Im InterviewPeggy March: „Immer wieder musste ich weinen“

Peggy March: „Immer wieder musste ich weinen“ © Anne Huneck
Katrin Voigt
Redaktionsleitung

„Danke, dass ich hier sein darf.“ – Mit diesen Worten betritt Peggy March die Schlager.de-Redaktion. Bescheidenheit, die man von einem waschechten Weltstar nicht erwartet hätte. Sie ist offen, herzlich, ehrlich und sie ist mit sich im Reinen. Das merkt man sofort, wenn man sie kennenlernt. Sie war gerade mal 15 Jahre alt, als sie 1963 zum Weltstar wurde. Heute, 55 Jahre später, ist sie auch aus der deutschen Musikbranche nicht mehr wegzudenken. Im Interview erzählt uns Peggy, die wir sofort duzen durften, wie es damals war, plötzlich über Nacht ein Star zu sein, was sie immer wieder zum Weinen bringt und welches Verhältnis sie zu Mary Roos hat.

 

Du hattest mit gerade mal 15 Jahren plötzlich einen Welthit. Weißt Du noch, wo Du damals warst und vor allem, wie es damals war, als Du erfahren hast, dass Du ab sofort ein Superstar bist?

„Ja, ich habe damals allein in der Küche meiner Mutter gestanden. Ich war mit dem Abwasch dran. Und währenddessen habe ich Radio gehört. Ich war drei Wochen lang mit ‚I will follow him‘ auf Platz zwei der Charts und als ich an diesem einen Tag hörte, dass sie Platz zwei ansagten und nicht mein Name fiel, war ich enttäuscht. Aber dann sagten sie plötzlich den ersten Platz an und sie sagten dabei meinen Namen! Ich stand in der Mitte der Küche und starrte das Radio an. Die Zeit blieb stehen, das werde ich nie vergessen! Und danach hörte das Telefon nicht auf zu läuten.“

Du bist ja damals noch zur Schule gegangen: Wie haben denn Deine Mitschüler auf den Erfolg reagiert?

„Naja, meine Freunde wussten ja, dass ich immer gesungen habe. Für die war das alles keine Überraschung, ich war ja eh am Wochenende immer unterwegs und habe gesungen. Ausgehen mit Jungs hätte bestimmt Spaß gemacht, aber mir war die Musik wichtiger. Später habe ich erfahren, dass die Jungs Angst hatten, mit mir auszugehen.“

Das heißt, Du hattest in Deiner Jugend keine Rendezvous?

Das heißt, Du hattest in Deiner Jugend keine Rendezvous?

„Nein. Ich hatte mal einen Freund. Er hat mich damals einmal in der Woche abgeholt und wir gingen zu Partys oder ins Kino. Er hat mich verstanden. Denn er wollte Schauspieler werden. Zwei Jahre später ging ich nach New York und beendete das. Das war hart, denn er war ein wahnsinnig lieber und netter Kerl. Seitdem habe ich leider auch nicht mehr mit ihm gesprochen.“

Das alles ist jetzt über 55 Jahre her. Würdest Du alles nochmal genauso machen?

„Keine Ahnung, ich hatte auch keine Wahl. Man hat mir immer gesagt, was ich machen und tun soll. Und ich wollte das so! Ich hatte viel Glück, dass ich das alles erleben durfte und dass ich so jung war, war Zufall. Meine Eltern haben alles erlaubt und so ging ich eben nach Japan, Italien, Deutschland, Südamerika… das war toll!“

Was würdest Du denn heute jungen Künstlern raten, um auch so erfolgreich zu werden wie Du?

„Das Wichtigste ist, nicht aufzugeben! Ich hatte das Glück, und das war reiner Zufall, sofort einen solchen Erfolg zu haben. Manche müssen so lange und hart dafür arbeiten. Aber wenn man an sich glaubt und sich nicht von anderen beirren lässt, kann man es schaffen. Auf keinen Fall sollte man aufgeben, sobald jemand sagt, dass man schlecht ist oder kein Talent hat. Das Schwerste ist, dabei zu bleiben.“

Was hältst Du denn von den ganzen Castingshows, die es heute so gibt?

Was hältst Du denn von den ganzen Castingshows, die es heute so gibt?

„Furchtbar! Ich habe als Kind mehrere Wettbewerbe mitgesungen, ich habe auch zu 95% gewonnen. Aber was jetzt passiert, ist schlimm. Ich hasse es, wenn jemand von Menschen verurteilt wird, der gar nicht aus dem Geschäft kommt. Wenn Schauspieler oder solche Menschen in solchen Shows sind, die keine Ahnung von Musik haben und sich nicht auskennen. Und dann diese schlimmen Dinge, die dann gesagt werden, die wirklich gemein sind. Wirklich furchtbar! Das tut man niemandem an.“

Das neue Album heißt „Man ist nie zu alt für Träume“ – ist das Deine Lebensmotto?

„Ich hätte es nie gedacht, aber es ist zu meinem Lebensmotto geworden, ja!“

Wovon träumst Du denn noch so? Was kann denn da noch kommen?

„Träume sind immer da und wenn man aufhört zu träumen, gibt es auch keine Hoffnung mehr. Ich liebe meinen Job! Egal, wie schwer es ist – und das ist es auch manchmal – ich mag den Job wirklich! Und deshalb möchte ich weitermachen. Ich bin dankbar, dass es mir gut geht. Und das neue Album war eine Herzensangelegenheit. Ich wollte nicht einfach irgendwelche Lieder machen. Es war mir wichtig, dass das Album von Herzen kommt, denn eigentlich muss ich das nicht mehr machen. Ich habe allerdings einen hohen Anspruch an mich selbst. Ich bin pingelig und ein Perfektionist. Und genau weil ich so bin, sollte das Album auch sehr gut werden. Und das ist es!“

Warum ist dieses Album dein Emotionalstes bisher?

