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Erinnerungen an Andreas Fulterer…

Erinnerungen an Andreas Fulterer…

Im Jahr 2016 haben verschiedene Künstler/innen die Bühne des Lebens für immer verlassen. Auch Andreas Fulterer. Der ehemalige Kastelruther Spatz starb im Alter von nur 55 Jahren im Oktober 2016 nach einer kurzen schweren Krankheit.

 

Seit dem viel zu frühen Tod des beliebten Südtirolers ist nunmehr fast ein halbes Jahr vergangen. Kurz vor Bekanntwerden seiner Krankheit, hat er sein Album „Farbenleer“ veröffentlicht. Fulterer war ein musikalisches Kraftpaket – ein Ausnahmekünstler – und strotzte nur so vor positiver und schier unbändiger Energie, bis ihm die Krankheit nach und nach jegliche Kraft nahm. Dennoch haderte er nicht, sondern nahm den Kampf auf, packte es an und organisierte all das, was ihm noch möglich war. Selbst um seine Beerdigung kümmerte er sich selbst. Es sollte sein letztes großes Konzert werden. Aber nicht nur in seinen Liedern lebt er weiter, sondern vor allem auch in der Erinnerung der Menschen – denen er nahe stand, die ihn schätzten, mit denen er befreundet oder bekannt war – lebt er weiter.

Weggefährten erzählen exklusiv für Schlager.de von ihren Begegnungen mit dem beliebten Südtiroler

Schlager.de hat mit verschiedenen Weggefährten von Andreas Fulterer gesprochen. Ein jeder von ihnen hat eine ganz persönliche oder aber besondere Erinnerung an ihn – den Künstler, vor allem aber an den Menschen!

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Bandchef und Manager Reinhard (Reiny) Glöggler hat Andreas das erste Mal bei der ARD- Fernsehsendung „Die Goldene 1 – Hitparade“ im Jahr 1998 kennengelernt. Glöggler und seine Band waren seinerzeit die Begleitband dieser Sendung und Andreas trat an diesem Abend mit Petra Frey auf. Zusammen im Duett präsentierten sie den Titel „Inno d ́amore“ und gewannen die Hitparade. Nach der Sendung saß man noch zusammen und Andreas Fulterer hat Reinhard Glöggler angesprochen, ob er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könnte. Fulterer wünschte sich diese Band als Begleitband für seine Konzerte. Glöggler selbst freute sich über das Angebot, das in ihn gesetzte Vertrauen und bejahte spontan. Dennoch vergingen noch drei Jahre, bis man sich wieder traf. Ende 2001 dann probte man das erste Mal zusammen. Alle waren aufgeregt und fragten sich, ob auch alles so funktionierte, wie man sich das dachte und natürlich auch wünschte. Aber schon nach den ersten Proben waren sowohl Andreas als auch die Band erleichtert und auch überaus positiv gestimmt – denn es passte ganz einfach. Schnell war man sich einig und vereinbarte eine gemeinsame Tournee. Im Februar 2002 fand das erste Konzert in Nürnberg statt. „Es entwickelte sich eine wundervolle Zusammenarbeit und eine sehr schöne und tiefe Freundschaft bis zu seinem Tod“, so Reinhard Glöggler.

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Francesco Abate hat Andreas Fulterer vor über 20 Jahren bei einem Konzert der Kastelruther Spatzen kennengelernt. Francesco wurde Vorsitzender des Andreas Fulterer Fanclubs „Tornero Niederstotzingen“. Nach den ersten drei Jahren wurde aus diesem Fanclub 2006 ein eingetragener Verein, bei dessen Gründung seinerzeit auch Andreas Fulterer anwesend war. Mit den Jahren wurden Francesco und Andreas beste Freunde und Vertraute. Darüber hinaus veranstaltete Abate insgesamt 18 Live-Konzerte mit Andreas Fulterer & seiner Band in Niederstotzingen bzw. Memmingen. Traditionell war in Memmingen auch stets das Tourfinale des „Weihnachtszauber aus den Dolomiten“. In der Memminger Stadthalle fand auch das letzte Weihnachtskonzert von Andreas Fulterer und seiner Band statt. Ausverkauftes Haus seinerzeit am 20. Dezember 2015 und zum Ende des Konzertes ein stolzer und glücklicher Südtiroler auf der Bühne, der versprach „Ciao – bis nächstes Mal; ich komme wieder“. Das Schicksal meinte es anders. Es gab keine weitere Weihnachtstournee – es gab auch kein nächstes Mal auf der Bühne in Memmingen. Francesco Abate hat Andreas als Freund bis zu seinem Tod begleitet und dieses starke Band der Freundschaft, welches so viele Jahre Bestand hatte, bleibt über den Tod hinaus bestehen. Abate war schon oft am Grab seines Freundes in Seis und auch die Stadt Memmingen bewahrt Andreas Fulterer weiterhin ein ehrwürdiges Andenken.

