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Heinz Rudolf Kunze: “Ich schreibe jeden Tag”

Heinz Rudolf Kunze: “Ich schreibe jeden Tag” © Martin Huch

Er ist einer DER Musiker, die deutsche Musikgeschichte schreiben und schrieben: Heinz Rudolf Kunze. Pünktlich, kurz nach der Veröffentlichung seines brandneuen Albums, traf Schlager.de das musikalische Multitalent zum Interview…

 

“Schöne Grüße vom Schicksal” heißt Dein aktuelles Album. Das Schicksal beeinflusst unser Leben, daran ändern können wir jedoch nichts. Wieso hast Du gerade diesen Titel gewählt?

“Um zu zeigen, wie vielfältig dieses Schicksal sein kann. Es gibt auf dem Album die verschiedensten Stimmungen. Von extremer Grimmigkeit, bis zur zärtlichen Intimität. Das Schicksal hält, wie ich finde, nicht nur Schläge bereit, sondern auch Streicheleinheiten und alles dazwischen. Das Ganze ist ein Blumenstrauss aus 15 Liedern oder “Blumen”. Manche haben Stacheln und Dornen, manche riechen gut.”

Das aktuelle Album ist ganz und gar nicht Dein erstes Album, sondern bereits Dein 36. seit 1981. Statistisch gesehen bedeutet das also fast jedes Jahr ein Album. Hast Du bei so vielen Projekten eigentlich noch Zeit für Dich? Kommt da der Mensch Heinz Rudolf Kunze nicht zu kurz?

“Ich wunder mich immer, dass die Anderen immer so lange brauchen! Ich könnte auch drei oder viel Alben im Jahr machen. “

Dir liegt es also einfach!

“Wie geschnitten Brot.”

Wenn man Wikipedia Glauben schenken mag, hast Du mehr als 1.500 literarische Texte geschrieben und fast 500 Songs veröffentlicht. 

“Das mit den 1.500 stimmt nicht. Es sind ungefähr 5000. Wikipedia sagt meistens die Unwahrheit.”

5000 ist eine gigantische Zahl!

“Ich habe Sie noch nie wirklich gezählt. Aber wenn ich überlege, was ich im Jahr schreibe und was dabei herauskommt. Und dann noch wie lange ich das mache. Ja, dann dürfte das passen. Ich schreibe jeden Tag”

Woher nimmst Du die ganzen Ideen? Wie entsteht ein fertiger Song? Wie lange dauert das?

“Zwischen 10 Minuten und einem Jahr. Da gibt es keine Regel. Manche muss ich immer wieder weglegen und mir wieder vornehmen, bei anderen kann es auch sehr schnell gehen. Wie entsteht ein Song? In dem ich merke dass es sich reimt und das es gesungen werden will. Dann gibt es noch die ungereimten Texte, die besser gesprochen werden oder gelesen. Und da ich das so gut wie jeden Tag tue. Gestern habe ich ausnahmsweise mal nicht geschrieben, dafür heute schon zwei. Da kommt halt ne Menge zusammen.”

Nimmst Du Dir beim Schreiben irgendwelche Vorbilder? Woran orientierst Du Dich?

“Vorbilder habe ich natürlich jede Menge. Wenn man so viele Tonträger besitzt, wie ich, und auch so viele Bücher, dann hat man natürlich Musiker und Autoren, die einem besonders viel bedeuten. Ich bemühe mich aber da nicht in die konkreten Fußstapfen von irgendwem zu treten. Wahrscheinlich spiegelt sich aber auch die ein oder andere Lektüre wieder in meinem Schaffen. Das kann man aber selbst am schlechtesten beurteilen.”

Einer von Deinen vielen Songs ist natürlich Dein Hit “Dein ist mein ganzes Herz”. Ist es für Dich eher ein Segen oder ein Fluch so einen Song zu haben, mit dem man in Verbindung gebracht wird?

“Beides. Der Segen besteht darin, dass der Song mein Publikum verzehnfacht hat, der Fluch daraus, dass ich ihn nicht mehr los werde. Aber das gehört zusammen, ist untrennbar. Das ist ein Lied das fast alle Deutschen kennen und mit dem sie mich in Verbindung bringen. Das ist das wichtigste. Besser man hat so einen Song als man hat ihn nicht.”