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Mary Roos – neues Hammer-Album “Abenteuer Unvernunft”

Mary Roos – neues Hammer-Album “Abenteuer Unvernunft”

Die wunderbare Mary Roos hat noch nie in irgendeine Richtung Berührungsängste gehabt. Das ging schon sehr früh los, als sie bei den deutschen Schlagerfestspielen teilnahm – der Titel „Alles rutscht mir aus den Händen“ war bezeichnend, zunächst lief es noch nicht rund für die junge Mary, die aber immer unbeirrt weitermachte. Die Hartnäckigkeit zählte sich aus, und 1972 vertrat sie Deutschland mit dem Evergreen „Nur die Liebe lässt uns leben“ – mit Blick auf den diesjährigen Beitrag kann man nur wehmütig auf die große Qualität der damaligen deutschen Beiträge blicken.

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„Neue Songs mit Witz und Tiefgang“

Bis heute hat die sympathische Sängerin den Anspruch, „neue Songs mit Witz und Tiefgang“ (so steht es auf einem Sticker, der auf der neuen CD klebt) absolut erfüllt. Auch „Abenteuer Unvernunft“, das laut Mary auch passenderweise „Filterlos“ hätte heißen können, erfüllt diesen Anspruch. Es ist die erste (und hoffentlich lange nicht letzte) „Zugabe“ nach ihrem vor einem Jahr erschienenen bemerkenswerten Album „Ab jetzt nur noch Zugaben“.

Spitzen-Song „Am Anfang der besten Geschichten“

Marys ersten Eurovisions-Titel hat Joachim Heider komponiert – und in dessen typischen Disco-Philly-Sound wird Marys neues Album auch eröffnet – die Vorab-Single „Am Anfang der besten Geschichten“ ist eine der besten Schlager der letzten Jahre – stimmig, abwechslungsreich und mit einem großartigen Text der Toptextdichter Frank Ramond und Tobias Reitz. Die Idee, darüber nachzudenken, wie der Mensch darauf gekommen ist, dass Kühe Milch geben, ist klasse – und auch Marys Selbstreflexion, dass sowohl ihre Eltern als auch ihr Sohn offen für „verrückte Ideen“ sind, ist einfach authentisch.

Mit „Zu schön, um wahr zu sein“ hat Mary eine einfühlsame, mit Streichern angereicherte  neue Interpretation ihrer 1995 erschienenen Ballade, die sie einst ihren Eltern gewidmet hatte, aufgenommen – der Titel stammt ebenso vom Hamburger Michael Reinecke wie ihr zweiter ESC-Klassiker „Aufrecht geh‘n“, der ebenfalls als Neuaufnahme auf Marys neuer CD zu finden ist, wobei mir in diesem Fall das Original besser gefällt – vielleicht auch aus nostalgischen Gründen, vielleicht auch, weil das charakteristische Intro ausgespart wurde.

Mark-Forster-Cover „Bauch und Kopf“

Auch wenn sich Mary gerne selber (wohl zurecht) als „schrille Alte“ gibt, ist sie immer auf der Höhe der Zeit. Beispielsweise hat sie den von Mark Forster gesungenen Siegertitel des Bundesvision Song Contests 2015, „Bauch und Kopf“, auf ihre Weise neu eingesungen. Die Aufnahme dient auch als Dankeschön an Marys schöne Zeit bei den Aufnahmen zur „Sing meinen Song“-Show.

Tolle neue Songs von Sven Bünger

Wie schon auf den letzten Alben, steuerte der renommierte Songautor Sven Bünger einige neue Mary-Songs bei. In „Möglich, aber sinnlos“ geht es um Dinge, die irgendwie zusammengehören – Kaffee ohne Kuchen, Kind sein ohne Träume, Küssen ohne Liebe, Schampus ohne Spruden – Dame ohne Pudel (??:)) … das sind Dinge, die nicht voneinander zu trennen sind. Sie zu trennen ist in Marys Augen eben „möglich, aber sinnlos“.