Und auch Josef (Sepp) Fulterer – einer von Andreas Brüdern – der mit ihm zusammen aufgewachsen ist und den elterlichen Kamaunhof, zusammen mit seiner Ehefrau Christine nicht nur bewirtschaftet, sondern hier auch ein kleines Urlaubsparadies am Fuße des Schlerns geschaffen hat – erinnert sich gerne und oft an den berühmten „Spross“ der Fulterer-Familie. Heimat verbunden war Andreas und für ihn waren die Besuche auf dem Hof ganz einfach immer schon mehr als eine lieb gewonnene Tradition. So führte ihn sein Weg – vor allem nach seinen musikalischen Reisen – stets auch zurück in sein Elternhaus. Und wenn die Zeit auch manchmal nur für einen Espresso reichte: Sein Elternhaus war immer ein Stück weit auch seine eigene „starke Heimat“. Die Feriengäste freuten sich natürlich auch immer, Andreas zu sehen, ihm zu begegnen und mit ihm zu sprechen. Und nicht selten packte er auch schon mal tatkräftig auf dem Hof mit an. Andreas war da, wenn er gebraucht wurde. Josef Fulterer spricht von seinem Bruder mit einem Leuchten in den Augen und sagt, „dass der Andreas immer schon ein besonderer „Bua“ war“. Alleine schon sein Gang sei besonders gewesen; ähnlich wie der des Vaters und immer mit einer Hand im Hosensack. Sepp Fulterer sagt, dass Andreas bei allen Menschen immer gut angekommen ist. Vielleicht auch, weil er versuchte, sich überall und jedem anzupassen. „Andreas – so sein Bruder – hatte für alle stets ein offenes Ohr und immer auch einen guten Rat. Er war überaus entscheidungsfreudig, hat sich stets auch eingebracht und war schon als Kind recht früh selbstständig unterwegs. Dann war er überall der Chef“. Josef Fulterer sagt, dass Andreas tatsächlich bis zum Schluss irgendwie auch immer recht hatte und wenn er im Nachhinein überlegt, dann kann er feststellen, dass sein Bruder im Endeffekt auch immer die richtige Entscheidung getroffen hat.

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Hans Fulterer sah in seinem Bruder vor allem auch immer den Vertrauten/den Freund. In unserem Gespräch gibt er an, dass es für Andreas niemals einen Stillstand gab. Er war ganz einfach der Schaffer, der Macher und hat immer schon den vollen Einsatz gezeigt. Ein absoluter Perfektionist; auf der Bühne aber auch privat. Wenn Andreas etwas anging, dann richtig; ansonsten ließ er es bleiben.

