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Ein Stern am Schlagerhimmel werden: Ein nicht immer einfacher Weg

Ein Stern am Schlagerhimmel werden: Ein nicht immer einfacher Weg © Thorge Schramm / Schlager.de

Heute sind sie Ikonen des Schlagerhimmels – doch Stars wie Helene Fischer und Andrea Berg mussten einen langen Weg hinter sich bringen, um endlich dort anzukommen, wo sie jetzt glänzen. Für junge und noch unbekannte Sänger im Schatten der Berühmtheiten stellt sich automatisch die Frage: Was ist erforderlich, um ein Schlagerstar zu werden? In diesem Artikel soll näher auf den steinigen Weg und die Erfordernisse eingegangen werden, die es für mögliche erfolge im Schlagerbereich braucht.

 

Musikalische Fähigkeiten – die Grundvoraussetzung

Selbst wenn es bei Castingshows immer wieder für komische Highlights sorgt, wenn ein Kandidat überraschend unmusikalisch daherkommt, eine fundierte Karriere lässt sich weder auf gutes Aussehen noch auf die skurrile Performance aufbauen. Sänger sollten ihr naturgegebenes Instrument, ihre Stimme, perfekt beherrschen, wenn sie professionell damit arbeiten wollen.

Gesangsunterricht – nicht nur im Lieblingsgenre

Die individuelle Stimmfarbe hat genetisch festgelegte Elemente wie die Augen oder Haarfarbe. Gut zu singen, bedeutet darüber hinaus, sein natürliches Instrument in einer gewissen Technik nutzen zu können. Diese Fähigkeit kann man trainieren wie einen Muskel. Selbst Personen, die aus dem Stand heraus beim Singen schön klingen, profitieren von einem professionellen Gesangsunterricht in Chor, Musikschule oder als Privatschüler. Dabei muss man nicht immer seinem bevorzugten Genre treu bleiben: Jede Art von Pop- und Rock-Gesangstraining bildet die Stimme gut für eine Schlager-Interpretation aus. Zwar weisen Fachleute häufig darauf hin, dass sich klassischer Gesang methodisch signifikant von modernen Richtungen unterscheidet, dennoch kann sogar eine Klassik-Ausbildung zum unverkennbaren Stil verhelfen: Ikonen wie Céline Dion und Freddy Mercury lernten Arien zu singen, bevor ihre Karriere im Pop-Bereich begann.

Beherrschung von Musikinstrumenten

Neben der eigenen Stimme auch ein Instrument spielen zu können, unterstützt die musikalischen Fähigkeiten und verleiht bei Auftritten Überzeugungskraft. Diese Instrumente sind besonders beliebt.

  • Klavier: Wer Klavierspielen lernt, erhält dabei eine fundierte musikalische Grundausbildung. Takt, Harmonielehre und Intervalle sind für Pianisten keine Fremdworte, was das Schreiben und Arrangieren der eigenen Songs merklich erleichtert. Auch wenn Sänger mit wechselnden Bandkollegen zusammentreffen, sind solche mit Klavierkenntnissen besser in der Lage mit den Instrumentalisten zu kommunizieren. Die Bitte, zwei Takte vor dem Refrain noch einmal einzusetzen, ruft bei Gitarristen und Keyboardern wesentlich mehr Respekt hervor, als ein hilfloses „lass uns noch einmal da anfangen, wo ich atemlos durch die Nachtsinge“.
  • Gitarre: Das beliebte Saiteninstrument bietet die bequemste Möglichkeit, sich beim Singen selbst zu begleiten. Eine Gitarre hat der Sänger im Idealfall immer im Gepäck, sie ermöglicht spontane Auftritte im intimen Rahmen – ganz gleich, ob neue Fans im Einkaufszentrum akquiriert oder Musikagenten und Produzenten überzeugt werden sollen. Darüber hinaus schult das Gitarrespielen das Verständnis verschiedener Tonarten. Einer fremden Band kann der instrumental versierte Sänger exakt mitteilen, in welcher Tonart er einen Cover-Song gern performen möchte, damit dieser der eigenen Stimme exakt passt.
  • Saxophon: So laut wie eine Trompete und dabei so schnell spielbar wie eine Klarinette, das Saxophon stellt in der Welt der Instrumente eine Besonderheit dar. Obgleich es vornehmlich aus Metall besteht, zählt es wegen des hölzernen Rohrblattes in seinem Mundstück zu den Holzblasinstrumenten. Seine Einzigartigkeit, eine gewisse Extravaganz und Coolness verleiht das Sax auch denen, die es beherrschen. Von der Welt des Jazz, über Rock und Blues bis hin zum Schlager, mit dem Saxophon erweitern Sänger ihr Repertoire um die Fähigkeit, eindrucksvolle Instrumental-Soli zu spielen und werten ihre Bühnenperformance um ein nicht alltägliches Highlight auf.

Passende Songs finden

Es erscheint ideal, wenn ein Schlagersänger seine eigenen Songs schreibt, so wie es unter anderem einer der aktuell größten Schlagersänger bevorzugt. Schließlich lassen sich nur auf diese Weise die Emotionen, die beim Schreiben von Vers und Melodie Pate gestanden haben, unverändert zum Zuhörer transportieren. Doch auch Cover-Songs eignen sich gut, um bei Auditions oder auf Demo-Tapes einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Welches der richtige Song für den Durchbruch sein könnte, richtet sich nach mehreren Kriterien

1) Das passende Thema

Die meisten Sänger interpretieren im Laufe ihrer Karriere sowohl selbst geschriebene Songs als auch solche aus fremder Feder. Was die Auswahl verbinden sollte, ist das Thema, mit dem sich der Sänger selbst identifiziert. Erlangt er damit Glaubwürdigkeit, hat es gute Chancen, zu seinem Markenzeichen mit Wiedererkennungswert zu avancieren. Schlagersänger am Anfang ihrer Laufbahn sollten daher sensibel auswählen, welcher Inhalt ihnen am meisten am Herzen liegt: entspannte Gute-Laune-Songs, romantische Texte oder ein Hauch von Dramatik – bei eintretendem Erfolg ist man als Interpret rasch auf eine der „Marken“ festgelegt.

