nik P.: Spuren im Leben hinterlässt man, indem man ganz ehrlich durch die Welt geht. Indem man den Menschen offen gegenübertritt. Ich glaube, Leute behalten dich dann in Erinnerung, wenn du aufrichtig und ehrlich zu dir selber und zu anderen bist. Die Ehrlichkeit ist das Wichtigste im Leben. Menschen ohne Vorurteilen zu begegnen, das hinterlässt Spuren.

“Ich nehme sogar Textzeilen mit ins Bett.”

Schlager.de: Wenn Du an einem Album arbeitest, ist Dir dann eine Grundmelodie, ein Grundgefühl oder ein Thema wichtig oder sammelst Du Songs und lässt Dich überraschen von der Stimmung, die sie erzeugen.

Nik P.: Ich lasse mich überraschen. Ich mache einen Titel nach dem anderen. Da ich auch Songwriter bin, beschäftige ich mich sehr lange mit dem Text, bis er dann endlich fertig ist. Das ist eine intensive Zeit, in der ich wenig schlafe. Ich nehme sogar Textzeilen mit ins Bett. In dieser Songwritingphase kann ich nicht abschalten. Ich bin immer froh, wenn ich ein Album abschließe und wir es rausbringen. Danach kann ich auch wieder ruhig schlafen.

Schlager.de: Du hast mit DJ Ötzi den erfolgreichsten Song Deiner Karriere gesungen. Duette sind in der Schlagerbranche durchaus sehr beliebt. Ich denke beispielsweise an Roland Kaiser und Maite Kelly. Wenn Du Dir wieder einen Duettpartner wünschen könntest, wer wäre das? Steht jemand auf Deiner Wunschliste?

Nik P.: Eigentlich nicht. Ich hatte nie geplant, Duette zu machen. Ich habe keine Anfragen an andere Künstler gestellt, die Anfragen wurden an mich gerichtet. Bei den beiden Duetten mit DJ Ötzi ist er jedes Mal an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob wir das machen. Auch bei den Duetten mit Claudia Jung und Helene Fischer wurde ich gefragt. Ich bin nicht so gern der Duettpartner. Aber wenn jemand mit einer guten Stimme kommt, warum nicht.

Schlager.de: Das beantwortet auch schon meine nächste Frage. Die meisten kennen ja das Duett „Ein Stern“, aber die wenigstens wissen, wie es zur Zusammenarbeit zwischen Euch kam.

Nik P.: Das Management von DJ Ötzi hat mich gefragt, ob ich Interesse habe, „Ein Stern“ mit ihm zu machen. Ich habe das anfangs abgelehnt, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein Lied, das ich für eine Frau geschrieben habe, von zwei Männern im Duett gesungen wird (lacht). Wir haben dann Probeaufnahmen gemacht, und der Erfolg hat uns Recht gegeben. Wir sind zwei Künstler, die für ein Lied stehen. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Lied auf dem Markt. Es hat einfach alles gepasst.

Schlager.de: Es gibt eine Redewendung, die lautet: „Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen.“ Alle wissen, dass „Ein Stern“ eine ganz besondere Bedeutung für Dich hat. Ist mit diesem Zitat Dein Lebensweg beschrieben?

Nik P.: Ja. Mein Weg war nie asphaltiert und glatt. Im Gegenteil. Mein Weg war oft sehr rau, und ich wusste nicht immer, wie es weiter geht. Tiefschläge kommen ohne Vorwarnung, man muss lernen, mit ihnen umzugehen. Das Leben geht leichter, wenn man das kann. Oft sind raue Wege zu beschreiten, um den Lebensinhalt zu erkennen, um wahrzunehmen, dass nicht immer die Sonne scheint. Es hilft, sich zu vergegenwärtigen, dass alles vergänglich ist. In dieser Gewissheit lebe ich, irgendwann nicht mehr da sein, es lebt sich leichter und bescheidener, wenn man das akzeptiert.

Schlager.de: Du hast in einem Interview gesagt, dass Du die Seele Deines Vaters in Dir trägst, der ja russischer Kosake war. Ist das die Emotionalität, mit der Du heute textest und komponierst?

