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Deshalb lieben die Menschen den deutschen Schlager

Deshalb lieben die Menschen den deutschen Schlager © Schlager.de/Toni Kretschmer

Atemlos durch die Nacht“ … oder „Wahnsinn, warum“ …,  aber ebenso „Joana, geboren, um“ … – Stimmt man irgendwo in der Republik diese Textzeilen an, singt Deutschland die Strophen in Partystimmung zu Ende. Schlagerstars von „damals“ wie Roland Kaiser füllen ebenso die großen Hallen wie Helene Fischer. Jürgen Drews, Costa Cordalis und Co. ziehen Jung und Alt in die Biergärten und Diskotheken auf Mallorca – Schlager.de geht der Faszination Schlager auf den Grund.

 

Wer kennt es nicht, das berühmte Intro der ZDF-Hitparade? Dazu die Anmoderation von Dieter Thomas Heck mit seiner unverwechselbaren Stimme: „Hier ist Berlin, das Zweite Deutsche Fernsehen präsentiert Ihnen die erste Ausgabe der Hitparade, am Mikrofon Ihr Dieter Thomas Heck…“  Mit dieser heutigen Kultansage ging das 2. Programm am 18. Januar 1969 zum ersten Mal auf Sendung. In dem monatlichen Format traten Deutschlands Schlagergrößen in einem Wettbewerb gegeneinander an. Und im ganzen Land liefen am Samstagabend brav die Fernseher, und Oma und Opa sangen und schunkelten vor der Flimmerkiste eifrig mit, häufig in Gesellschaft ihrer Enkelkinder. Im feinen 70er Jahre-Zwirn traten Howard Carpendale, Gitte und Gesangsduos wie Cindy und Bert auf und sangen von Spanischen Gitarren, Spuren im Sand und verspielter Liebe in Monte Carlo. Schlagerstars wie Jürgen Marcus und Roy Black waren die Wunschschwiegersöhne deutscher Mütter.

Mit den 80er Jahren folgten immer mehr tanzbare Foxschlager wie Ibos Titel „Ibiza“ und, nicht zu vergessen, Wolfgang Petry, der im Holzfällerhemd für ausverkaufte Stadien sorgte. Nur sein Outfit mit Freundschaftsbändern und der langen Mähne brachte das Schwiegersohnbild ins Wanken. Doch in Petrys Texten fanden sich die unzähligen Fans wieder. Dazu passend die Definition des allwissenden Duden, der den Begriff „Schlager“ auf das Wienerische zurückführt, „wohl nach dem durchschlagenden Erfolg, der mit einem Blitzschlag verglichen wird“.

Aus „Immer wieder sonntags“ wurde „Wahnsinn“, und der meist heile Schlagerhimmel brannte. Nicole hielt mit Heile-Welt-Schlagertexten dagegen und gewann 1982 den ESC. Da springt einem sofort die Wikipedia-Begriffsklärung des Schlagers ins Auge: „Als Schlager werden allgemein leicht eingängige instrumentalbegleitete Gesangsstücke der Popmusik mit oft deutschsprachigen, weniger anspruchsvollen, oftmals auch sentimentalen Texten bezeichnet.“

Ebenso revolutionär die Interpreten der Neuen Deutschen Welle. Plötzlich schlenderte samstagsabends ein Hubert Kah im Nachthemd zur besten Sendezeit durch Omas Wohnzimmer, sang vom Sternenhimmel und begeisterte Jugendliche für deutsche Texte. Schlager erhielt eine neue Dimension.

Parallel dazu die Ferieninsel Mallorca, die überwiegend Schlagermusik spielte und der Zeit immer ein Stück voraus war. Im Ausland feierten deutsche Urlauber ihre Musik und brachten die Begeisterung und das Wir-Gefühl beim gemeinsamen Liedgut-Schmettern nach Deutschland zurück.

1990 führte dann Matthias Reim mit „Verdammt, ich lieb’ Dich“ auch sonst eingefleischte Rockfans mit auf den Schlagerweg. Ebenso sorgten in den 90ern deutschsprachige „Boygroups“ wie die Prinzen mit Acapellamusik für eine neue Facette. Schlager wurde immer abwechslungsreicher, die Abgrenzung zur Popmusik fließend und kaum mehr möglich.

So wurde 1997 die Geburtsstunde des Schlagermoves auf Anhieb mit 50.000 Fans gefeiert. Und das wie in den 70ern in Schlaghosen und mit großen Sonnenbrillen. Statt Techno schmetterte nun „Fiesta Mexicana“ und „Tanze Samba mit mir“ von den Trucks. Schlager war ab sofort Party. Und auch Jugendliche tanzten nun nicht mehr nach Technoklängen, sondern fanden Jürgen Drews und Co. richtig cool.

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Jürgen Drews

Jürgen Drews – Ein Bett im Kornfeld
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Zeitgleich entwickelte sich auf Mallorca die sogenannte Ballermann-Musik weiter. Auf der Balearen-Insel wurde aus Jürgen Drews der König von Mallorca, Costa Cordalis erhielt eine Verjüngungskur durch seinen Sohn Luca, und Sänger wie Peter Wackel und Mickie Krause hauchten dem Schlager ebenfalls ein ganz neues Leben ein. Die Fangemeinde wuchs. Die Texte waren simpel, hatten Ohrwurmcharakter. Und besser noch: Sie waren in der eigenen Sprache und gingen so gleich ins Herz. Die Microsoft Encarta definierte Schlager 2003 daher ganz treffend als „Gattung der Unterhaltungsmusik mit einfachsten musikalischen Strukturen und trivialen Texten, die an das Harmonie- und Glücksverlangen des Zuhörers appellieren.“

Der Schlager wird “salonfähig”

Schlager nahm sich selbst nicht mehr so ernst. Das zeigte sich auch beim ESC. Dort traten ab Ende der 90er nicht mehr Ralf Siegel-Titel an, sondern Stefan Raab stand persönlich im Glitzerfummel auf der Bühne und fragte „Wadde Hadde Dudde da“. In den Folgejahren schickte er als Produzent Guildo Horn ins Rennen, und überall in Deutschland finden seitdem große ESC-Partys statt.

Schließlich war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Schlager noch poppiger wurde. Jürgen Drews schlug etwas härtere Klänge an, Michael Wendler spaltete mit seinem Discoschlager „Sie liebt den DJ“ mit harten Rhythmen die Schlagerfans. Die Bühne war frei, Schlagermusik war damit im 21. Jahrhundert angekommen und hatte somit den Weg für Stars wie Helene Fischer geebnet. Und so ist das Geheimnis um den riesigen Erfolg des Schlagers gelüftet: Kaum eine andere Musikrichtung ist so abwechslungs- und facettenreich, keine erreicht eine größere Zuhörerschaft. Schlager bietet einfach für jeden etwas, egal ob alt oder jung, arm oder reich, hoch gebildet oder nicht, intro- oder extrovertiert, Partysocke oder Couch-Potatoe, und so weiter, und so weiter.

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Helene Fischer

Helene Fischer – Achterbahn (Offizielles Video)
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