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“Alle singen Kaiser”: Silbereisen-Show enttäuscht viele Fans

“Alle singen Kaiser”: Silbereisen-Show enttäuscht viele Fans © ARD/JürgensTV/Dominik Beckmann

Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Schlagers regierte ein Kaiser das Abendprogramm der ARD. Doch wer einen prunkvollen Herrscher erwartet hat, der wird enttäuscht. Seine Majestät ist Schlager-Gentleman Roland Kaiser, der jetzt mit einer eigenen Silbereisen-Show im Ersten gefeiert wurde.

 

„Alle singen Kaiser – Das große Schlagerfest“ live aus Leipzig ist im Vorfeld von der deutschen Musikpresse mit viel Getöse angekündigt worden und so hat der geneigte Zuschauer nicht weniger erwartet als ein großes Hit-Feuerwerk, das die Qualitäten von Roland Kaiser in den Mittelpunkt rückt. Doch der Funke will nicht zünden – und das liegt sowohl am Konzept der Sendung als auch an der Gästeliste. Geladen waren u. a. voXXclub, Ross Anthony, Kathy Kelly, Semino Rossi, DJ Ötzi, Andrea Berg und Michelle, also jenes Personal, das in den Shows mit Florian Silbereisen ohnehin immer anwesend ist. Und das darf zunächst einmal seine eigenen Titel zum Besten geben und danach im Gespräch mit Silbereisen aktuelle Tour- und Albumpromotion nachschieben. Erst dann singen sie die Neuinterpretationen der Kaiser-Hits, die sie sich ausgesucht haben. Herausgekommen sind viele Titel, die es besser nicht ins Fernsehen geschafft hätten. In kleinen Einspielern kommentiert Roland Kaiser die Entstehungsgeschichte der Songs, und Dr. Mathias Giloth von der Gfk Entertainment GmbH nennt die erfolgreichsten Chartplatzierungen.

Der Abend beginnt mit voXXclub, die bei ihrem Kaiser-Titel „Ich glaub es geht schon wieder los“ – Achtung! – einem Bällebad entsteigen. Völlig absurd! Was hat die Ikea-Spielzeugkiste beim Roland-Kaiser-Event verloren? Richtig: nichts. Das ist nicht die einzige sinnfreie Inszenierung des Abends, der in einer knallbunten und grellen TV-Kulisse stattfindet und übertrieben künstlich wirkt. Überzeugen können nur wenige der neuen Kaiser-Hits – und das ausgerechnet von Künstlern, bei denen man das nicht unbedingt erwartet hat, wie beispielsweise „Lieb mich ein letztes Mal“ mit Oli P. und „Wohin gehst du“ mit Sarah Lombardi. Auch großartig: Der Song „Midnight Lady“ – gemeinsam gesungen von Bonnie Tyler und Ben Zucker. Ansonsten ist das Programm tatsächlich nicht mehr ist als eine wirre Abfolge von eher weniger gelungenen Neuinterpretationen der Kaiser-Klassiker. Roland Kaiser selbst überlässt seinen Kollegen den Abend und betritt erst kurz nach 23.00 Uhr die Bühne. Er stellt mit „Stark“ einen seiner Titel aus dem neuen Album „Alles oder Dich“ vor, singt ein eigenes Medley und zeigt einmal mehr, wie das geht: ein Auftritt mit Format.

Eine Show für Roland Kaiser muss keine huldvolle Verneigung sein. Im Gegenteil. Der Schlagerstar braucht keine großen Gesten. Er drängt sich nicht in die Öffentlichkeit und überlässt falsche Eitelkeiten den Mitbewerbern. Roland Kaiser ist eine starke Marke, und der Abend schrammt einfach an ihm vorbei. Die ganze Show: Gut gemeint, aber eben nicht gut.

Sina WormAutor:
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