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Enttäuschungen, Fehlbesetzungen und falsche Entscheidungen? Unsere TV-Kritik!

Enttäuschungen, Fehlbesetzungen und falsche Entscheidungen? Unsere TV-Kritik! © ZDF/Barbara Oloffs

Mit einer großen Jubiläumsshow feierte das ZDF jetzt den 50. Geburtstag seiner legendären Hitparade. Die Ankündigung, dass Thomas Gottschalk durch die Sendung führen würde, ließ eigentlich nur eine Prognose zu: Wetten, dass die unvermeidbare Plaudertasche den Abend vergeigt? Gottschalk gilt als wenig schlageraffin – und so hatte es bereits im Vorfeld unter den Fans böse Kritiken über die “skandalöse” Entscheidung des ZDF zu seiner Besetzung gehagelt. Nun, ganz so schlimm sollte es nicht kommen, denn der Abend war eine Zusammenschau erfolgreicher Schlagerkünstler und ihrer Hits – und denen konnten selbst Gottschalks vorhersehbare Witze nichts anhaben.

 

Wer allerdings eine große Schlagerparty erwartet hatte, der wurde enttäuscht: Thomas Gottschalk moderierte ein Familien- und Klassentreffen, bei dem sich viele Stars wiedertrafen, die die ZDF-Hitparade groß gemacht hat, wie beispielsweise Howard Carpendale, Bernhard Brink, Heino, Michael Holm, Nicole, Marianne Rosenberg oder Matthias Reim. Etliche Namen fehlten jedoch und so machten Nino de Angelo, Bata Illic und G.G. Anderson ihrem Ärger bereits vor Ausstrahlung der Sendung Luft mit der Frage, warum sie nicht eingeladen wurden (schlager.de berichtete). Und richtig, der geneigte Zuschauer fragt sich tatsächlich: Wo war beispielsweise Roland Kaiser, der mit 67 Auftritten häufigste Gast der Sendung, wo waren Jürgen Drews, Mary Roos, Vicky Leandros, Roger Whittaker oder auch die Münchener Freiheit? Sie alle haben unvergängliche Klassiker hervorgebracht, die Teil der deutschen Schlagergeschichte geworden sind.

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Gottschalk lieferte in der Sendung auch einen Rückblick auf die Dekaden der 70er, 80er und 90er Jahre und deren wechselvolle Schlagergeschichte. Der Schlager in den 70ern galt im Vergleich zu anderen musikalischen Trends jener Zeit als eher konservativ, erlangte durch die Hitparade aber eine ungeahnte Popularität. Die Neue Deutsche Welle in den 80er Jahren hat den Schlager fast weggespült und nach dem Ende der verrückten NDW-Zeit verloren deutschsprachige Lieder generell Marktanteile.

Moderator Dieter Thomas Heck, der sich den Ruf als “Mister Hitparade” erarbeitet hatte, gab die Sendung 1985 an Viktor Worms ab und dieser im Jahr 1990 an Uwe Hübner. Man experimentierte mit verschiedenen Sendekonzepten und –plätzen sowie Abstimmungsmodi, konnte das Ende der Show nach einem Schlager-Revival in den 90ern im Jahr 2000 aber nicht aufhalten. Auch wenn das Aus abzusehen war, der Markenkern der Hitparade blieb bis zum Schluss erhalten. Der deutsche Schlager war mehrere Jahrzehnte ein echtes Erfolgsformat, und die Hitparade hat ihn dort verankert, wo er hin gehört: in die Mitte der Gesellschaft. Nie zuvor hatte sich eine TV-Nation auf eine Musiksendung und ihren Moderator verständigen können und nie zuvor war es so berechtigt, für beide den Kultstatus auszurufen.

Der Schlager war angesagt und mehrheitsfähig, und er ist es heute wieder. Das Vorurteil, dass er nur im Seichten fischt, ist so alt wie längst überholt. Keine Diskussion, er würde mit seinen Texten über schlichtes Hopsasa und Trallala nur die heile Welt vorgaukeln, hat ihm je etwas anhaben können. Schlager ist für Leute, die ihn mögen. Der Rest soll einfach abschalten.

Sina WormAutor:
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