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Österreichs Geheimtipp: Das ist HANNAH

Österreichs Geheimtipp: Das ist HANNAH © Birgit Pichler

Denkt man an Österreichs zeitgenössische Musik, fallen sofort unsterbliche Namen wie Falco, EAV, Rainhard Fendrich, Andreas Gabalier oder Christina Stürmer. Sie alle sind oder waren feste Größen in der bewegten Musikszene Österreichs und weit darüber hinaus. Und dann kam Hannah! Mit ihrer unnachahmlich charmanten Art, das Beste aus den Genres der eingangs erwähnten Musiker zu kombinieren und mit einem kräftigen Schuss Punk und Rock zu ergänzen, hat die quirlige Tirolerin ihren ureigenen unverwechselbaren Stil kreiert – den Alpenpunk!

Jeder hier im deutschsprachigen Raum kennt Christina Stürmer. Aber kennt ihr auch schon Hannah? Nein? Eigentlich ein Kuriosum, bedenkt man, daß sie in ihrem Heimatland bereits mehr Tonträger absetzen kann als ihre Linzer Kollegin. Der Alpenpunk boomt gewaltig und schwappt hoffentlich auch endlich über die Bergkämme zu uns nach Deutschland. Es ist Zeit, einen genaueren Blick auf die Gipfelstürmerin aus der Alpenrepublik zu werfen.

 

Exklusives Schlager.de-Interview mit Hannah!

Schlager.de: Hannah, du bist in Österreich bereits sehr bekannt und beliebt. Wie würdest du dich selbst und deine Musik den Fans hier in Deutschland mit wenigen Schlagworten beschreiben?

Hannah: Rebellisch, ambivalent: volkstümlich und rockig, punkig, heimatverbunden, traditionell mit modernen Elementen

Auch auf deinem vor kurzem veröffentlichten, bereits dritten Album „Aufstieg“ findet man Songs, die du zumindest teilweise in Mundart singst. Was verbindest du mit deiner Heimat und wie wichtig ist es dir, die eigenen Wurzeln zu pflegen und zu wahren?

Mir ist Heimat sehr wichtig. Mit Heimat verbinde ich Wurzeln, GeliebtSein, SichFreiFühlen;

Diese Gefühle muss man nicht zwangsläufig mit einem Land verbinden, man kann diese Gefühle auch bei geliebten Menschen spüren, bei einem Hobby etc. Mir wurde meine Heimat Tirol im Teenageralter zu eng – die Berge, die oft engstirnige Meinung der Tiroler, das angepasste und konventionelle Dorfleben. Ich musste raus und so bin ich nach meinem Abitur nach Hannover um eine Ausbildung zum Vocalcoach und Sängerin für Rock und Pop zu machen, danach in die Schweiz, nach Italien und Dubai. Heute schätze ich meine Heimat viel mehr, denn ich kann über die Berge, über den Tellerrand blicken, und das ist gut so.

Ich bin schon der Meinung, dass gerade in der heutigen Zeit, wo die politische Situation die Menschen so zerreißt und aufrüttelt, Wurzeln wichtig sind. Heimatstolz ist wichtig. Ich bin stolz auf mein Land, weil es so schön ist, weil ich die Natur liebe, die Berge, die Städte, die Kultur, das Essen, die Leut´, das Sozialsystem etc. und ich finde, das darf man auch zum Ausdruck bringen. Nur weil ich mein Land liebe, bin ich noch lange nicht in einem rechten Eck, im Gegenteil, weil ich mein Land liebe, kann ich weltoffen und tolerant sein. Ich finde einfach, dass unsere Kultur gepflegt werden soll und da gehören in Österreich eben Brauchtumsgruppen, Schuhplattler, Perchten, Jungbauern, Vereinskultur dazu. In Deutschland schreit man oft schon bei der Verwendung des Wortes „Heimat“ laut auf, weil man diesen Begriff der rechten Abteilung zuordnet. Aber die wenigsten Menschen unserer Generation können die Zeit des 2. Weltkrieges noch nachvollziehen, wir kennen diese Zeit aus Geschichtsbüchern oder Erzählungen unserer Großeltern, aber wir haben diese dunklen Tage nicht erlebt. Gott sei Dank, und ich hoffe, dass wir alle sie nie mehr erleben müssen. Trotzdem hängt diese dunkle Wolke (in meinem Song „Hoamat“ Textzitat: „weil dunkle Tage sterben nie“) wie ein Damoklesschwert über unserem Heimatverständnis. Müssen wir uns wirklich für unsere Heimat schämen? Rein geschichtlich ja und dieses Verbrechen an der Menschheit kann nie ausradiert werden, aber ich denke es kann irgendwann abgehakt werden. Müssen wir uns als Deutsche oder Österreicher immer noch für etwas schämen, das wir nicht mehr miterlebt haben? Oder dürfen wir, unsere Generation, stolz sein, auf das, was die Nachkriegsgeneration aufgebaut hat und für uns erreicht hat. Dürfen wir nicht auf unser vegetativ artenreiches Land, auf das gute Essen etc. stolz sein? Ich denke schon und ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen eine „HOAMAT“ suchen und brauchen.

Du begeisterst uns nicht nur mit tollen Songs, sondern auch mit deinen unvergleichlichen Outfits. Wo nimmst du die Ideen dazu her und gibt es neben der coolen Optik auch eine Symbolik dahinter?

Mir ist es wichtig Traditionellem moderne Akzente zu verleihen. Oft wird das Dirndlkleid bei uns, auch bezugnehmend auf den Tourismus, sehr klischeehaft verwendet. Normalerweise laufen auch wir Tiroler Frauen und Männer nicht im Alltag mit Dirndl und Lederhose durch die Straßen und deshalb wollte ich dem traditionell, trachtigem Outfit den Kitsch etwas nehmen und zeigen, wie sich eine moderne Frau auch sonst noch kleiden kann. Heraus kam Traditionelles mit Edelpunk, also der Alpenpunk.

Früher habe ich stundenlang nach Klamotten gesucht, daheim Stoffe und Patches aufgenäht und den Pinsel geschwungen. Mittlerweile habe ich schon wie eine kleine Familie um mich, meine Alpenpunk-Family, die sich um meinen punkigen Alpenstyle kümmert. Dazu gehört vor allem Markus Spatzier, der junge dynamische und äußerst talentierte Designer aus Schwaz, der mit seinem Label Manufaktur Herzblut nicht nur auf der Vienna Fashion immer vertreten ist, sondern sich schon über unsere Landesgrenzen hinaus einen Namen erarbeitet hat. Bei medialen Ereignissen habe ich auch immer meinen eigenen Visagisten mit dabei, Michael Kleinheinz/Visartist, der sich um mein Make Up und meine Haare kümmert.

Aufmerksame Fans beschäftigen sich intensiv mit den Songtexten. Bei dir fällt auf, daß du Geschichten erzählst, die sehr authentisch und selbsterlebt wirken. Woher beziehst du deine Ideen? Sind diese vielleicht sogar autobiografisch?

Ideen kommen immer und überall oder gar nicht. Kreativität kommt und geht, hält sich nicht an fixe Zeiten und so sammle ich immer und überall Ideen für neue Songs und Texte. Die werden dann schnell aufs iPhone gesprochen oder gesungen, ansonsten sind sie wieder weg.

Nicht alles, was ich schreibe, ist autobiografisch, aber ich versetze mich schon immer sehr intensiv in die Geschichten hinein, die ich erzählen will. Da kann es schon passieren, dass mich Geschichten und Themen bis in meine Träume verfolgen.

Natürlich kann man auch Erlebtes in Songtexten verarbeiten, dann erspart man sich so manchen Therapeuten, obwohl jeder Künstler einen kleinen künstlerischen Knacks weg hat;-)!!

Du bedienst ein sehr facettenreiches musikalisches Feld von der gefühlvollen Ballade bis zum brandheissen Gassenhauer. Dasselbe gilt auch für deine Texte, die emotional auffällig tiefgehend, manchmal augenzwinkernd und selbstironisch aber auch mal mutig und aufrüttelnd sind. Ein Titel heißt „Weißt du wieviel Sternlein stehen“ und ist keineswegs ein Remake des bekannten Schlafliedes. Was ist der Hintergrund dieses Titels und was möchtest du damit sagen?

