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Schlagerstars und ihre Bärte im Laufe der Zeit

Schlagerstars und ihre Bärte im Laufe der Zeit © Semmel Concerts

Wie hat sich die aktuelle Bartmode eigentlich auf die Gesichtsbehaarung von männlichen Schlagerstars ausgewirkt? Oder haben im Gegenteil etwa die feschen Sänger selbst Trends gesetzt? Wir werfen einen Blick auf das haarige Thema.

 

Ach, wo sollen wir beginnen? Vielleicht ganz vorn im Alphabet, mit dem hübschen Salvatore Adamo? Der Belgier eroberte in den 1960er Jahren nicht nur den deutschen Schlagerhimmel, sondern auch die Herzen vieler Frauen. Seine gefühlvollen Songs wie: “Es geht eine Träne auf Reisen“ präsentierte er gänzlich ohne Backenbart mit einem babyglatten Gesicht. Auch in den 70er Jahren schlug er noch kräftig in die Saiten seiner Gitarre, nun zwar mit Koteletten, aber immer noch ohne Bart. Den hat er auch heute noch nicht, zumindest, wenn er auf der Bühne steht, was er seit mehr als 50 Jahren vor allem in Frankreich und Belgien erfolgreich tut.

Befinden wir uns hier schon auf einer heißen, oder besser: glatten Spur? Der Schlager hat natürlich ein sauberes Image, und dazu passen mit dem richtigen Equipment rasierte und gepflegte Männergesichter natürlich am besten. Doch schauen wir einmal weiter und nehmen wir eines der Urgesteine des deutschen Schlagers unter die Lupe: Peter Alexander.

Peter Alexander startete seine Karriere als Sänger, Entertainer, Showmaster und Schauspieler bereits in den 1950er Jahren mit sehr glatten Wangen. Der smarte Sänger, der leider im Alter von 84 Jahren starb, blieb sich stets treu, was die Bartmode betraf. Die jeweils aktuellen Trends gingen an ihm – wie an vielen anderen Schlagerstars – einfach vorbei. Alexander blieb sich selbst treu.

Der Bart als Markenzeichen

Roy Black, den kaum jemand unter seinem echten Namen Gerhard Höllerich kannte, startete und beendete seine Karriere mit einem gepflegten und rasierten Gesicht. Die Mode der Hippies ignorierte der Traum aller Schwiegermütter, doch vielleicht hätte ihm ein wenig mehr Rebellion ganz gutgetan? Der smarte Sänger haderte zeit seines Lebens mit seinem Image als Schmusesänger und verließ diese Welt viel zu früh im Alter von nur 48 Jahren.

Wie steht es um den Bart oder Nicht-Bart von Howard Capendale, einem anderen Urgestein des deutschen Schlagers, den wohl jeder kennt? Der gebürtige Südafrikaner, der schon Nelson Mandela die Hand schütteln durfte, präsentierte sich sowohl zu Beginn seiner Karriere als auch ganz aktuell in seiner Rolle als Großvaters tets ohne Gesichtsbehaarung. Der rüstige Charmeur nahm zwar schon 2008 Abschied von seinem Leben auf der Bühne, konnte sich jedoch bisher noch nicht von seinen Fans und dem gewohnten Leben im Rampenlicht trennen, das er wie gewohnt energiegeladen und glattrasiert meistert. Es sei ihm und uns gegönnt!

Aber gibt es denn keinen Schlagerstar mit Bart, wenigstens eine kleine Ausnahme unter den attraktiven Glattgesichtigen? Doch, natürlich gibt es einige Ausnahmen, und der erste Star in dieser Reihe machte seinen Bart zum absoluten Markenzeichen: Wolfgang „Wolle“ Petry.

Wiedererkennungswert durch Gesichtsmode

Wolfgang Petry pflegt einen außergewöhnlichen Bartstil, der im Lauf der letzten Jahrzehnte immer mal wieder für einen kleinen Moment in Mode war: den Oberlippenbart, auch Schnauzer genannt. Ab und an rast der Schnauzer mal kurzzeitig über die Gesichter verschiedener Stars, um dann schnell wieder zu verschwinden. Nur Wolle Petry bleibt seinem Look konsequent treu und setzt damit ein Zeichen. Der authentische Sänger wird gerade für diesen Charakterzug von seinen Fans geliebt. Er ist ehrlich und muss sich weder für die Mode noch für andere Menschen verbiegen. Damit wird er charakterlich zum Vorbild, was sich jedoch nicht einfach so auf die Bartmode übertragen lässt. Denn ein solcher Oberlippenbart steht nur den wenigsten Männern.

Peter Cornelius ist eine weitere Ausnahme im glatten Schlagerhimmel, dafür feierte der Österreicher in Deutschland auch nur einen großen Erfolg, nämlich Anfang der 80er Jahre mit “Du entschuldige – I kenn’ di“. In seinem Gesicht spross dabei nicht nur ein ansehnlicher Fünftagebart, auch ein kleiner Schnauzer fügte sich harmonisch in das Bild. Es hat sicherlich nicht an der Frisur gelegen, dass es mit der Karriere – zumindest in Deutschland – nicht recht geklappt hat, denn in seiner Heimat genießt der Liedermacher immer noch eine gewisse Popularität.

Der unvergessene Drafi Deutscher, der nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Komponist und Produzent in Deutschland Musikgeschichte schrieb, trat ebenfalls ab und an mit einem Dreitagebart in Erscheinung, was seinen markanten Look noch unterstrich.

Bleib Dir selbst treu

Wer seinem Bart ebenfalls über die Jahrzehnte treu blieb, war Jürgen von der Lippe. Der Entertainer, der anfänglich noch bei den Gebrüdern Blattschuss sang, die mit “Kreuzberger Nächte“ für Furore sorgten, hat einen unverkennbaren Bartstil, den ein gepflegter Schnauzer krönt. Wer würde ihn wohl ohne diese Gesichtsbehaarung und seine typische Frisur erkennen?

Auch Heino blieb zumindest optisch immer er selbst und feierte mit einer wesentlich härteren, musikalischen Gangart 2013 ein Comeback. Seinen Sound hat vielleicht nicht jeder wiedererkannt, sein Aussehen ist jedoch wie immer unverwechselbar. Ganz ohne Bart, dafür mit platinblondem Haar und einer Brille, die seine empfindlichen Augen schützt, ist er auch nach Jahrzehnten noch ganz Heino und bekommt weit über die Grenzen der Schlagerwelt hinaus Anerkennung für seine musikalischen Leistungen.

An dieser Stelle ist der passende Zeitpunkt für ein kleines Resümee. Wir können nicht alle bekannten Gesichter des Schlagers aufzählen, doch etwas hat sich herauskristallisiert: Das saubere Image der deutschsprachigen Sänger wird durch ein hübsch rasiertes Gesicht ganz wesentlich unterstützt. Und besonders große Erfolge scheinen die Sänger zu feiern, die ihrem Look auch über die Jahrzehnte treu bleiben und auf den Wiedererkennungswert setzen. Das ist auch ganz logisch, denn neben der musikalischen Leistung spielt immer auch die Optik eine Rolle, und niemand will in der Menge der bekannten Gesichter untergehen. Dabei spielen das aktuelle Jahrzehnt und seine Bartmode keine große Rolle.