Uwe Busse im Interview: „Erst Heavy Metal und dann die Flippers“

Uwe Busse im Interview: „Erst Heavy Metal und dann die Flippers“ © Weskott

Es gibt sie noch, die echten, wahren Gentlemen. Selbst in einer Ellenbogen-Branche wie dem Musikgeschäft. Da sind höfliche, ruhige, achtsame Menschen aber zugegebenermaßen selten. Der Prototyp von ihnen heißt Uwe Busse. Schon seine Vita legt das Gentleman-Dasein nahe: Jahrelang hielt er sich zurück, schrieb seine Songs Künstlern wie den Flippers, G. G. Anderson, Mireille Mathieu, Roger Whittaker, Andrea Jürgens, Ireen Sheer, Roland Kaiser, Wencke Myhre und Audrey Landers auf den Leib und ermöglichte ihnen damit millionenstarke Karrieren. Erst nach über 20 Jahren im Showgeschäft besann er sich seines eigenen Potentials als Sänger und bestieg die Bühne. Sein Album „Applaus für dich“ erscheint am 18. Juli 2014 und wir konnten im Vorfeld bereits ein exklusives Interview mit dem Multitalent führen.

Hallo lieber Uwe! „Applaus für Dich“ heißt Dein in Kürze erscheinendes Album. Wir konnten schon reinhören und es ist uns aufgefallen, dass es viele berührende Themen beinhaltet. Zum Beispiel geht es um einen Obdachlosen und eine alte Frau und deren Liebe zur Musik. Woher nimmst Du die Ideen dafür?

Ja, das stimmt. Ich nehme sehr viele Ideen mit aus dem wahren Leben, da ich ja viel unterwegs bin und mich viele Schicksale sehr berühren und teilweise auch inspirieren. So ist auch die Geschichte mit dem Obdachlosen entstanden, als ich wieder mit der Bahn unterwegs war. Du sitzt im Warmen und siehst dann wie dort jemand auf der Bank sitzt, versucht sich mit einem heißem Kaffee aufzuwärmen, und man weiß, dass dieser Mensch wahrscheinlich kein Dach über dem Kopf hat. So etwas berührt mich und ich möchte aber damit auch die Hoffnung weitergeben, dass durchaus auch alles wieder gut werden kann. Mir wird oft gesagt, dass meine Texte nicht unbedingt die typische Schlagerwelt widerspiegeln. Dann antworte ich immer, okay, ich bin wirklich sehr gerne Schlagersänger, aber ebenso gerne Chansonier, der eben diese Botschaften weitergeben möchte.

Lass uns über den Albumtitel sprechen. Was bedeutet Dir persönlich Applaus?

Das ist das Wichtigste und Schönste überhaupt und für mich wirklich wie eine Droge. Man sagt ja oft, der Applaus ist das Brot des Künstlers und so sage ich gerne vor meinem Publikum diesen Spruch und ernte sofort prompt Applaus. Und der Applaus ist es letztendlich, was einen immer wieder beflügelt diesen Beruf machen zu wollen. Ich selber bin ja 360 Grad in einer Person sozusagen - als Produzent, Texter und Sänger. Wenn Du dann diese Anerkennung bekommst, in Form von Applaus, dann ist das eine Bestätigung für die viele Arbeit, die dahinter steckt. Gerade für dieses Album habe ich mir einen fantastischen Texter mit ins Boot geholt. Tobias Reitz ist ein junger und überaus kreativer Mensch, den ich schon sehr lange kenne und schätze.

Du hast in Deiner Karriere unzählige Songs geschrieben, u.a. für G.G. Anderson, Andrea Jürgens und natürlich die Flippers. Schreibst Du lieber für Andere und ist das vielleicht „leichter“ für Dich?

Es ist alles wunderschön und gleichwertig, aber für sich selber zu schreiben, ist in der Tat sehr viel schwerer. Ich habe einfach dieses Talent etwas zu schreiben und bin natürlich auch sehr stolz auf die Erfolge, die ich damit erreicht habe. Wichtig ist es für mich immer, die Leute, für die ich schreibe, persönlich kennen zu lernen. Die Chemie muss stimmen und dann geht alles wie von selbst. Für mich selber zu schreiben ist insofern schwer, weil Du ja aus dieser Person heraustreten musst. Dafür dann zu texten, ist unglaublich schwer.

Was hat Dich letztendlich dazu bewogen, wieder selber als Solist aufzutreten?