2) Gesangliche Stärken präsentieren

Ein guter Song muss nicht jeden Ton enthalten, den ein Sänger technisch in der Lage ist zu treffen. Trotzdem sollten sein Rhythmus, seine Melodie und die Phrasierung so beschaffen sein, dass sie die stimmlichen Stärken des Interpreten optimal betonen. Wer sich bei einem größeren Produzenten bewirbt, stellt mit einem selbstgeschriebenen Song zusätzlich die eigenen Fähigkeiten als Songwriter unter Beweis. Bei einer Bewerbung für einen Event-Auftritt können dagegen Cover-Songs punkten, da sie bei den Zuhörern sofort den Bonus des Bekannten erhalten.

3) Nicht mit Idolen konkurrieren

Wer gern einen Coversong aufnehmen möchte, sollte sich keinen Interpreten aussuchen, mit dessen Charisma sich kaum konkurrieren lässt. Ein einfacher Trick, um den Vergleich zu vermeiden: Weibliche Sängerinnen suchen sich Songs männlicher Stars aus und umgekehrt. Dieser Wechsel irritiert den Zuhörer zwar im ersten Moment – erzeugt danach jedoch Neugier und Lust auf die Neu-Interpretation.

4) Mit Begleitung performen

Insbesondere Aufnahmen, die einer Bewerbung dienen sollen, benötigen die passende Begleitung. Dies kann die eigene Gitarre sein oder die Studioaufnahme mit befreundeten Instrumentalmusikern. Wer einen Cover-Song aufnimmt, hat es leicht: Hochwertige Karaoke-Versionen der entsprechenden Lieder sind online erhältlich. Eine A-capella-Aufnahme überzeugt dagegen beim Solokünstler kaum – sie eignet sich vor allem für Ensembles.

5) Den einzigartigen Song – nicht aus der eigenen Feder

„Songwriter sucht Sängerin“ – so und ähnlich klingen Anzeigentitel, die häufig in lokalen Online-Portalen zu finden sind. Hier wird der Kontakt zwischen Musikschreibern und -interpreten vermittelt. Mit Glück verfügen die suchenden Songwriter selbst über ein Basis-Equipment für eine professionelle Studioaufnahme. Wenn dann noch die Thematik der Songs zum Sänger passt, kann das Arbeiten an einer großen Karriere beginnen. 

Das gewisse Etwas

Jeder Superstar verfügt neben Talent und harter Arbeit noch über ein Element in seiner Ausstrahlung, das man nicht erlernen kann. Ebenso dürfen rein praktische Fähigkeiten im Beziehungsknüpfen und Selbstvermarktung nicht fehlen:

  • Charisma: Diese Art der Attraktivität hat ein Künstler entweder oder sie fehlt ihm. Wer sich am Anfang seiner Karriere völlig unsicher ist, wie er auf der Bühne agieren soll, sollte sein Umfeld befragen. Schließlich besitzt jeder einige Eigenschaften, die auf seine Mitmenschen anziehend wirken. Selbst der schüchterne Romantiker mit der Gitarre kann auf der Bühne restlos überzeugen, wenn er eben diese Eigenheiten effektvoll unterstreicht.
  • Beziehungspflege: Kontakte zu knüpfen ist gerade in kreativen Branchen besonders wichtig, denn schnell gibt es die Gelegenheit zu der einen oder anderen Kooperation. Dazu sollten insbesondere Neulinge im Schlagerbusiness andere Sänger weniger als Konkurrenz, sondern als Kollegen betrachten. Wer Veranstaltungen und Partys besucht, sollte sich im Vorhinein über die Gästeliste informieren und wissen, welche Agenten und Produzenten vor Ort sein werden. Im Gespräch heißt es dann, zwar selbstbewusst aufzutreten aber nicht aufdringlich zu werden.
  • Präsentation im Netz: Sänger wie Justin Bieber verdanken ihren Durchbruch dem großen Echo, das ihre Youtube-Videos erzeugten. Wer auf dem Weg in den Schlagerhimmel ist, muss nicht sofort seinen persönlichen Social-Media Kanal eröffnen, eine professionell gestaltete Website ist jedoch die Mindestanforderung. Die Musikbranche gehört schließlich zu den Feldern, auf denen Fans vor allem über Medienauftritte und weniger über den persönlichen Kontakt gewonnen werden.

Fazit

Zu behaupten, es gäbe ein Patentrezept dafür, wie man als Sänger garantiert den Status einer Helene Fischer erreicht, ist vermessen. Schließlich ist das Glück in jedem künstlerischen Bereich immer noch einer der großen Erfolgsfaktoren. Dennoch können Sänger und Sängerinnen sich wesentliche Grundvoraussetzungen aneignen, die die Zukunft als Schlagerstar wahrscheinlicher machen. Nur wer bestimmte Fertigkeiten sicher beherrscht, ist im Glücksfall in der Lage, seine Chance zu ergreifen und zu überzeugen.