In der Zeit als der Syrienkrieg angefangen hat und wir alle mit schrecklichen Bildern überflutet wurden, so viele, dass wir schon teilweise abgestumpft darauf reagierten, habe ich mir gesagt, ich möchte gerne einen Song darüber schreiben, weil wir hier in Österreich und Deutschland alles in keinster Weise nachvollziehen können, wie es sich anfühlt sein Kind, seine Familie bei Bombenanschlägen zu verlieren, zuschauen zu müssen wie das eigene Hab und Gut einfach nicht mehr da ist, das eigene Kind schwer verletzt in den Armen zu halten und keine Hilfe zu bekommen – einfach schrecklich. Und „i fühl mi so sicher in meiner heimeligen, kleinkariertet Welt“ (Textzitat Intro „Weißt du wieviel Sternlein stehen“), während am anderen Ende der Erde der Krieg tobt, das war die Aussage des Songs. Das Lied verschwand dann in der künstlerüblichen Schublade und als der Terror nach Frankreich und Europa überschwappte und schreckliche Szenen sich praktisch vor unserer Haustüre abspielten, kramte ich den Song wieder raus und dachte mir, jetzt hat sich diese Anfangszeile „i fühl mi so sicher…..“ auf ironische Weise verändert, sie stand plötzlich in einem anderen Licht. Und so musste das Lied nach außen mit einem Video, wo nicht ich im Vordergrund sein sollte, deshalb die Kapuze, die Kappe….sondern der Text und das Gefühl des Songs.

Ich will nicht nur das in der Schlager- und Volksmusikbranche übliche „Heileweltbildklischee“ erfüllen, sondern ich will auch, neben Partykrachern, aufrütteln und mit meinen Songs zum Nachdenken anregen. Da nehme ich mir kein Blatt vor den Mund.

Deine aktuelle Single heißt „Scheissegal“ und ist ein äußerst eingängiger, mitreißender Song, der dich und deinen Stil sehr gut beschreibt. Sicher können die Fans deine Texte Wort für Wort mitsingen. Gerade Songs wie dieser haben durch die starken Worte einen hohen Wiedererkennungswert. Jeder interpretiert dort seine persönlichen Erlebnisse mit hinein. Was ist das für ein Gefühl, wenn du auf der Bühne stehst und Tausende Fans mit dir den Refrain anstimmen?

Ich bin hier in Österreich eine der wenigen, die keine Coversongs oder Hitmedleys spielt. Ein Hannah Konzert ist zu 150% Prozent Hannah. Wo Hannah draufsteht, ist Hannah drin und ich bin immer wieder überwältigt, wenn ich auf der Bühne stehe, dass so viele Menschen meine Texte und Songs von Anfang bis zum Ende mitsingen, die mir ihre persönliche Lebensgeschichten, die sie mit meinen Liedern in Verbindung bringen, schreiben, die mir überall hinterherreisen, die einfach für mich da sind – es ist einfach nur unfassbar und ich bin so glücklich, dass ich dieses Privileg als Künstlerin habe und ich hoffe, dass der „AUFSTIEG“ weitergeht nicht nur hier in Österreich, sondern auch in Deutschland.

Gibt es abschließend etwas Persönliches, das du den deutschen Fans sagen oder mit auf dem Weg geben möchtest?

Meine lieben deutschen Alpenpunker, ich bin stolz auf euch, dass ihr mit mir, als Flachländer;-)!!, den AUFSTIEG wagt und mit mir auf den Gipfel geht. Mein Mann ist auch Deutscher und ich liebe euch, auch wenn wir Österreicher und Deutschen uns immer ein bisschen aufziehen, das gehört zu unserer nachbarlichen Freundschaft dazu. An meine lieben deutschen Frauen da draußen: Bleibt stark, geht euren Weg und denkt daran: Mit Highheels sind wir geboren, wir klettern über jeden Stoan… (Textzitat: „Weiber, es isch Zeit“),

Alles Liebe

Eure Hannah

Vielen Dank für das tolle Gespräch und die ehrlichen Worte!

 

Unser Eindruck von Hannah: Eine frische Künstlerin, die es ausgezeichnet versteht, ihr Lebensgefühl in qualitativ hochwertiger Musik auszudrücken. Mit ihrer ehrlichen, überzeugenden Art und Herzlichkeit wird sie auch hierzulande zweifellos ihren Weg machen. Hannah, wir wünschen dir das Allerbeste und geben zu…das Alpenpunk-Fieber hat uns längst fest im Griff!

Für alle, die etwas genauer wissen wollen, wie Hannahs neues Album „Aufstieg“ klingt, hier geht’s zur Albumrezension:

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