„Es ist sehr persönlich. Ich wollte keine normalen Texte, in denen es um Männer und Frauen geht. Ich habe meinen Mann vor sechs Jahren verloren. Und es muss nicht immer über die Liebe gesungen werden. Andere Themen sind auch wichtig. Außerdem ist ein Lied dabei von Jonathan Zelter, ein junger Künstler, der mich sehr beeindruckt hat. Er schrieb mir dieses Lied und ich musste weinen. Immer wieder musste ich weinen – bei den Proben zu Hause, im Studio, das Lied ist wunderschön und berührt mich immer wieder.“

Du lebst in Fort Lauderdale (Florida/USA), aber bist dort aus Deinem geliebten Haus ausgezogen. Wieso?

Du lebst in Fort Lauderdale (Florida/USA), aber bist dort aus Deinem geliebten Haus ausgezogen. Wieso?

„Wir haben das Haus in den Siebziger Jahren gekauft, haben allerdings nie dort richtig gewohnt. Wir waren ja immer unterwegs. Und als mein Mann dann starb, war es mir allein zu groß. Das Ausziehen hat übrigens drei Jahre gedauert. Drei Jahre! Weil ich soviel Zeug hatte! Zwei Etagen voller Sachen! Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis ich alles gepackt habe. Und in ein kleines Haus hätte nicht alles gepasst. Also habe ich sehr viel weggegeben.“

Gibt es auch mal Tage, an denen eine Peggy March in Trainingshose auf der Couch chillt?

„Ja klar, sehr oft sogar! Ich habe sogar mehrere Trainingshosen. Ich gehe an freien Tagen zum Beispiel ins Fitnessstudio, aber ich mag das nicht so sehr, das stresst mich. Aber ich muss! Ein schöner Tag ist für mich, keine Verantwortung zu haben. Dann schaue ich einen Film, den ich schon immer sehen wollte. Obwohl dann meist auch immer das Telefon klingelt. Oder ich muss noch Wäsche machen. Furchtbar. Viel lieber bin ich irgendwo anders und habe dort einen freien Tag, da kann ich besser abschalten. Zu Hause hat man immer zu tun.“

Hast Du denn irgendwelche Hobbies?

„Ja, ich male! Aber weil ich eben ein Perfektionist bin, stresst mich das auch. Es muss perfekt sein und schon ist es keine Entspannung mehr. Aber an einem freien Tag gehe ich auch gern mal einkaufen. Shoppen, das mag ich! Manchmal gehe ich vier Stunden lang in ein Einkaufszentrum und kaufe nichts. Nur allein das Bummeln macht mir Spaß. Das liebe ich. Das habe ich früher auch immer gern mit meiner Mutter gemacht.“

Wenn man ein so großer Star ist, gibt es denn da überhaupt noch Menschen, die Dich besonders beeindrucken?

„Ja! Menschen, die gut in ihrem Job sind, beeindrucken mich immer wieder. Egal, was für ein Job das ist: Menschen, die an ihren Job glauben und die ihren Job lieben, die finde ich toll!“

Deine Tochter ist mittlerweile 45 Jahre alt. Ihre Eltern waren sehr erfolgreich im Musikgeschäft. Hatte sie keine Ambitionen, auch Musik zu machen?

„Gesanglich nicht. Dabei kann sie sogar singen. Sie klingt ein wenig wie ich. Wir haben auch mal eine Platte zusammen gemacht und viele konnten uns nicht auseinanderhalten. Allerdings wollte sie Schauspielerin werden. Das hat sie auch eine Weile in Los Angeles gemacht, doch sie war nicht glücklich damit. Und so hat sie damit wieder aufgehört und ist heute Krankenschwester für Tiere.“

Als die Anfrage für das Tournee-Programm „Schlager-Legenden“ kam, haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Als die Anfrage für das Tournee-Programm „Schlager-Legenden“ kam, haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

„Als ich die Anfrage bekam, habe ich damals sofort zugesagt. Es war mir egal, ob ich dafür Geld bekomme. Ich war sofort begeistert. Aber dass wir das machen dürfen, ist toll. Schließlich sind wir alle alt. (lacht) Aber es war klar, dass wir eine riesen Spaß dabei haben werden und dass das gut ankommt. Es gibt da keine Konkurrenz mehr, wir dürfen auf der Bühne machen, was wir wollen und so sein, wie wir sind. Es ist wie eine Klassenfahrt, wir unterhalten uns auch untereinander nicht über die Musik. Da geht es um Kinder, Enkel, um Häuser, private Dinge eben. Das macht Spaß!“

Es ist allgemein bekannt, dass Dich eine enge Freundschaft mit Mary Roos verbindet. Wie muss man sich das vorstellen? Mary & Peggy beim gemeinsamen Shopping, Kaffeeklatsch oder wie?

„Ja genau! Wir sind wie zwei Weiber, die sich seit der Schulzeit kennen. In den Siebzigern haben wir uns bei einer Show kennengelernt und sofort fabelhaft verstanden. Sie war sogar die erste Deutsche, der ich damals erzählt habe, dass ich schwanger war. Das findet sie bis heute toll. Und wenn ich in Hamburg bin und sie da ist, wohne ich auch bei ihr. Wir tratschen, gehen shoppen und lachen viel. Das ist schön! Ich liebe ihre Musikalität und ihre Ehrlichkeit.“

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