„So hat er sich vor vielen Jahren auch selbst Schlagzeug und Gitarre spielen beigebracht. Dann saß er oft stundenlang, ganz ohne Pause da und übte, bis es dann letztendlich auch funktionierte. Der Andreas war der Wahnsinn“, so erzählt es Hans. „Vielleicht war seinerseits oftmals auch eine gewisse Sturheit mit dabei“, gibt Fulterer zu bedenken. „Aber wenn Andreas etwas wollte – wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte – dann hat er das auch durchgezogen und sich von nichts und niemandem davon abhalten lassen“, gibt der Bruder an. So zielstrebig verfolgte er auch seine Solokarriere. „Als er beschloss, diese zu starten, gab es ja zunächst tatsächlich nur ein Lied – Torneró nämlich. Etwas wenig an musikalischem Repertoire, um die Welt zu erobern“, schmunzelt Hans Fulterer. Als er dann 1995 unter seinem Vornamen „Andreas“ seine erste eigene CD „Amore Felicità“ – die ausschließlich Lieder in italienischer Sprache enthält – aufgenommen hat, war er noch Mitglied der Kastelruther Spatzen. Erst der Duett-Titel „Inno d ́amore“ zusammen mit Petra Frey und der Sieg 1998 in der ZDF Hitparade ebnete Andreas Fulterer dann sozusagen „über Nacht“ den musikalischen Weg. Hans Fulterer begleitete seinen Bruder sehr oft zu den Auftritten. Seinerzeit auch zur Echo-Verleihung nach Berlin. Für ihn war das Musikbusiness eine ganz andere Welt und ein Stück weit auch ein schnuppern und eintauchen „hinter die Kulissen der Branche“. Hans Fulterer sprüht nur so vor Euphorie, wenn er über seinen berühmten und allseits beliebten Bruder spricht. „Andreas war emotional topp und gerade das spiegelte sich auch stets in seinen Liedern wieder“, sagt er stolz. „Niemals hätte er einen Titel gesungen, den er nicht singen wollte. Andreas wusste, dass er die Menschen/sein Publikum nur dann erreichen kann, wenn er einen Titel selbst auch fühlte“, gibt Fulterer zu verstehen. „Starallüren waren ihm fremd. Andreas war stets geerdet und im Einklang mit sich selbst“.

Hans Fulterer wird leise, wenn er erzählt, dass sich sein Bruder niemals geschont hat. Traurig spricht er von dem Tag im Sommer 2016, der dann alles verändert hat. Als Andreas im vergangenen Jahr mit der niederschmetternden Diagnose seiner Krankheit konfrontiert wurde, war auch sein Bruder Hans an seiner Seite; er hatte ihn begleitet. Still nahm Andreas die Worte des Arztes auf. Dieser wollte ihn seinerzeit direkt stationär ins Krankenhaus einliefern, um dort die weitere Behandlung zu besprechen. Aber Andreas wollte zunächst nur eines: heim zu seiner Frau/seiner Familie. Wie eigentlich immer. So gerne Andreas auch in der großen weiten Welt unterwegs war, ebenso gerne war er zu Hause. Sein Dorf am Fuße des Schlerns, seine Familie – das war sein Heimathafen/sein Rückzugsort, wo er stets auch Kraft und Energie tanken konnte. Andreas hat den Kampf gegen die Krankheit aufgenommen und zudem alles organisiert und geregelt, was ihm noch möglich war. Als er dann schwächer wurde, entschloss er sich für einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus Bolzano (Bozen) auf der Palliativ- Station. Sein Bruder erinnert sich als wäre es gestern gewesen, das Andreas zu ihm sagte, dass er doch gerne 80 Jahre alt geworden wäre und nicht nur 55. Dass nicht nur musikalische Träume und Ideen noch in seinem Kopf herumspukten, sondern er sich doch gerne auch noch kleine persönliche Wünsche erfüllt hätte, verriet er. So wollte er nochmals die Nachbarn – zu denen er einen überaus guten und freundschaftlichen Kontakt pflegte – zu sich nach Hause einladen. Bedacht und interessiert an einer gesunden Lebens- und Ernährungsweise war Andreas immer schon und so hätte er gerne Urlaub auf Sizilien gemacht, um dort u. a. Rosetta Narzissi zu treffen, die er vor fünf Jahren über Manfred Hohensinner kennengelernt hat. Rosetta beschäftigt sich mit dem Anbau von Bioobst und -gemüse und stellt für den Import in verschiedene Länder eine Art Bindeglied dar. Er hatte nicht mehr die Zeit, all das zu realisieren. „Andreas war der gradlinigste und grundehrlichste Mensch, den ich kenne. Er hat sich und seine Person immer zurück gestellt. Denn das Wohl der anderen stand für ihn immer an erster Stelle“, sagt Hans Fulterer