Nik P.: Ja. Mein Vater und auch meine Mutter waren sehr emotionale Menschen. Gerade Vater hat sehr unter einem Kriegstrauma gelitten und oft geweint. Weil alles in seinem Leben anders gekommen ist, als er es sich eigentlich vorgestellt hatte. Er konnte feiern und lachen und im nächsten Moment richtig traurig sein. Auch ich kann lachen und glücklich sein und dann passiert etwas und ich muss sofort weinen. Diese Gefühlswelt habe ich von meinem Vater geerbt und deshalb kann ich in meinen Texten alle Facetten des Lebens ansprechen und auch viel von mir selbst erzählen.

Schlager.de: Und was ist der Anteil von Deiner Mutter? Was hat sie Dir vererbt?

Nik P.: Die Fürsorglichkeit. Für jemanden da zu sein, andere nicht im Stich zu lassen. Das Verantwortungsgefühl, das meine Mutter hatte, war sehr groß. Sie war immer da für meine Geschwister und mich. Sie hat dafür gesorgt, dass wir uns nie allein fühlten. Als sie starb, war ich neun Jahre alt. Das hat ein sehr tiefes Loch gerissen.

Schlager.de: Es ist bekannt, dass Du nach dem Tod der Mutter bei Deinen Zieheltern aufgewachsen bist, für die Du den Titel „Löwenherz“ geschrieben hast. Du beschreibst darin enorme emotionale Kräfte und Herzenswärme. Glaubst Du, dass uns das in der heutigen Zeit verloren geht?

Nik P.: Natürlich haben sich die Zeiten geändert. Heute ist alles digital ausgerichtet. Wenn ich meine Kindheit mit den Kindern heute vergleiche, dann stehen das Handy und der Computer im Vordergrund. Ich zweifle manchmal, ob Freundschaften, wie ich sie in meiner Jugend erlebt habe, heute noch in dieser Social-Media-Welt, in welcher wir leben, entstehen können. Meine Zieheltern sind für mich ganz besondere Menschen, weil sie ihr Leben auch dazu hergeben, anderen, denen es nicht so gut geht, zu helfen. Ich glaube, in ländlichen Gebieten kann man solche Menschen noch finden. In den Städten ist diese Herzenswärme durch die Einflüsse der Medien etwas verloren gegangen. Ich glaube, wir leben jetzt in einer Welt, in der man zuerst auf sich schaut und in der das eigene Wohl wichtiger ist als das des anderen.

Schlager.de: Wir sprechen heute über 20 Jahre Bühnenjubiläum. Bist Du mit Deinem Erfolg da angekommen, wo Du immer hin wolltest?

Nik P.: Ja. Ich habe ja erst mit 35 Jahren durch Zufall meine Karriere gestartet. Klar wollte ich schon mit 20 diesen Erfolg haben, aber es gab niemanden, der von meinen Ideen begeistert war. Irgendwann gibst du auf. Und plötzlich spricht dich dann auf einem Stadtfest jemand an und gibt dir die Chance, ein Album zu produzieren. Und das habe ich dann auch gemacht und gegen die Prognosen der Plattenfirma wurde es ein Hit. Als ich mich das erste Mal im Radio gehört habe, saß ich gerade im Auto. Ich bin ausgestiegen und habe beide Autotüren aufgerissen, einfach, weil ich so lange auf diesen Moment gewartet habe. Und jetzt veröffentliche ich schon das 17. Album.

Schlager.de: Wenn Du auf die nächsten 20 Jahre schaust – was willst du unbedingt noch erreichen?

Nik P.: Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich meine Musik im gesamten deutschsprachigen Raum spielen kann. Das war immer schon ein großer Traum von mir: Wenn ich Musik in meiner Muttersprache mache, dann würde ich gern überall, wo man mich versteht, auf die Bühne gehen. Und das tun wir! Meine Zukunft sieht so aus, dass ich bis an mein Lebensende Musik machen werde!

Schlager.de: Gibt es Unterschiede zwischen dem deutschen und österreichischen Schlager?

Nik P.: Ich glaube nicht, dass es Unterschiede gibt. Alles, was in Deutschland funktioniert, das funktioniert auch in Österreich, zumal sich die meisten österreichischen Künstler deutsche Produzenten holen.

Schlager.de: Gibt es denn Unterschiede beim Publikum?

Nik P.: Ich kann ja nur von meinem Publikum sprechen und die sind hier wie dort absolut begeisterungsfähig. Der deutsche, der österreichische und auch der Schweizer Fan stehen zum Schlager. Ich sehe in diesen Ländern überhaupt keinen Unterschied.

Schlager.de: Hast Du je etwas anderes machen wollen als Schlager?

Nik P.: Nein.

Sina WormAutor:
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