Exklusivinterview mit Fantasy: “Wir brauchen keine Bodyguards”

Exklusivinterview mit Fantasy: “Wir brauchen keine Bodyguards” © Semmel Concerts

Ein Interview mit Fantasy ist mehr als eines der üblichen Pressegespräche. Fredi Malinowski und Martin Hein geben keine einstudierten Antworten. Sie sind unverstellt und menschlich nahbar. Ein Gespräch über ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum, die Höhen und Tiefen ihrer Karriere und über das, was wirklich wichtig ist: Fredi und Martin lassen sich nicht verbiegen und sind auf Augenhöhe mit ihren Fans.

Ihr seid gerade mit Eurem neuen Album „Bonnie & Clyde“ auf Jubiläumstour und schreibt dazu auf Eurer Seite, Eure Musik sei erwachsener, markanter und kraftvoller geworden. Woran macht Ihr das fest?

Martin: “Wir sind tatsächlich etwas reifer geworden. Natürlich passen wir uns auch dem heutigen Schlager an, spielen andere Moves und Sounds, achten aber immer darauf, die Linie von Fantasy nicht zu verlieren. Das ist uns ganz wichtig.”

Was macht Euch aus? Was ist seit 20 Jahren der Markenkern von Fantasy?

Fredi: “Natürlichkeit. Wir haben uns nie verbiegen lassen, auch wenn Leute uns belächelt und behauptet haben, wir würden nie erfolgreich werden, schon gar nicht mit unserem Namen, der angeblich nicht zum deutschen Schlager passt. Wir haben uns aber nicht beirren lassen und sind zielstrebig unseren Weg gegangen. Und jetzt sind wir da, wo wir immer hin wollten.”

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Fantasy – Ich brenn durch mit dir (Berlin)
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Ihr habt die meisten Titel auf dem Album selbst getextet und komponiert. Warum ist es Euch so wichtig, weitgehend unabhängig von Produzenten zu arbeiten?

Fredi: “Uns ist es extrem wichtig, dass wir Musik machen, die uns Spaß macht und die authentisch ist. Wenn man sich zu viele Texter und Komponisten ins Boot holt, dann ist es oft so, dass man verbogen wird. Wir haben ein Album mit Dieter Bohlen gemacht. Das hat sehr gut funktioniert. Mit ihm zu arbeiten, war ein Wunsch, den wir uns erfüllt haben, aber auch mit ihm haben wir darauf geachtet, dass wir Fantasy bleiben.”

Ich habe vor kurzem mit Nik P. gesprochen, der mir erzählt hat, dass Albumproduktionen teilweise der absolute Horror für ihn sind. Er nimmt unfertige Texte mit ins Bett, er kann nicht schlafen, er kann nicht abschalten. Ist das bei Euch auch so?

Fredi: “Nein, auch wenn wir mit Leib und Seele an unseren Songs arbeiten. Wir haben im Studio einen Heidenspaß. Wir lachen zusammen, wir weinen zusammen. Und es gibt nichts Schöneres, wenn unser Baby, also das neue Album, dann draußen ist.”

“Wir brauchen keine Bodyguards!”

Spürt Ihr mit dem Erfolg auch einen steigenden Erwartungsdruck?

Martin: “Nein. Den haben wir uns nie gemacht und den lassen wir uns auch nicht machen. Wir haben uns nicht verändert mit dem Erfolg. Wir verstecken uns nicht, wir brauchen keine Bodyguards. Das haben wir die letzten 20 Jahre nicht gebraucht und das brauchen wir auch jetzt nicht. Uns ist es immer wichtig, durch unser Können zu überzeugen. Wir wollen für unsere Fans da sein, wir wollen in unseren Konzerten so viel wie möglich von uns zeigen und nicht mit Effekthaschereien für Aufmerksamkeit sorgen. Nur jetzt, auf unserer Jubiläumstour, haben wir uns ein bisschen was einfallen lassen …”

Wer sind Eure besten Ratgeber und wer Eure schärfsten Kritiker? Wer darf Euch mal so richtig die Meinung geigen?

Martin (lacht): “Wir uns gegenseitig. Wir sind selbst unsere besten Berater. Unsere Plattenfirma und das Management lassen uns volle Freiheit, denn sie sagen: „Jungs, Ihr habt bisher alles richtig gemacht. Wir wollen Euch nicht dazwischen funken.“ Dieses Rezept funktioniert.”

Könnt Ihr richtige Perfektionisten und Pedanten sein?

Fredi: “Nein, pedantisch sind wir nicht. Wenn man alles ehrlich und mit Leib und Seele macht, dann muss man nicht pedantisch sein, damit etwas gut wird. Das kommt von ganz allein. Es soll natürlich sein und nicht aus irgendwelchen Eitelkeiten heraus entstehen.”

„Musik zu machen ist unser Traum.“

Wenn man auf Eure Karriere schaut, dann fallen drei Besonderheiten auf: Erstens, dass Ihr Euch überhaupt kennen gelernt habt, dann, dass Eure Freundschaft Bestand hat und drittens, dass Eure Karriere nach so vielen Jahren doch noch Fahrt aufgenommen hat. Hättet Ihr so eine Lebenswende für möglich gehalten?

Fredi: “Nein, niemals. Wir haben uns das immer gewünscht, aber wir hätten nie geglaubt, dass so etwas möglich ist. Wir haben viele Jahre gekämpft und trotz aller Hürden immer an dem, was wir gemacht haben, fest gehalten.”

Martin: “Klar, wir hatten unsere Träume und Wünsche. Wir wollten einmal auf der After-Show-Party beim Echo sein. Jetzt waren wir schon viermal nominiert. Wir wollten einmal eine Goldene Schallplatte, jetzt haben wir sogar mehrfach Gold und Platin. Also, dass das wirklich einmal so kommt, das hätten wir nie gedacht.”

Was hat Euch all die Jahre für den Durchbruch gefehlt?

Fredi: “Uns hat nichts gefehlt. Unsere Zeit war einfach noch nicht gekommen.”

Sina WormAutor: