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Annett Louisan: “Kleine große Liebe”

Annett Louisan: “Kleine große Liebe”

Für meine Rezis liebe ich Alben, die viel zu erzählen haben. Annett Louisan hat ein solches Album aufgenommen. „Kleine große Liebe“ heißt das neue Album, das nach „Sing meinen Song“, dem Cover-Album „Berlin – Kapstadt – Prag“ und der Babypause mit 20 Songs an den Start geht.

Es geht um das Leben in jeder Form. Beziehungen, Verwandte, Gefühle – alles dabei, so wie es nur Annett Louisan kann. Sie ist eine Frau, die nicht immer lieb sein muss in ihren Songs, und das macht die Texte noch interessanter.Mit dem Titelsong „Kleine große Liebe“ startet das Album gleich ganz stark. Ist eine Liebe klein oder groß und was ist wichtig. Das Fazit ist, dass jede Liebe gut ist, wie sie kommt.

Familienbilder gibt es bei „Wir sind verwandt“ – man kann Verwandten nun echt nicht aus dem Weg gehen und da sträuben sich bei der Feier nicht nur die Nackenhaare. Gut getroffen und wer kennt es nicht.

Man erinnert sich gern an das erste Mal in vielen Lebenssituationen. Diese ersten Male haben uns berührt und wir möchten sie nicht vergessen. So manche Situation bräuchte ein „Zweites erstes Mal“, so sieht es auch Annett Louisan.

„Ich tu nur weh, wenn ich liebe“ – ist ein Blick auf das Leben. Wir verletzten Menschen, die wir lieben am Meisten und nicht wenn wir unsere Faust ballen. Jeder kennt das!

Annett Louisan wurde vor nicht allzu langer Zeit zum ersten Mal Mutter. Der Song „Ein besserer Mensch“ ist wohl in der Zeit davor entstanden, denn sie verspricht darin dem kleinen Menschen, der noch nicht geboren ist, ein besserer Mensch zu werden und weniger Bambule und mehr Sicherheit zu vermitteln. Es ist eine Liebeserklärung, die bestimmt viele werdende Mütter teilen. Und die Spieluhr erklingt auch schon.

Annett Louisan ist „Klein“ und hier findet sie mal ein paar Worte dazu. Sie will sich nicht auf die körperliche Größe reduzieren lassen. Sie hat ein großes Herz und weiß, was sie will, daran ändert auch die geringe Körpergröße nichts. Weniger ist eben mehr!

Im Sound der 20iger kommt die Geschichte von einer, die ganz schnell beleidigt ist. Es ist „Eine Frage der Ehre“ – aber was bringt diese Frau so in Rage?

Die Träume vieler Frauen heute wurden durch „Fifty Shades vo Grey“ geprägt. Die erotischen Bücher und Filme lassen Frauen träumen. Auch diese junge Frau träumt diese Träume, während neben ihr Torsten schläft, der eben nicht Mr. Grey ist. So ersetzten „Two Shades of Torsten“ eben die romantischen Träume vom Unbekannten aus New York. Witzigerweise war  ich auch mal mit einem Torsten zusammen und muss bei dem Text echt grinsen…

Annett Louisan ist der „Saboteur“ in ihrem Leben. Erst baut sie es auf und dann macht sie es wieder kaputt. Erst ist der Mann perfekt und dann auf einmal nicht mehr oder auch der neue Song ist doof, wenn er endlich fertig ist. Man kann einfach nicht mit dem Ergebnis zufrieden sein, es muss immer wieder von vorne losgehen. Das kennen bestimmt auch viele, wenn man ein Ziel erreicht hat, dann findet man es nicht mehr gut.

Manchmal ist man im Leben auf dem Holzweg, aber wie stellt Annett Louisan so schön fest: „Die schönsten Wege sind aus Holz“.  Das Piano lässt diesen Chanson strahlen. Man sieht Annett förmlich neben dem Piano stehen und diesen Song singen. Übrigens kann man auf dem Holzweg tolle Menschen treffen.

„Belmondo“ ist noch immer ein Traummann. Ein Song, der nach den alten französischen Filmen klingt. Es entführt in die 60iger und man sieht Belmondo und die Deneuve in schwarzweiß vor sich, wobei dies eigentlich die Geschichte einer Beziehung ist, bei der die Beiden nur noch nebeneinander her leben. Die Musik könnte einem Film aus den 60igern entspringen, wobei ich noch lieber Delon gesehen hätte.

„Borderline“ – eine psychische Störung mit Impulsivität, instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen, raschen Stimmungswechseln. In dem Song geht es natürlich um eine Beziehung, die auch krass zwischen den Gefühlen schwankt und die verschiedenen Wünsche nicht glücklich macht. Sehr starkes Arrangement, das schnell ist und auffällt.

„Meine Kleine“ ist ein Song, der die Kindheit in der Vergangenheit zeigt. Ein Kind, das 1977 geboren wurde und zum Mittelpunkt im Leben der Mutter wurde. Wie sehr dieses Kind das Leben verändert und geprägt hat, erzählt der Song. Da Annett selbst 1977 geboren wurde und bei Mutter und Großeltern aufwuchs könnte dieser Song von ihrer Mutter an sie sein. Hat die Mutter ihr all das gesagt? Oder ist es aus der Erinnerung entstanden?

Ein „Traumpaar aus der Gosse“ steht im Mittelpunkt eines temporeichen Songs. Wird sie ihn verlassen oder bleibt sie? Was treibt dieses Paar an. Auf jeden Fall feiern sie die Momente.

Das ist schon eher ein Pop-Song als ein Chanson. Die Liebe geht und sie schwimmen mit den „Haien“. Wo ist die Liebe denn hin? Was bleibt von ihr übrig? Fragen, die man sich nach dem Ende stellt.

Nochmals Nostalgie-Sound. Nur noch „24 Stunden“ bis zum Date. Wie soll man da perfekt werden, und was ist eigentlich perfekt? Die Gedanken einer Frau überschlagen sich, da steht Annett Louisan nicht alleine.

So fühlte sich die Wende und der erste Besuch im Westen an. Es war wie auf der „Strasse der Millionäre“ – so muss Annett es selbst als Kind gefühlt haben. Ein guter Rückblick auf Ost-/West vor 30 Jahren.

Was bringt und die Zukunft? Viele Dinge können passieren, man weiß es nicht. Es ist eben ein „Vielleicht“, aber es gibt Menschen ohne die möchte man sich seine Zukunft nicht vorstellen. Ansonsten ist die Zukunft offen, es ist vieles möglich.

Manchmal wird einem das „Herz gebrochen“ und diese Scherben bringen kein Glück. Und immer wieder bricht man auch selbst anderen das Herz und das kann man sich kaum verzeihen.

Mit einem „Traum“ endet das Album und die Person ist so real in diesem Traum. Ganz ruhige Töne zum Abschluss. Es ist ein Traum wie das Leben ihrer Tochter weitergeht. So sanft ist Annett wenn es um ihr Kind geht.

20 Songs – ein ganzes Doppelalbum ist zusammen gekommen nach 5 Jahren. So viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Album von Annett Louisan. Nur das Album „Berlin – Kapstadt – Prag“ mit Cover-Songs war dazwischen. Viel Leben, das nun in Geschichten verpackt werden musste und das spürt man. Annett Louisan hat viele Themen, die sie die Menschen nahe bringen möchte, darunter die Erfahrung Mutter zu werden oder auch Tochter zu sein. Ein Plädoyer für den Holzweg und der Vergleich zwischen Torsten und Mr. Grey. Sie ist und bleibt die Chanson-Sängerin mit den hörenswerten Texten, dazu kommen viele Pop-Sounds. Sie möchte Pop-Chanson singen und das passt und gefällt mir! Musik und viele Geschichten aus dem Leben – für mich genau die richtige Mischung. Da sollte man reinhören und zuhören.

Mit dem Album geht Annett Louisan im Herbst auf Tournee. Ganz besonders ist dabei der Termin am 08.09.2019 in der Elbphilharmonie in Hamburg. Mein Highlight ist der 09.11.2019 in Münster wo auch ich dann Annett Louisan live erleben werde.