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Schlager & Mode: (Rück-)Blick auf eine Liebesgeschichte

Schlager & Mode: (Rück-)Blick auf eine Liebesgeschichte © Alex Møller Hansen / Tyskschlager.dk

Sie sind die Ikonen ihrer Fans und haben daher weit mehr als „nur“ musikalischen Einfluss: Die Schlagerstars sind für viele ihrer begeisterten Hörer auch auf anderen Ebenen ein Vorbild. Das gilt etwa für die Mode. Seit jeher hat der Schlager seinen eigenen Look, welcher sich aber natürlich über die Jahrzehnte verändert hat. Mittlerweile legen die weiblichen, zunehmend aber auch männlichen, Stars immer mehr Wert auf ihr Styling – sei es privat oder bei der Inszenierung auf der Bühne. Jeder hat dabei seinen eigenen Stil und so lässt sich auch an der Kleidung der Fans manchmal direkt erkennen, welchem Vorbild sie nacheifern. Der Blick auf den Schlager und seine Mode ist daher ein spannender, sowohl in der Vergangenheit als auch aktuell.

 

Die Schlagermusik in ihren Anfängen

Diese Liebesgeschichte beginnt in den 20er Jahren, als der Schlager als eigene Musikrichtung aufgelebt ist. Erfunden wurde dieser zwar bereits um die Jahrhundertwende in Wien, war dann aber erst einmal nur in den Operetten zu finden. Dort reifte zunehmend die Erkenntnis, man könne die Musik in Form von Notenblättern und zugehörigem Text vervielfältigen und somit zu einem marktfähigen Produkt machen – auf gut Deutsch zu einem „Verkaufsschlager“.

Was also den frühen Schlager neben der deutschen Sprache von anderen Musikrichtungen unterschieden hat, war dessen Auslegung als Verkaufsprodukt. Zuerst bestand dieses Produkt eben aus Notenblättern und Texten, später aber zunehmend aus Schallplatten in Serienfertigung.

Dieser erste Aufschwung fand rund 20 Jahre später statt. Denn in den 1920er Jahren gab es zur Musik auch die ersten Tonfilme und spätestens dadurch wurden die Interpreten bekannt sowie zu gefeierten Stars.

Beginn einer Liebesgeschichte mit der Mode

Zu jener Zeit beginnt also auch die Geschichte der Schlagermode, denn sobald die Interpreten als Stars in der Öffentlichkeit standen, haben sich auch die Fans zunehmend an ihrem Stil orientiert. Geprägt wurde die Mode damals also durch Namen wie Ruth Arden, Claire Waldoff, Sina Lenora und natürlich Marlene Dietrich.

Diese „Goldenen Zwanziger“ waren eine extravagante Epoche, wenn es um die Mode geht. Nach den Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges wollten die Menschen das Leben in vollen Zügen genießen – was sich auch in ihrem Kleidungsstil äußerte. Die Frauen hatten einen ersten Emanzipationsschub durchlebt, während sie in Kriegszeiten auf sich alleine gestellt waren und meist zum ersten Mal eigenes Geld verdienen mussten.

Dieses neue Lebensgefühl wollten sie sich nicht nehmen lassen und nahmen daher auch modisch kein Blatt mehr vor den Mund. Frau entledigte sich des Korsetts, schnitt ihre Haare ab und zeigte ihre Knie. All das hätte nur wenige Jahre vorher als Skandal gegolten. In den 20er Jahren wurde auch der Bob erfunden, welcher bis heute immer wieder als Trendfrisur auflebt, und das Make-up wurde leicht verrucht getragen.

In den 30er Jahren prägt Schlager das Frauenbild

Vollendet wurde die modische Wandlung der Frau schließlich in den 30er Jahren. Marlene Dietrich war damals nicht nur eine gefeierte Sängerin, sondern machte als Stilikone auch den Hosenanzug salonfähig. Die Klamotten für junge Frauen, welche bis dahin nur aus unbequemen Korsetts, langen Röcken und biederen Kleidern bestand, wurden also zunehmend androgyn.

Um besser zur Musik tanzen zu können, entschieden sich viele der Damen für bequeme Kleidung mit sexy Touch. In dieser Zeit wurden auch die Lingerie sowie Sportswear geboren. Das macht deutlich, wie groß der Einfluss damaliger Schlagerikonen war: Trägt die richtige Frau plötzlich Hosenanzug, kann dies das Selbstverständnis einer ganzen Generation verändern. Mit dem Zweiten Weltkrieg hat dieser Umbruch aber vorerst ein jähes Ende gefunden und ebenso die Schlagermusik.

Das Comeback der Schlagermusik und -mode

Bis sich die Gesellschaft von diesem Trauma erholt hatte und auch die Schlagermusik wieder für sich entdeckte, dauerte es bis in die 60er Jahre. Dann aber ging die Emanzipation der Frau endlich weiter, und zwar schneller als jemals zuvor.

Die „Neue Deutsche Welle“ brachte wieder frischen Schwung in den Schlager und auch in dessen Mode. Zeitgleich erfreute sich aber auch US-amerikanische Musik steigender Beliebtheit und die Hippie-Bewegung wurde geboren. Anhand der Mode ließ sich damals also meist auf den ersten Blick erkennen, welcher Fangruppierung die jeweilige Frau angehörte.

Wer sich dem Schlager verschrieben hatte, der trug damals vor allem auffällige Toupage-Frisuren und ebenso extravagante Kleidung: Sie war bunt, schrill, gemustert und erneut androgyn. Nach zwei Jahrzehnten mit biederen Klamotten und dem immer gleichen Blümchenmuster, fand die neue Generation der jungen Frauen also zurück zu jener Bewegung, die ihre Eltern einst begonnen hatten.

In den 60ern ging es modisch aber noch wilder zu als einst in den 20ern und 30ern. Stars wie die Schlagersängerin Alexandra setzten weniger auf Schmuck, dafür eher auf puristische Kleider und Hosenanzüge sowie gemusterte Blusen. Mit dem androgynen Stil kamen auch der Bob und andere Kurzhaarschnitte zurück – im Gegensatz zu den Hippies, wo Frau und Mann eine lange Mähne trugen. Und nicht fehlen durften bei der Schlagermode natürlich die sexy Boots sowie Stiefeletten, welche bevorzugt in Weiß oder schrillen Farben getragen wurden.

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