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Barbara Fulterer…

…die Nichte von Andreas Fulterer könnte schier Bücher füllen mit den Erinnerungen an ihren Onkel. Kennt sie Andreas sozusagen schon von Kindesbeinen an. Amüsantes weiß sie zu berichten, aber auch erlebte Geschichten, die berühren und ein Stück weit auch zum nachdenken anregen. So z. B., wenn sie sagt, dass sie selbst nach jedem Krankenbesuch nicht unbedingt traurig, sondern eher ein ganzes Stück weit gestärkt und sogar auf ihrem eigenen Weg – in ihrem eigenen Tun – zugleich bestärkt aus diesen Begegnungen herausging. So erinnert sie sich gerne und oft an die vielen gemeinsamen Gespräche, die meist sehr lebendig und auch tiefgründig waren; ihr unendlich viel gegeben haben. Barbara selbst bezeichnet diese als wertvoll. „Andreas – so sagt sie – hat sich bis zum Schluss nicht von seinem Weg abbringen lassen. Er selbst hat sich seine Richtung/sein Tempo selbst vorgegeben und davon hat er sich auch nicht abbringen lassen. Von niemandem. Er wählte selten den einfachen Weg“. Barbara – so könnte man es beschreiben – ist aus dem „gleichen Holz geschnitzt“ wie Andreas. Da spürt man die starken Familienbande. Und auch sie schwimmt lieber schon mal gegen den Strom als sich ständig nur anzupassen. Auch, wenn andere das vielleicht von ihr erwarten. Wenngleich gerade das nicht immer leicht ist und sie damit nicht selten auch schon mal „aneckt“ und die anderen mit Unverständnis reagieren. Dennoch, so sagt sie, „das bin ich – das ist mein Weg“. Andreas hat viele seiner Gedanken in seinen Liedern festgehalten und zum Ausdruck gebracht. Und mit dem Titel „Voll im Leben“ drückt er genau das aus, was auch Barbara denkt. Dieses Lied ist ein Stück weit zu ihrem Lebensmotto geworden.

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Christian Zierhofer (Stella Musica Tonstudio, Wiener Neustadt) und Andreas Fulterer verband nicht nur eine enge Zusammenarbeit, sondern darüber hinaus auch eine sehr emotionale und auch biographische Ebene. Der gemeinsame Weg – die Zusammenarbeit – begann bereits 1995 als seinerzeit die Plattenfirma Koch International Zierhofer im Auftrag von Toni Kellner nach Gröden/St. Ulrich in Südtirol entsandte für ein Treffen im Studio mit Luis Stuflesser – dem ersten Produzenten Fulterers. Ein erstes Solo Album des damals noch Kastelruther Spatzen Sängers sollte vorbereitet werden. Christian Zierhofer stand seinerzeit vor der großen Frage, sich als Grundschullehrer zu verabschieden und endgültig ins Studio – genauer gesagt ins Musikbusiness – zu wechseln. Was ihm schließlich auch gelang; spätestens als das Duett von Andreas und Petra Frey „Inno d ́amore“ 1997 die ZDF Hitparade gewann und Andreas Fulterer plötzlich auch in aller Munde war. Leider trennten sich dann zunächst die Wege von Christian Zierhofer und Andreas Fulterer, denn dieser wechselte zum Produzenten Joachim Horn Bernges. Die neue Situation stimmte Zierhofer zunächst sehr traurig und es dauerte tatsächlich bis 2011, dass sich die Wege der beiden wieder kreuzten. Fulterer erschien seinerzeit im Studio Zierhofers und man verstand sich auf Anhieb wieder. „Die Arbeit mit ihm schien sogar intensiver und sehr viel relaxter als in den ersten Jahren“, so Zierhofer. „Es schien, als wollte mir Andreas die letzten 5 Jahre viel von dem zurück geben, was zunächst verloren schien“, so der Produzent weiter. Eine erneute Freundschaft entwickelte sich. „Die Aufnahmen der letzten Jahre waren natürlich nach wie vor geprägt von den Ideen Horn Bernges“, gibt Christian Zierhofer an. Dennoch war von da an sein „Feinschliff“ gefragt und gerade das reizte Zierhofer und darüber war er Andreas gegenüber auch sehr dankbar. Viele bemerkens- und nennenswerte Airplay-Platzierungen und Erfolge konnte man in den nächsten Jahren verzeichnen und 2016 dann wurde das Album „Farbenleer“ voller Energie und überaus leicht und locker vollendet. Zierhofer merkt an, dass ihm die Zusammenarbeit eine große Freude bereitete und Andreas viele neue Ideen, Komponisten, Texter/innen und Musiker in die neue Produktion mit eingebracht hat. Das letzte gemeinsame Foto der beiden stammt aus dieser intensiven Zeit. Aufgenommen Mitte März des vergangenen Jahres – inmitten der Studioarbeit – „mitten im Leben“. Wann immer Andreas Fulterer und Christian Zierhofer zusammentrafen, diskutierten die beiden stets auch über die Musikszene und über deren Entwicklung, denn Andreas war überaus interessiert und zudem bis zuletzt sehr offen und experimentierfreudig, was die Zusammenarbeit überaus bereicherte und darüber hinaus auch eine große Freude bereitete. Auch Christian Zierhofer traf es wie ein Blitzschlag, als er von Andreas schwerer Krankheit und der niederschmetternden Diagnose erfuhr. Zierhofer erzählt von seinem letzten Besuch zu Hause bei Andreas und seiner Familie in Seis am Schlern – gemeinsam mit Luis Stuflesser – im September 2016. „Es war kein leichter Moment – dennoch ein sehr wichtiger – als ich mich von Andreas verabschieden musste. Eine wichtige Erfahrung – auch im Nachhinein noch – mit dem unser gemeinsamer Weg endete, den ich stets in fester und guter Erinnerung halten werde“, so Christian Zierhofer.

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Sonja Weissensteiner (TV-Moderatorin) lernte Andreas Fulterer bei einem gemeinsamen Auftritt kennen; seinerzeit war er noch Mitglied der Spatzen und es gehörte ganz einfach zum Programm, dass Andreas irgendwann den Titel „Torneréo“ anstimmte. „Seine markante und doch gefühlvolle Stimme hat mich sofort gepackt und mir war damals schon klar, irgendwann wird Andreas ausbrechen und seinen eigenen Weg gehen“, gibt Sonja Weissensteiner an. Und so kam es dann auch: Mutig und zielstrebiger als manch anderer Künstler ging Fulterer seinen Weg und Sonja Weissensteiner hat ihn dafür sehr bewundert. „Er hat sich von niemandem abbringen lassen und dass ihm der Gegenwind aus den verschiedensten Richtungen entgegen blies, war ihm egal. Andreas wusste, dass er oft aneckte und dass auch nicht jeder mit seiner Art zurechtkam. Aber Andreas stand zu dem, was er war und vor allem auch dafür, was er sein wollte. Er war auch bereit, für seine Ziele zu kämpfen und zudem bereit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das war es, was mich am meisten beeindruckt und fasziniert hat“, so Weissensteiner. „Als er seine eigene Tournee auf die Beine gestellt hat, hat er mir mit Stolz davon berichtet und ich fand es großartig, dass er sich von niemandem abhängig machen wollte. Ich mochte Andreas und wir haben gute Gespräche unter Kollegen – unter Freunden – geführt, die ich vermisse. Er fehlt – als Mensch und Musiker“, gibt Sonja Weissensteiner leise an.

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Auch Franz Griesbacher (Chef der Paldauer) erinnert sich gerne und oft an seinen Freund Andreas Fulterer. „Immer wenn ich an Andreas denke oder von jemandem auf ihn angesprochen werde, läuft in meinem Kopf ein sehr emotionaler Film ab, denn Andreas war mein bester Freund in unserer Branche. Wir waren privat sehr eng befreundet und haben uns bei jeder Gelegenheit getroffen, gut gegessen, ein Glas Rotwein getrunken und offen und ehrlich miteinander gesprochen. Das liebte Andreas und er hat meine Frau und mich seinerzeit in einer sehr schwierigen Situation unterstützt“, sagt Griesbacher. Und weiter: „Andreas war einer der leidenschaftlichsten Künstler unserer Branche, ging unbeirrt seinen eigenen Weg und lies sich auch nicht verbiegen. Das hat mich persönlich unglaublich beeindruckt und ich denke, für einen guten Song oder einen guten Text – von dem er überzeugt war – wäre er zu Fuß von Südtirol nach Berlin zu Joachim Horn Bernges gegangen, um seinen Fans mit einem neuen Titel wieder eine Freude machen zu können. Mehr Leidenschaft geht nicht“. Franz Griesbacher hat Andreas Fulterer wenige Tage vor seinem Tod versprochen, seine Lieder im Paldauer- Programm weiter zu pflegen. „Dieses Versprechen werde ich als sein Freund natürlich immer einlösen, denn ich liebe seine Lieder und möchte selbst einen kleinen Beitrag dazu leisten, sein Lebenswerk weiter zu pflegen“, so Griesbacher weiter. „Ohne Andreas Fulterer ist die Branche um einen leidenschaftlichen Künstler und großherzigen, gradlinigen Menschen ärmer. Leider haben das viele Menschen – speziell in der Schlagerbranche – zu spät bemerkt. Meine Frau und ich haben Andreas sehr ins Herz geschlossen und vermissen unseren aufrichtigen Freund sehr“… Überaus bewegende und ehrliche Worte von Franz Griesbacher.

Uli Lambacher (Redakteur der Zeitschrift „Musikpost“ und Freund) hat Andreas nicht nur als leidenschaftlichen und vor allem ehrgeizigen Musiker in Erinnerung, der für die Freunde und Fans seiner Musik auf der Bühne stets alles gegeben hat. Für Uli Lambacher – der selbst, wie auch Fulterer, im Schlerngebiet zu Hause ist – war Andreas zudem ein guter Freund, ein Kumpel! Lambacher gibt an: „Andreas ist trotz all seiner musikalischen Erfolge stets ein ganz einfacher, gradliniger und vor allem bodenständiger Mensch geblieben, der sich gerne mit den Menschen im Dorf zum Karten spielen getroffen hat. Andreas war einer von uns und ich denke gerne und oft an unsere Begegnungen zurück, wenn wir z. B. bei einem Kaffee/Espresso über seine musikalischen Projekte oder aber einfach über „Gott und die Welt“ geplaudert haben. Die Lieder von Andreas sind ehrlich und echt, wie er es selbst zu Lebzeiten auch war; vollgepackt mit Emotionen und tiefgründiger Leidenschaft. Seine musikalischen Geschichten bleiben und erinnern an einen ganz besonderen Künstler. Dennoch fehlt Andreas – nicht nur mir – als Mensch und vor allem auch als Freund“, so Lambacher.

© Christine Kröning

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Markus Wolfahrt (Ex-Frontmann der Klostertaler) empfindet es als überaus schade, dass er und Andreas nicht wirklich oft die Gelegenheit hatten, sich zu sehen. Wolfahrt sagt: „Ich habe Andreas Fulterer als tollen und emotionalen Musiker kennengelernt, der seinen Zuhörern/seinem Publikum immer etwas zu „sagen“ hatte. Gerade auch seine Songs in italienischer Sprachen haben mich immer wieder begeistert. Unsere Branche hat mit ihm viel zu früh einen großartigen Sänger verloren, der wirklich etwas konnte und der seine Qualitäten in Demut und Liebe zu den Menschen in seiner typischen und sympathischen Zurückhaltung auslebte. Er hat die Menschen / sein Publikum auch ohne künstliche PR-Propaganda erreicht und gerade das spricht auch für seinen wunderbaren Charakter und wird ihn in unseren Herzen weiterleben lassen“.

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Manfred Hohensinner (Geschäftsführer der Firma FRUTURA) gibt an, dass Andreas Fulterer sein Leben nachhaltig verändert hat und dieser neben seinen Geschäftspartnern zudem sein bester Freund war. „Ich habe Andreas zufällig im Jahr 2010 nach einem Konzert persönlich kennengelernt und wir waren uns auf Anhieb sympathisch“, so Hohensinner. Im Laufe des Gespräches entdeckten der Südtiroler und der Steirer Parallelen – auch in der persönlichen Intention; vor allem was das Thema „Umwelt“, sowie die Werte „Menschlichkeit“ und „Fairness“ angeht. Die Chemie stimmte und passte. Beide sind auf kleinen Bergbauernhöfen aufgewachsen und die familiären Verhältnisse waren nicht immer leicht. Andreas Fulterer war so angetan von den Projekten und der Firmenphilosophie der steirischen Thermal-Gemüsewelt, dass er kurzerhand Hohensinner dort besuchte und man die Gespräche im Hinblick auf Umweltthemen aber auch über die Auswirkung des Klimawandels immer mehr vertiefte. Fulterer gewann Einblick in das „Humusprojekt“, welches sich nachhaltig mit der Eindämmung des Klimawandels beschäftigt und beschloss nach vielen intensiven nachfolgenden Gesprächen, sich selbst einzubringen. Der Fulterer Titel „Die Welt ist aus Glas“ entstand, sozusagen als Soundtrack zum Humusprojekt. Zudem produzierte man eine DVD mit weiteren Informationen und einem anspruchsvollen und aussagekräftigen Video zum Titel. Dieses Projekt wurde zur persönlichen Herzensangelegenheit Fulterers und bei jedem seiner Konzerte präsentierte er auch diesen Titel und das Video. Hohensinner erinnert sich an Andreas und beschreibt ihn als Lebensfreund. Eine Freundschaft, die ihn neue Wege auch für die Zukunft erkennen ließ. Manfred Hohensinner erzählt mit Tränen in den Augen von seiner letzten Begegnung mit Andreas: „Ich durfte Abschied nehmen an seinem Sterbebett. Dieser Moment, diese Umarmung, diese unwahrscheinliche Herzlichkeit und vor allem diese ehrlich extrem tiefe Freundschaft hat mein Leben nachhaltig verändert. Mit den Worten: „Manfred, bitte geh diesen irdischen Weg so weiter, wie du ihn bis jetzt gelebt hast. Ich werde dich auf allen Wegen weiter begleiten und beschützen“, hat sich Andreas von mir verabschiedet“.

Und auch Paul Breuer, Andreas Radio-Promoter hatte sogleich nach dem ersten erneuten Kontakt im Jahr 2014 – Anmerkung der Redaktion: Breuer und Fulterer kannten sich und hatten sich sozusagen etwas „aus den Augen verloren“ – wieder einen überaus guten Draht zu Andreas. Ein befreundeter Musikredakteur hatte Andreas Fulterer Paul Breuer für die Radiopromotion in Deutschland empfohlen. Andreas war seinerzeit gerade unterwegs und am Tag vor einem Interviewtermin beim Belgischen Rundfunk verabredeten Fulterer und Breuer sich in der Nähe zum Abendessen. Schnell war man sich wieder vertraut und Andreas erzählte Paul von seinen aktuellen Plänen. Beide stellten fest, dass man sich auf einer Wellenlänge befand – dass beider Ideen quasi identisch waren und einer Zusammenarbeit stand absolut nichts im Wege. Im Laufe dieser entstand zudem eine Vision, die Paul Breuer bis zum heutigen Tage nicht los lässt. An diesem Abend und auch später sprachen die beiden immer wieder über ein Projekt, welches Andreas Fulterer sehr am Herzen lag und auch Paul Breuer sogleich berührte und zudem überzeugte: „Das Humusprojekt“. Andreas unterstützte das Projekt von Manfred Hohensinner – wie bereits im vorherigen Abschnitt aufgeführt – u. a. mit dem Lied „Die Welt ist aus Glas“, inklusive einem sehr eindrucksvollen Video. Paul Breuer erzählt: „Diese Botschaft hat mich sofort elektrisiert und Andreas und ich besprachen, dass wir in der nächsten Zeit gemeinsam eine Radio-Kampagne durchführen wollten. Es sollte Ende 2015 eine Senderreise nur zu diesem Projekt geben und wir hatten das Konzept bis auf einen Termin bereits akribisch durchgeplant. Doch dann kam alles ganz anders. Der unglaubliche Flüchtlingsstrom kam aus den schlimmen Krisengebieten nach Deutschland und dieses Thema beherrschte die Medien über lange Zeit. Andreas und ich waren uns einig, dass das Humusprojekt dabei vollkommen untergehen würde und wir vereinbarten, das Vorhaben zu verschieben, bis sich die medialen Wogen zum Thema Flüchtlinge beruhigt hätten. Alles danach Kommende ist traurige Geschichte. Unser Vorhaben konnte nicht mehr realisiert werden. Zu gerne würde ich auch jetzt noch, etwas für dieses Projekt tun, welches Andreas so sehr am Herzen lag. Ich glaube weiter daran“.

