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Peter Sebastian – 60 Jahre und kein bisschen leise

Peter Sebastian – 60 Jahre und kein bisschen leise © 2015.petersebastian.de

Als der kleine Walther am 8. Januar 1958 in Fürth geboren wurde, war ihm sein späterer Lebenslauf eigentlich nicht in die Wiege gelegt. Erst ging auch noch alles seinen gewohnten Gang: Walther lernte den Beruf des Restaurantfachmanns von der Pike auf. Eine Anstellung fand er in einem Restaurant am Hamburger Hafen. Ein Tisch („Tisch 21“) war dort immer reserviert für Lilli Blessmann, die Ehefrau und Managerin Freddy Quinns. Eines Tages durfte Peter Lilli bedienen. Man kam ins Gespräch und verabredete sich auf einen Kaffee.

Lilli stellte den Kontakt zur Musikindustrie her – und 1980 wurde aus Walther dann Peter Sebastian, der seine erste von Georg Moslener produzierte Single veröffentlichte – bei Philips erschien „Ein Mädchen so schön wie ein Traum“. Von langer Dauer war die Zusammenarbeit mit Frau Blessmann, an die er sich damals vertraglich band, und Philips nicht.

Noch vor Ablauf des Vertrages suchte die Musikpromoterin Erika Krug im Auftrag des Produzenten Jürgen Kramer einen Sänger für das Lied „Die Fischer von San Juan“, um den Titel für Polydor aufzunehmen. Da Peter noch vertraglich gebunden war, wurde der Song mit Tommy Steiner produziert – der Rest ist Geschichte. Als der alte Vertrag mit Philips abgelaufen war, unterschrieb Peter dann aber doch bei Polydor und produzierte den Titel „Ein schneeweißes Schiff“, der als schöner Achtungserfolg angesehen werden kann.

Ende der 1980er Jahre gab Peter einige Gastspiele in den USA. Bei diesen Auftritten kam ein Lied immer wieder sehr gut an: „Du schwarzer Zigeuner“. Dafür gab es Standing Ovations, so dass beschlossen wurde, den Schlager als Single zu veröffentlichen – der Titel kam sehr gut an und wurde so etwas wie ein Markenzeichen von Peter Sebastian. Unter anderem präsentierte er den Song in der „Deutschen Schlagerparade“ des SWF.

Auf diese Produktion wurde Einzi Stolz, die Witwe des berühmten Robert Stolz, aufmerksam und bat Peter, einen bislang unveröffentlichten Schlager aus dem Nachlass des Komponisten aufzunehmen. Irma Holder schrieb „Rose vom Orient“ und damit die wohl letzte Neuveröffentlichung des berühmten Komponisten Robert Stolz.

Zu Beginn der 1990er gründete Peter seine eigene Plattenfirma „Toi Toi Toi-Records“. Hauptgedanke war, jungen Künstlern eine Chance zu geben – ähnlich wie ihm eine Chance gegeben wurde. Zu dem Gedanken inspirierte Peter Sebastian seine Entdeckerin Lilli Blessmann, die Peter damals ihrerseits eine Chance gegeben hatte. Neben jungen Künstlern nahm Peter arrivierte Sänger wie Ulla Norden und Wolfgang Sauer auf sein Label – auch, um das Interesse an den Produktionen der jungen Plattenfirma zu wecken.

In der Folgezeit bildete er mit dem Sänger Gino d’Oro unter dem Namen „Die Zwei“ erfolgreich ein Duo – Titel wie der „Walzer der Rose“ schlugen recht gut ein. Anschließend konzentrierte sich Peter auf volkstümliche Titel und beteiligte sich am Wettbewerb „Lieder so schön wie der Norden“. 1995 trat Peter sogar in der legendären ZDF-Hitparade auf.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends betätigte sich Peter Sebastian für den MDR auch im Fernsehen als Talent-Sucher. Noch vor DSDS und anderen Castingformaten präsentierte er „Die Stimme 2000“. Eine der Teilnehmerinnen war übrigens eine gewisse „Viviane“, die später als Yvonne Catterfeld Karriere machen sollte.

In diesen Jahren lebte Peter auch für einige Jahre in der Türkei, was auch Einflüsse auf seine Musik hatte.

Nach wie vor ist „Mr. Gute Laune“ voll im Geschäft und als Produzent in eigener Sache (regelmäßig platzieren sich seine Lieder in den Rundfunkhitparaden wie denen des NDR) und für andere Interpreten als Produzent tätig.

Bemerkenswert ist auch Peters Engagement für unfallgeschädigte Kinder. Seit Mitte der 1980er Jahre engagiert er sich dafür und hilft auch aktiv mit seiner „Starpyramide“, die seit 1987 jährlich in der Hansestadt Hamburg von ihm veranstaltet wird. Was einst in einem Einkaufszentrum begann, hat sich zu einer beliebten Institution des deutschen Schlagers etabliert – „alle Jahre wieder“ schafft es Peter, prominente Schlagerkollegen nach Hamburg zu lotsen, um im Dienst der guten Sache tätig zu werden.

Dieses Engagement fand Anerkennung. So ist er Botschafter der Hamburger Polizei für unfallgeschädigte Kinder und erhielt 2001 gar das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Engagement.

Auch DAS gehört zu Peter Sebastian: Vor einigen Jahren erkrankte er schwer an Krebs – und ging offen mit der Krankheit um. Er nahm den Kampf und damit die Chemo-Behandlung auf sich, kämpfte und – siegte. Neben eisernem Willen und einer Portion Glück half Peter bei der Überwindung der Krankheit sicher sein unerschütterlicher Optimismus, den er stets beibehält.

Auch wenn „Mr. Gute Laune“ bisweilen Kante zeigt und man sich mit ihm streiten kann, bleibt er stets menschlich, fair und loyal. Seit einigen Monaten darf ich vertretungsweise für ihn arbeiten (der Musikjournalist Holger Stürenburg ist schwer erkrankt, und für Peter war klar, dass er loyal an ihm festhält, wenn der seine Krankheit überstanden haben wird). Ich habe Peter als ausgesprochen offenen Menschen mit klarer Kante kennen gelernt, der immer offen und ehrlich ist – auch wenn es mal unangenehm wird, was in der Schlagerbranche fürwahr nicht selbstverständlich ist und insofern umso bemerkenswerter.

Heute feiert „PS“ seinen unglaublichen 60. Geburtstag, was man ihm nicht ansieht. Optimistisch wie er ist, stellt er fest, dass er zwar nicht in der großen „Helene-Fischer-Liga“ mitspielt, das aber auch gar nicht will. Er sei erst mal Mensch, der Sockel, auf den man gestellt werde, könne jederzeit wieder zerstört werden – Peter sei hingegen zurecht stolz darauf, seit Jahrzehnten mit seiner Musik und seinen Produktionen eine Freude zu machen, was ihm zweifellos gelungen ist. Bleibt zu hoffen, dass er noch viele Jahre bei bester Gesundheit produzieren kann – gute Gene hat er ja, seine geliebte Mutter ist inzwischen 90 Jahre alt.