Da sind wir wieder beim Thema Droge - im positiven Sinne. Natürlich ich bin ja quasi damit aufgewachsen. Kaum jemand wird wissen, dass ich damals mit einer Heavy Metal Band herumgetingelt bin. Dann habe ich mit einer anderen Band Beatles Songs gespielt, also das heißt, ich war immer mit irgendwelchen Bands auf der Bühne und dieser Applaus war immer mein Leben. Und genau das habe ich irgendwann vermisst - dieses Musikerdasein. In den 80er Jahren, der Hochzeit der Flippers, bin ich mit Texteraufträgen förmlich überschüttet worden, dass ich gar nicht in der Lage war, für mich selber Promotion zu betreiben. Es gab immer mal wieder Gehversuche, aber keine TV-Auftritte oder Ähnliches. Zurückblickend bereue ich das heute ab und an ein wenig, denn damals war es schon noch ein stückweit einfacher in die Medienwelt einzutreten. Ausschlaggebend war dann mein 40. Geburtstag, als ich meiner Frau mit dem Wunsch in den Ohren lag, wieder als Solist etwas machen zu wollen und ich bereue diesen Schritt überhaupt nicht.

Der Schlager boomt ja derzeit. Du warst ihm aber am Anfang nicht unbedingt so verfallen, oder? Wieso?

Ich habe mir eigentlich nie über Musikrichtungen Gedanken gemacht, sondern wie ich vorhin ja auch schon erwähnte, immer das getan, was gerade auf mich zukam. Als kleiner Bub habe ich Flöte im Spielmannszug meines Vaters gespielt oder im Orchester, wenn jemand gebraucht wurde, auch ab und an Schlagzeug oder Gitarre gespielt. Dann gab es die Jungs die einen Sänger für die Heavy Metal Band suchten. Tja, da habe ich mir die Haare lang wachsen lassen und den Part des Sängers übernommen. Das heißt, ich war und bin es auch heute noch, immer offen für alles, was mir Spaß macht.

Du setzt Dich auch sehr für die Förderung des Nachwuchses im Showgeschäft ein. Da gibt es zum Beispiel Laura Wilde, die Du sehr erfolgreich produzierst. Warum ist Dir das so wichtig?

Ach, ich denke einfach, dass es wichtig ist, die kommende Generation zu unterstützen. Meine Frau und ich haben ja keine Kinder, deshalb habe ich in dem Song auf dem Album „Wie würdest Du lachen“ beschrieben, wie es wäre, wenn wir eben ein Kind gehabt hätten. Es geht mir darum, die Lebenserfahrung weiter zu geben, nicht um das Materielle, sondern um den Schatz, den wir alle in uns tragen - diese Lebenserfahrung die ich gerne weitergeben möchte.

Dein soziales Engagement liegt Dir sehr am Herzen: Du bist beispielsweise Botschafter der „Lebenshilfe e.V.“. Wie kam es dazu und wie sieht Deine Unterstützung vor Ort aus?

Das geht zurück bis in die Zeit meines Vaters, der als Fahrer für die Lebenshilfe in Niedersachsen tätig war. Und als ich gerade meinen Führerschein hatte, habe ich dann ab und an seine Fahrten übernommen. Da werde ich nie vergessen, wie die ersten Berührungen mit behinderten Kindern war. Man hatte ein wenig Angst davor und war befangen. Das hat sich dann aber ganz schnell gelegt. Da war so viel Freude und Ehrlichkeit. Viele Jahre später habe ich dann auch Konzerte dort gegeben und dann den Geschäftsführer der Lebenshilfe NRW kennengelernt. Und so ergab es sich, dass ich zum Botschafter ernannt worden bin, worauf ich sehr stolz bin.

Seit über 30 Jahren bist Du bereits überaus erfolgreich im Showgeschäft. Wie erklärst Du Dir Deinen stetigen Erfolg?

Wenn man bedankt, dass ich 1981 meinen ersten Erfolg hatte, ist das schon verdammt lange her. Ich denke es ist auch die Offenheit. Ein Freund von mir hat mal gesagt: „Uwe, wenn der Fahrstuhl auf einer Etage anhält, dann musst Du da einsteigen“. Viele würden diesen Rat eben nicht befolgen, weil Zweifel entstehen und daran denken, was passieren könnte. So bin ich nicht. Es gehört eine Menge Mut dazu und wenn der kreative Motor erst einmal wieder läuft, dann hält mich nichts mehr auf. Natürlich gehört eine Menge Glück und ein gutes Umfeld dazu, das ist ganz klar.

Wie sehen Deine weiteren Pläne für 2014 aus?

Neben der Promotion arbeite ich an einer Live-Tournee, die dieses Jahr nicht mehr gelingen wird, aber ich hoffe 2015. Dann plane ich ein neues Projekt, welches ich noch in der Retorte habe und auch noch nichts weiter dazu sagen möchte. Meine Frau und ich träumen in diesem Jahr noch von einer Auszeit. Wohin die Reise führen wird, weiß ich noch nicht genau, wahrscheinlich aber wieder nach Mallorca, wo wir sehr viel Zeit verbringen.

Vielen Dank, lieber Uwe, für das wirklich interessante und angenehme Gespräch. Schlager.de wünscht für das kommende Album viel Erfolg und alles erdenklich Gute.

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