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Kolumne: ECHO 2018 – Fehler im System!

Kolumne: ECHO 2018 – Fehler im System! © VOX

Vor über 25 Jahren wurde der deutsche Musikpreis „ECHO“ installiert. Als Vorbild hatte man damals sicher die weit traditionsreicheren Schallplattenpreise Grammy (USA) und Brit Awards (Großbritannien) im Hinterkopf. Eigentlich sollte der ECHO ein reiner Publikumspreis sein – mit anderen Worten: Die wirklich erfolgreichsten Interpreten ihres Genres erhalten einen ECHO. Seit dem letzten Jahr hat man nun eine Jury installiert, deren Wertung in den wichtigsten Kategorien zu 50 Prozent das Ergebnis der Preisverleihung bestimmt.

 

Jury winkt Kollegah und Farid Bang durch

Was diese Jury so alles „durchwinkt“ und was nicht, ist bemerkenswert. Dass Kollegah und Farid Bang überhaupt zur Preisverleihung eingeladen wurden, war für viele Branchenvertreter (vorsichtig formuliert) nicht nachvollziehbar. Campino hat aus seinem Herzen in der Hinsicht keine Mördergrube gemacht, wobei Kollegah durchaus klug mit dem Hinweis gekontert hat, dass der ECHO ja „keine Politikdebatte“ sei. Schon im Vorjahr gab es für die umstrittene Band „Frei.Wild“ einen ECHO – auch das wurde von der Jury durchgewunken.

Wäre der ECHO noch immer – wie bis vor wenigen Jahren – ein Preis des reinen kommerziellen Erfolgs, müsste man es wohl ertragen, wenn „Musiker“ wie Farid Bang und Kollegah mit dem ECHO dekoriert würden. Da aber auch eine Jury im Spiel ist, muss die sich nun wirklich fragen lassen, warum sie solche Texte für preiswürdig erachtet – wohlgemerkt, eine Jury hat diesen Text prämiert, der Bestandteil des ausgezeichneten Albums „Jung. Brutal. Gutaussehend 3“ ist:

Diese Syrer vergewaltigen dein Mädel, Bitch

Sie sagt, „Lass mich in Ruhe!“, doch er versteht sie nicht

Zerlege dich, gab mir Testo

Mach’ dein Bahnhofsghetto zu Charlie Hebdo…

Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen

Ich tick’ Rauschgift in Massen, ficke Bauchtaschenrapper..

Fuck mich ab und ich ficke deine schwangere Frau (ah)…

Noch mal: Wenn es heutzutage offensichtlich normal ist, solche Texte zu hören und das kommerziell am erfolgreichsten ist, ist der ECHO-Preis unter kommerziellen Aspekten auch leider verdient. Der Aufschrei muss aber lauten: Was hat die Jury dazu veranlasst, diesen Text zu prämieren? Und: Wozu gibt es eine Ethikkomission, wenn solche Texte nicht zu beanstanden sind?

Jury prämiert Kollegah & Farid Bang und lehnt Helene Fischer ab

© Hartmut Holtmann / Schlager.de

© Hartmut Holtmann / Schlager.de

Schon in früheren Jahren war zu beobachten, dass Helene Fischers Erfolg den ECHO-Verantwortlichen ein Dorn im Auge war. Nachdem zu befürchten war, dass sie mit “Farbenspiel” ein drittes Mal den ECHO abräumen könnte, hat man kurzer Hand die Regeln geändert, dass ein Album nicht älter als zwei Jahre sein darf, um mit dem ECHO dekoriert zu werden. Auch diesbezüglich wurde also der rein kommerzielle Erfolg ausgehebelt.

Helene Fischers “Album des Jahres” wurde nicht als solches ausgezeichnet

Bei der aktuellen Preisvergabe kommt ein Aspekt hinzu, der medial wenig Beachtung findet. Just am Tag der ECHO-Verleihung hat der BVMI sein Jahrbuch “Musikindustrie in Zahlen” veröffentlicht. In dem Pamphlet ist mehrfach erwähnt, dass das Album “Helene Fischer” das meistverkaufte Album des Jahres 2018 war. – Der BVMI ist auch für Gold- und Platinvergaben zuständig. Das Album “Helene Fischer” ist aktuell mit “5 x Platin” dekoriert – das entspricht 10 x Gold bzw. 1 Mio. Verkaufte Einheiten. Das Album “Divide” von Ed Sheeran hat aktuell 7 x Gold bekommen – das entspricht 700.000 verkaufter Einheiten. Vor dem Hintergrund dieser von der BVMI abfragbaren Daten ist es absolut nicht nachvollziehbar, warum ganz offensichtlich genau die Jury, die Kollegah durchgewunken hat, Helene Fischer eben NICHT prämieren wollte, obwohl ihr Album nachweislich (zumindest auf BVMI-Daten basierend) deutlich erfolgreicher war.

Fazit: Alte Regeln wieder einführen

Frei nach den Fantastischen Vier gilt: “Es könnt alles so einfach sein”.. – warum prämiert man nicht einfach die erfolgreichsten Alben? Dann wäre der ECHO wieder ein rein kommerzieller Preis, für den es keiner “Geschmackspolizei” bedarf. Die Ethikkommission kann ja weiter bestehen bleiben – vielleicht macht die (im Gegensatz zu diesem Jahr) irgendwann auch mal ihren Job. Dass die Jury in erster Linie dafür zuständig zu sein scheint, den Sieg Helene Fischer wenn irgend möglich zu torpedieren, kann doch eigentlich nicht im Sinne des Erfinders sein?