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Thomas Anders: “Das Geheimnis von Modern Talking? Die schweinekommerziellen Melodien!”

Thomas Anders: “Das Geheimnis von Modern Talking? Die schweinekommerziellen Melodien!” © Frank Weichert/Schlager.de

Sein Lebensweg hat ihm immer wieder neue Türen geöffnet und Fährten gewiesen, die er aufgeschlossen beschritt, weil er wusste, dass Erfahrungen gesammelt werden wollen, bevor Lebenserfahrungen in Songs fließen können.  „Ich möchte Menschen umarmen, mitnehmen, mitreißen und ihnen mit meiner Musik eine gute Zeit bieten“, sagt Thomas Anders. Damit bringt er auf den Punkt, worum es auf seinem neuen deutschsprachigen Album „Ewig mit Dir“, welches am 19. Oktober 2018 auf den Markt kommt, geht. Das Album ist von einer Botschaft geprägt, die gleichzeitig eine von Thomas Anders gelebte Gewissheit ist: Alles ist möglich, Träume können wahr werden, wenn man auf sein Herz hört. Thomas Anders hat 14 brandneue Titel für „Ewig mit Dir“ gebündelt, die tanzen und ganz tief fühlen lassen.

 

Schlager.de hat den Sänger zu einem Interview in Berlin getroffen, wo er uns so einiges über sein Leben und seinen Erfolg verraten hat.

Schlager.de: Man sagt, dass etwa 98 Prozent der Deutschen Heino kennen. Wenn wir jetzt hier nach draußen auf die Straße gehen und Passanten fragen würden, wer Thomas Anders ist, würden wahrscheinlich viele sagen: Das ist doch der dunkelhaarige Typ von damals, der mit Dieter Bohlen als Modern Talking unterwegs war. Wie beschreibt sich Thomas Anders selbst?

Thomas Anders: (kurze Stille im Raum) Keine Ahnung. Ich wüsste gar nicht, wie ich mich beschreiben soll. Ich bin einfach Thomas Anders. Ich glaube, jeder hat seine eigene Wahrnehmung über mich. Dazu fällt mir eine Sache ein, die mir letztens erst passiert ist. Ich hatte mein Portemonnaie verloren und musste dann Kreditkarten und alles sperren lassen. Also rief ich an und sagte: „Hier ist Thomas Anders, ich muss meine Karten sperren lassen…“ Der Mensch am anderen Ende: „Ach, Thomas Anders. Dann heißen Sie ja so, wie der Sänger.“ Ich sagte: „Ja ja…“ Ich wollte jetzt auch nichts weiter dazu sagen, weil ich in dem Moment echt schlecht drauf war. Das war nicht „Der beste Tag meines Lebens“. Was ich damit sagen will: Viele Menschen, die den Namen gehört haben, haben irgendein Bild vor Augen. Jeder kann irgendeine Geschichte über mich erzählen oder glaubt es zumindest, erzählen zu können. Und wenn er mich nicht getroffen hat, garantiert hat wahrscheinlich von seiner Cousine die Putzfrau mich irgendwann einmal gesehen. Für mich ist es total faszinierend, was die Menschen glauben, von mir zu kennen und zu wissen. Ich hatte einen Fall, da kam ein Mann zu mir. Er sagte, er wäre immer noch so glücklich, weil er meinen Porsche abgekauft hat. Er würde den schon seit Jahren fahren und er würde noch immer super laufen. Ich habe nie Porsche gefahren! Und ich hab dem Mann nie einen Porsche verkauft! Ich hab ihn aber in dem Glauben gelassen, weil ich sonst wohl noch heute diskutiert hätte. Jeder sieht mich irgendwie anders. Und das meine ich damit, dass es mir selbst schwer fällt, mich zu beschreiben. Ich bin einfach nur ich!

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Auf deinem neuen Album „Ewig mit dir“ geht’s ja um das Leben und die Menschlichkeit. Was bedeutet für dich Mensch zu sein?

Es ist ganz wichtig, Mensch zu sein. Ein Mensch soll Respekt haben – anderen Menschen gegenüber und auch gegenüber sich selbst. Empathie ist ganz wichtig, finde ich. Mensch sein ist für mich etwas Großartiges. Ich möchte versuchen, ein für mich tolles Leben zu führen, das machen, was mir Spaß macht und so wenig wie möglich anderen Menschen etwas zu nehmen, sondern etwas zu geben. Das ist einfach das Wichtigste und meine Definition dafür.

Bleiben wir beim Thema Mensch. Was würdest du jungen Menschen heutzutage mit auf den Weg geben, die ihren großen Traum, sei es die Musik oder andere Ziele, noch im Kopf haben?