© SWR4

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Kay Schmitt (Musikredakteur SWR 4 Rheinland-Pfalz) weiß zu berichten:

Andreas Fulterer war in regelmäßigen Abständen zu Besuch in Mainz bei SWR4 Rheinland- Pfalz. Wenn er ein neues Album veröffentlicht hatte, kam er zum Interview ins Sendestudio. Oder er schaute vorbei, wenn er einen Auftritt in der Nähe hatte. In Rheinland-Pfalz hat er zahlreiche Fans und hier hat er auch immer wieder gerne Konzerte gegeben. Es war beeindruckend, mit wie viel Energie, Kreativität und Leidenschaft er seine künstlerischen Ziele verfolgte. Andreas Fulterer war vielseitig interessiert, aber wenn es um Musik ging, da wurde er enthusiastisch. Man konnte sich wunderbar mit ihm unterhalten. Über Musik stundenlang. Und über seine geliebte Heimat Südtirol. Diese Herkunft ermöglichte es ihm auch, dass er spielend leicht sowohl deutschen Schlager als auch italienische Lieder interpretieren konnte. Andreas Fulterer brannte für die Musik, das machte ihn so überzeugend und authentisch. Bei SWR4 bleibt er unvergessen.

Schlager.de – allen voran meine Person – bedankt sich bei allen Weggefährten von Andreas Fulterer, die zum Entstehen dieses Artikels beigetragen haben. Schön, dass Ihr mir Eure ganz persönliche Geschichte mit Andreas oder Eure Erinnerungen an ihn erzählt oder aufgeschrieben habt. Danke auch für die gemeinsamen Fotos, die auf Eurem gemeinsamen Weg mit Andreas Fulterer entstanden sind und die Ihr mir zur Veröffentlichung überlassen habt. Ein besonderes Dankeschön an dieser Stelle vor allem auch an die Familie von Andreas für die persönlichen Bilder aus dem privaten Fotoalbum.

Es war mir eine große Freude und zudem eine Ehre, diese Erzählungen „zu Papier“ zu bringen. Ich selbst habe Andreas, seine Musik und vor allem seine menschliche und bodenständige Art überaus geschätzt .Andreas war zudem ein guter Freund. Auch ich vermisse ihn und vor allem auch die guten Gespräche mit ihm. Er war nicht nur ein Ausnahmekünstler, sondern vor allem ein ganz besonnener und besonderer Mensch. Wenn wir mal wieder „über die Branche“ diskutierten und philosophierten, brach es gerne auch schon mal aus ihm heraus: „Ja spinn i“, sagte Andreas dann. Wenn er etwas erklärte, dann begann er oftmals mit den Worten „Du musst wissen…“. Ja – Andreas wusste immer was er wollte und vor allem auch, was er nicht wollte. Dennoch wäre er nie mit „dem Strom“ der anderen geschwommen und nie wollte er sich verbiegen lassen. Nichts lag im ferner, als sich vorschreiben zu lassen, was er singen sollte. Er nahm nur die Titel auf, mit denen er selbst sich auch identifizieren konnte. Und so trägt jedes seiner Alben auch ein Stück weit seine persönliche Note – seine Handschrift. Und jedes Live-Konzert – zusammen mit seiner Band, auf die er so unendlich stolz war – war zudem ein Stück von ihm; ein Teil seines Weges… Sein Lebenswerk, wie er es im vergangenen Jahr – in seiner Krankheit – selbst beschrieben hat.

Lieber Andreas, wir alle haben dich gerne ein Stück deines Weges begleitet und werden versuchen, dir ein ehrwürdiges Andenken zu bewahren. Wir vergessen dich nicht und sagen Ciao und Arrivederci!

Andrea Ney

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