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Howard Carpendale: “Ich schaue immer noch hübschen Frauen hinterher”

Howard Carpendale: “Ich schaue immer noch hübschen Frauen hinterher” © Christine Kröning

Es ist Donnerstagabend, kurz nach 20.00 Uhr. Über einen Seitenzugang betritt Howard Carpendale den Saal der Berliner Verti Music Hall. Die dunkel-rauchige Atmosphäre ist energetisch aufgeladen, als er sich durch die Zuschauerreihen den Weg zur Bühne bahnt, Hände schüttelt und in Handykameras lächelt. Er wird das alles nach der Pause noch einmal tun. Und spätestens dann ist klar: Er liebt das Bad inmitten seines Publikums, dem er seine inzwischen über 50-jährige Karriere in Deutschland zu verdanken hat und der seine Erfolgsproduktion “Die Show meines Lebens” als tiefe Verbeugung an Fans und Freunde adressiert.

 

Was folgt, ist eine kompakte, fast dreistündige Show, die die wichtigsten Stationen seiner Bühnenkarriere nachzeichnet. Carpendale kam Ende der 60er-Jahre aus Südafrika nach Deutschland. Er fing mit seichtem Schlager an und hat gesungen, was man ihm vorgelegt hat. Doch er ist getrieben von Ehrgeiz. Er will mehr sein als nur der Schlageronkel. Seine Titel werden moderner, poppiger. Teilweise singt er auch auf englisch. Mit seinem langjährigen Manager Dieter Weidenfeld etabliert er sich vom Hit-Sänger zum Entertainer. Sich selber treu zu bleiben, sagt Carpendale, das bedeute Stillstand für ihn. Er habe immer wieder versucht, sich neu zu erfinden. Dennoch erinnert er in der Show an die ZDF-Hitparade und damit an die Hochzeit des deutschen Schlagers in den 70er- und 80er-Jahren. Natürlich singt er alle seine großen Hits wie "Hello again", "Samstag Nacht" und "Ti amo". Das ist der Carpendale, den alle kennen und lieben. Weitaus spannender sind jedoch Titel wie "Ein paar sind immer über den Wolken", "Du bist doch noch hier" oder "Mit viel viel Herz", die nur kennt, wer seine Alben aus den 90er-Jahren zu Hause hat. Auch wenn das "nur" die Songs hinter den erfolgreichen Hits sind: Es ist genau dieses Repertoire, das ihn besonders macht. Abräumer an diesem Abend ist aber wie immer "Nachts, wenn alles schläft", das Lieblingslied von Carpendale und schon jetzt der schönste seiner Evergreens.

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Carpendale, die Show-Maschine. Entertainment ist für ihn keine knallbunten Kulissen oder übertriebene Gigantomanie. Während viele Künstler ihre Konzerte mit alberner Zirkusakrobatik oder Überinszenierungen aufblasen, besinnt Carpendale sich auf das Kerngeschäft und dreht den Trend der Zeit einfach um: Er spielt ganz bewusst in kleineren Hallen. Er will den direkten Kontakt zum Publikum, nutzt die intime Atmosphäre für launige Anekdoten: Ja, er sei jetzt 74 Jahre alt, aber nur auf dem Papier. Ja, er schaue immer noch hübschen Frauen hinterher, er wisse nur nicht mehr, warum. Carpendale, der Geschichtenerzähler. Carpendale, der Womanizer. Keine Frage: Er ist in Bestform. Auch wenn er mit einer 20-köpfigen Band auf der Bühne steht – Howard Carpendale ist noch immer eine One-Man-Show. Er ist gerne Chef im Ring. Er will den großen Auftritt, die großen Gesten. Man kann nicht sagen, ob er sein Publikum mehr liebt, als er es braucht oder umgekehrt, aber was man sagen kann, ist: Carpendale spielt die Shows seines Lebens. Howard Carpendale setzt in diesem Jahr seine Konzertreihe fort, die er zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum Ende 2018 erstmals in Berlin gespielt hat. Er wird 16 weitere Konzerte in Deutschland geben, von denen einige mittlerweile ausverkauft sind. Es lohnt sich dennoch, sich nach Restkarten umzuschauen.

Howard Carpendale: Angst vor der Zukunft

 

Sina Worm31.01.2020Sina Worm

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