Man muss definitiv an seinen Traum glauben, dafür brennen und leidensfähig sein. Niederlagen sind viel sicherer als Erfolge. Aber trotzdem steht jungen Menschen die Welt so offen. Ich finde, junge Menschen sollten sich ausprobieren. Das ist ja das unheimlich Schöne in der Jugend. Bis zu einem gewissen Alter, bei mir war das so bis 30, entdeckt man immer wieder neue Sachen – auch heute erlebt man noch Neues, aber eben nicht mehr sooft. Das Ausprobieren können finde ich so spannend. Und das auch bewusst zu genießen. Auch wenn Fehler da sind. Wir lernen leider ja nur durch Fehler und nicht durch Glück. Und wenn sie einen Traum haben, sollten sie wirklich alles dafür geben, dass der Traum in Erfüllung geht. Weil, es kommt irgendwann die Zeit, dann ist es zu spät. Dann hat man nicht mehr die Kraft und ist vielleicht in solchen gesellschaftlichen Verpflichtungen drin, dass man einfach nicht mehr die Möglichkeit hat, seinen Traum auszuleben.

Ein Titel auf deinem neuen Album heißt ja „Wunder gibt es auch für dich“. Wir finden, das ist eine schöne und einfühlsame Ballade. Glaubst du an Wunder?

Wunder haben wir jeden Tag. Wir müssen nur die Augen aufmachen. Wunder ist kitschig. Wunder ist, dass die Sonne aufgeht und dass sie untergeht. Das größte Wunder sind Kinder. Das ist etwas, was unglaublich ist. Für mich ist Wunder, wenn jedes Jahr im Frühjahr aus unserer trostlosen und grauen Natur vom Winter plötzlich innerhalb von zwei Wochen alles explodiert. Das ist für mich alles Wunder und einfach immer wieder bewegend zu erleben. Der Song „Wunder gibt es auch für dich“ impliziert ja nur, dass man manchmal Tage hat, wo man einfach mit dem Kopf gegen die Wand laufen möchte, weil überhaupt nichts rund läuft. Ich habe oft erlebt, dass ich in Momenten der größten Traurigkeit nicht verstanden habe, warum das und das jetzt passiert ist. Irgendwann, ein Monat oder halbes Jahr später, erschließt sich mir plötzlich, warum es so gekommen ist, weil dadurch wieder etwas Neues entstehen konnte. Und das ist dann wiederum, kann man sagen, Wunder oder wunderbar.

Ein weiterer gefühlvoller Titel aus deinem neuen Album ist ja „Hätt’s nie ohne dich geschafft“, der die Verbindung zwischen zwei Menschen beschreibt. Wie wichtig ist dir der Halt in einer Beziehung?

Ganz wichtig! Wenn man einen Menschen gefunden hat, mit dem man sich austauschen kann, dem man vertraut und wo man sich geborgen fühlt, dann ist das doch eigentlich das Optimum einer Partnerschaft. Ich glaube, wenn Partnerschaften auseinandergehen, dann ist es nicht der Verlust der Liebe, der einen traurig macht, sondern dass man den Halt und den Glauben, den man in den Anderen gesteckt hat, plötzlich relativieren muss. Es zählt nicht mehr. Das ist ja eine Fülle von Verlusten. Ich glaube, wenn eine Partnerschaft auseinandergeht, war schon der erste Schritt dieses „Entlieben“, was man dann oft nicht mitbekommt oder die Zeichen nicht erkennt. Und wenn das passiert ist bei Beiden oder bei Einem und wir dann der Realität ins Auge sehen müssen, dass wir uns jetzt trennen, dann ist ja das alles, was man an dem Anderen wertschätzte, weg. Und sich dann neu zu finden ist ein schmerzhafter Weg. Aber die Natur hat´s ja so eingerichtet, dass wir uns im solch traurigen Fall nochmal verlieben können.

Thomas Anders bezeichnet man offiziell als „Gentleman of music“. Was macht für dich einen wahren Gentleman aus?

Mit Sicherheit die Ausstrahlung und definitiv auch die Umgangsformen. Aber da sind wir auch schon wieder beim Anfang. Alles, was mit Respekt zu tun hat. So, wie ich gerne behandelt werden möchte, würde ich auch mein Gegenüber behandeln. Ich glaube, das macht es aus.