Man muss eben auch mal über seinen Schatten zu springen. Tut man das nicht, endet man womöglich wie „Sekretärin Rita“, deren Traum von Dolce Vita nicht in die Realität überführt werden konnte und dann doch irgendwann „ihre Handtasche nimmt und geht“, um dann „Ich war noch niemals in New York“ zu singen…

Filmorchester Babelsberg wirkt mit

Das Abenteuer Unvernunft ist besonders reizvoll, wenn man sich auch im Alter das kindliche Gemüt nicht nehmen lässt – selbst, wenn man sich dann wie „steinalte Kinder“ benimmt. Die einfühlsame Ballade, die für Selbstironie plädiert, wurde vom Filmorchester Babelsberg sehr schön begleitet. Ob das Adjektiv „steinalt“ von Wolfgang Trepper beigesteuert wurde, ist nicht zweifelsfrei nachweisbar…

In einem alten Schlager propagierte einst Ibo „An deiner Stelle nähm‘ ich mich“ – diesen Gedanken führt Mary in einem weiteren Bünger-Song fort und gibt sich selbstbewusst: „Ich wär‘ bei mir geblieben“. Da sie nicht kompliziert ist, Champagner – wenn – nur in Pappbecher trinkt und fünf Sterne am Himmel zu schätzen weiß, hat sie in der Tat mehr Argumente als die, die viele ihrer Kolleginnen ins Feld zu führen wissen. Ein schöner, lässiger Schlager, den mit Beatrice Reszat übrigens eine Textdichterin getextet hat, die sonst für Peter Maffay und Udo Lindenberg tätig ist – von ihr stammt auch der Text des Lindenberg-Klassikers „Horizont“.

Weitere Autoren: Pe Werner, Johennes Oerding, Andreas Zaron, Anja Krabbe u. a.

Die bekannte Songschreiberin Pe Werner steuert nun schon zum dritten Mal einen Song auf einem Mary-Album bei – nach den bemerkenswerten Titeln „Unbemannt“ und „Stein auf Stein“ folgt 2018 der nachdenkliche selbstzweifelnde Song „In deinem Schatten“, der den „Schattenmann“ in den Mittelpunkt stellt, der Marys „Kummerjäger“ ist.

Auch Johannes Oerding ist seit einigen Jahren als Songautor für Mary Roos aktiv. Sein 2018er Beitrag heißt „Schweig mit mir“, eine Ballade, die davon handelt, auch mal die ruhigen und stillen Momente des Lebens zu genießen und aufzusaugen, eben der „Stille zuzuhören“, denn „niemand schweigt so wunderschön wie du“. Die Ode an die Stille ist für viele Mary-Fans ein absolutes Highlight des Albums – gerade für diejenigen, die an Mary ihre Facette des Tiefgangs lieben.

Mit Andreas Zaron ist ein weiterer bekannter Songautor für Mary aktiv geworden. Nachdem er bereits für ihre Schwester Tina York einen originellen Song erdacht hatte („Alter schützt vor Liebe nicht“), schrieb er Mary den Titel „Alles muss raus“ auf den Leib. „Die Knebelverträge des Fitnessvereins, wo deine Affäre begann“ sind da genau so betroffen wie der betroffene Herr selbst. Entrümpelung heißt das Zauberwort, Mary befreit sich von „schlechten Gefühlen“ in einem ebenfalls augenzwinkernd-leichten Schlager der Marke „Leichtes Gepäck“.

Hommage an das Leben

Laut Pressetext ist Marys neues Album eine „Hommage an das Leben“ – da darf ein Lied nicht fehlen, das genau dieses Gefühl schön transportiert. Die arrivierte Songschreiberin Anja Krabbe („Wir feiern das Leben“, Michelle) schrieb Mary den schönen Song „Danke ans Leben“. Der Titel ist in einem Songwriter-Camp entstanden – Mary erzählte von ihrer Dankbarkeit für ihr erfülltes Leben, was Anja Krabbe, Johannes Rothenaicher und Matthias Gamm in ein Lied transportiert haben.

Mit zwei Neuaufnahmen ihrer großen Hits „Einmal um die Welt“ (mit schönen Bläser-Einsätzen im Samba-Sound) und dem augenzwinkernden „Arizona Man“ (in einer Miniversion von unter 2 Minuten) wird das neue Album der Grande Dame des deutschen Schlagers abgerundet.

Album der Extraklasse: Wird Mary auf dem Tisch tanzen?

Zweifelsohne hat Mary Roos es einmal mehr geschafft, eines der besten, anspruchsvollsten und vielseitigsten Schlageralben des Jahres 2018 zu produzieren. Nachdem sie kürzlich erstmals die Albumcharts stürmen konnte, darf angenommen werden, dass sie mit „Abenteuer Unvernunft“ auch kommerziell einen Erfolg landen wird. Mary hat im Interview mit dem Sender SWR4 gesagt, dass sie im Falle eines guten Charts-Einstiegs auf dem Tisch tanzen würde. Wir von schlager.de freuen uns schon auf einen schönen Tanz der „schrillen Alten“ auf dem Küchentisch. Das großartige Album hätte es mehr als verdient – wir von Schlager.de drücken die Daumen!



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