Mireille Mathieu

Mireille Mathieu © (P)&(C) Property ABILENE DISC | Photograph: André RAU

Mireille Mathieu – Der Spatz von Avignon

Eine harte Kindheit in bescheidenen Verhältnissen

Die Sängerin Mireille Mathieu wurde am 22. Juli 1946 in Avignon, Frankreich geboren. Ihre Mutter Marcelle-Sophie Poirier flüchtete während des Zweiten Weltkriegs aus dem nordfranzösischen Dunkerque und landete schließlich 1944 in Avignon. Dort lernte sie ihren späteren Ehemann Roger Mathieu kennen, mit dem sie insgesamt 14 Kinder hatte. Mireille war das älteste Kind der Familie, die in bitterer Armut lebte. Vater Roger verdiente seinen Lohn als Steinmetz. Mutter Marcelle war Hausfrau und kümmerte sich um die Kinder. Familie Mathieu lebte in sehr bescheidenen Verhältnissen. In ihrer Wohnhütte gab es weder eine Heizung noch fließendes Wasser. Dieses musste aus einem Brunnen im Garten abgepumpt werden. Als älteste Tochter musste Mireille bereits in jungen Jahren Verantwortung übernehmen und sich oftmals um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Sie hat sehr früh gelernt zu teilen und musste u. a. mit ihren vier Schwestern in einem Bett schlafen. Für ihre Mutter war sie eine große Unterstützung im Haushalt. Im Alter von 14 Jahren verließ die Legasthenikerin Mireille Mathieu, die gleichzeitig mit einer Dyslexie zu kämpfen hatte, die Schule und arbeitete als Hilfskraft in einer Papierfabrik.

Die ersten Schritte in der Musikbranche und die Zusammenarbeit mit Johnny Stark

Mireille Mathieus Vater Roger hatte eine Tenorstimme und träumte von einer Karriere als Sänger, musste diesen Traum jedoch auf Wunsch seines strengen Vaters begraben. Aus diesem Grund beschloss er, dass eines seiner Kinder ihn beim Singen in der Kirche begleiten sollte. Er entschied sich für seine älteste Tochter Mireille, die mit vier Jahren erstmals während einer Mitternachtsmesse in der Öffentlichkeit sang. Im Laufe der Jahre folgten diverse Teilnahmen an Gesangswettbewerben in Avignon. Ihren ersten Sieg feierte Mireille Mathieu im Jahr 1965. In ihrer Anfangsphase coverte sie immer wieder Chansons von Édith Piaf. Entdeckt wurde die talentierte Sängerin von Johnny Stark, der in der Vergangenheit auch mit Piaf arbeitete. Er erkannte das Potenzial der jungen Frau aus Avignon, wurde ihr Manager und sorgte dafür, dass sie ihr Talent mit eigenen Stücken weiter ausbauen konnte. Diese künstlerische Nähe zu Edith Piaf brachte Mireille Mathieu den Beinamen „Piaf d’’Avignon“ (die Piaf/der Spatz von Avignon) ein, was durch die fehlende Möglichkeit der Übersetzung der Zweideutigkeit in Deutschland zu dem „Spatz von Avignon“ wurde.

Die kleine Frau mit der kraftvollen Stimme und ihre größten Hits

Ihr erstes Album „„En direct de l´Olympia““ veröffentlichte Mireille Mathieu 1966. Es dauerte nicht lange, bis die zierliche Sängerin auch im Ausland einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Schließlich trug sie ihre Lieder in insgesamt elf Sprachen vor. Hierzulande war sie vor allem mit deutschsprachigen Titeln erfolgreich, „“Akropolis adieu““ und „“La Paloma adé““ waren ihre größten Hits. Bis in die späten 1970er-Jahre verkaufte die beliebte Künstlerin Millionen von Schallplatten und eroberte mit ihrer glockenhellen Stimme die Herzen ihrer Fans, die ihre Konzerte immer wieder gerne besuchten. Im deutschen Fernsehen gab es zahlreiche Auftritte, zu zahlreichen TV-Sendungen wurde sie regelmäßig eingeladen und war ein gerngesehener Gast. Sie nahm Duette mit mehreren Weltstars auf. In diese Liste reihen sich u. a. Dean Martin, ABBA, Plácido Domingo, Julio Iglesias und Charles Aznavour ein.

In den 1980er-Jahren änderte sich jedoch der Geschmack der breiten Masse, und die Französin tauchte nur noch sporadisch in den deutschen Single-Charts auf. 1983 sang sie „Together „We’re Strong““ im Duett mit dem amerikanischen Schauspieler Patrick Duffy. Zwei Jahre später nahm sie an der Seite des Entertainers Peter Alexander den Titel „“Good-Bye, My Love““ auf.

Eine geheimnisvolle Frau zwischen Beruf und Privatleben

Mireille Mathieu hält sich verschlossen in Bezug auf ihr Privatleben. Bekannt ist, dass die Sängerin nie verheiratet war und keine Kinder hat. Gerüchte besagten, dass ihr 1989 verstorbener Manager Johnny Stark gleichzeitig auch ihr Lebensgefährte war. Mathieu hat allerdings noch nie zu diesem Thema öffentlich Stellung bezogen und grundsätzlich nicht über die Beziehungen zu diversen Männern in den Medien gesprochen. Sie gab jedoch in mehreren Interviews zu, dass sie sich jahrelang trotz ihres erfolgreichen Berufslebens sehr einsam fühlte und an schweren Depressionen litt, weswegen sie sich in ärztliche Behandlung begab. Mittlerweile lebt sie gemeinsam mit ihrer Schwester Monique in Neuilly-Sur-Seine, einem Vorort von Paris. Sie ist gläubige Katholikin und trägt seit Jahren ein kleines Kreuz an einer Kette um den Hals.

Ehrungen und Auszeichnungen

Die populäre Französin wurde mehrmals für ihre Verdienste ausgezeichnet:

1978 – 1985 war die Büste der französischen Nationalfigur Marianne nach Mireille Mathieu als Vorbild gestaltet

1984 Erhalt des Bundesverdienstkreuzes für ihre Bemühungen um die deutsch-französische Freundschaft

1999 Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion in Frankreich

2001 Ernennung zum Offizier der Ehrenlegion in Frankreich

Außerdem wurde sie von Papst Johannes Paul II., Queen Elizabeth II. und dem früheren US-Präsidenten Ronald Reagan als Gast eingeladen.


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