Thomas Anders mit Schlager.de-Redakteur Marcel Stephan

Thomas Anders mit Schlager.de-Redakteur Marcel Stephan

Ich muss jetzt nicht mit Einstecktuch und Krawatte durchs Leben gehen. Das ist nicht Gentleman. Das sind Äußerlichkeiten. Man muss von innen heraus respektvoll sein mit anderen Menschen und die Form einfach innehalten. Das kann auch sein, was ich als „alte Schule“ auch immer gut finde, einer Dame in den Mantel zu helfen oder die Autotür aufzumachen. Es muss halt auch zur Situation passen. Also wenn ich jetzt mit meiner Frau einkaufen fahre und ich halte ihr die Autotür auf, dann fragt die mich, ob „ich noch alle hätte“. Aber wenn ich mit ihr zum Abendessen gehe oder irgendwie zum Theaterbesuch, dann passt das und ist in dieser Situation angemessen. Wenn meine Frau die Haustür reinkommt, renne ich auch nicht hin und hole ihren Mantel ab. Aber wenn ich in einem Lokal bin, dann helfe ich ihr in den Mantel. Das sind alles kleine Bausteine für einen Gentleman. Wobei ich sagen muss, Gentleman ist jetzt nicht das, was jeder anstreben muss. Aber das ist nun mal eine Bezeichnung (und kommt übrigens nicht von mir). Also ich hab´s nicht erfunden.

Nach deiner Zeit mit Modern Talking bist du ja nicht stehengeblieben. Du hast dich weiterentwickelt, bist mit dem Zahn der Zeit gegangen und in Kürze erscheint ja auch dein zweites Album. Wie würdest du deine Erfahrung mit den deutschen Texten beschreiben? Ist es anders?

Ja, es ist ganz anders zu sehen, weil sich die Stimme ganz anders anhört. In jeder Sprache hört sich die Stimme anders an. Würde ich jetzt auf Französisch singen, hätte die Stimme auch wieder einen anderen Klang. Das war für mich schon bei meinem ersten deutschen Album „Pures Leben“ ein Draufhinarbeiten, auch welche Arten von Songs ich machen will. Gehe ich jetzt mehr „Singer/Songwriter“ oder „Ich-mach-mich-auf-jugendlich-Schiene“ oder mach ich jetzt einfach so Popschlager. Der Knoten ging für meinen Produzenten Christian Geller und mich bei „Der beste Tag meines Lebens“ auf. Ich fühle mich damit wohl. Ich sehe mich darin wieder. Und da fingen wir an, Songs in diesem Genre, um diesen Song herum, zu suchen. Deshalb hat das erste Album „Pures  Leben“ auch viel länger in der Umsetzung gedauert, als „Ewig mit Dir“.

Du hast ja kürzlich deine USA-Tour beendet und dort die Menschen begeistert wie eigentlich überall auf der Welt. Wie erklärst du dir dieses unglaubliche Modern Talking-Phänomen?

Ich weiß es nicht. Irgendwie muss an der Musik ja etwas dran sein. Wir müssen ja den Geschmack der Menschen getroffen haben. Wenn ich es jetzt analysieren müsste, dann würde ich sagen, es sind einfach schweinekommerzielle Melodien, die fast Kinderlieder sein könnten, die aber genau im Zeitgeist produziert wurden. Und da kommen wir sowieso zu einem Phänomen, dass ganz viele große Hits einfach ganz einfache Melodien haben. Nur die Produktion ist im Grunde genommen perfekt dafür gemacht. Ich habe meinen Sohn damals mal aus dem Kindergarten abgeholt, das ist schon viele Jahre her, und habe gehört, wie da ein paar 4-jährige Mädchen „Cheri Cheri Lady“ gesungen haben. Das ist eben so einfach gehalten. Nur die Produktion ist eben das, was es so bekannt macht. Deshalb funktionierte unsere Musik auch in ganz verschiedenen Kulturkreisen und auf verschiedenen Kontinenten. Obwohl es sehr schwer ist, so einfach zu schreiben.  Und dann in Kombination mit genau darauf ausgerichteten Texten; das hat Dieter Bohlen super verstanden. Egal, in welchem Land ich bin und  Cheri, Cheri Lady, Brother Louie oder auch Geronimo´s Cadillac spiele. Das sind alles so Schlagworte, die ich auch als nicht Englisch sprechende Person sofort drin hab.

Bitte vervollständige zum Schluss unseres Interviews den folgenden Satz: „Wenn ich Dieter Bohlen heute über den Weg laufe, würde ich…

…sagen: „Hey, alles gut?! Lange nicht gesehen. Ich hoffe, bei dir läuft’s genauso gut wie bei mir.

Schlager.de bedankt sich für das sympathische Interview und wünscht Thomas Anders viel Erfolg mit seinem neuen Album.

 

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