Radio starten Schlager.de Radio

Cindy Berger: “Ich bin mit 70 in eine Studenten-WG gezogen”

Gastartikel
Cindy Berger: “Ich bin mit 70 in eine Studenten-WG gezogen” © NP/ M. Gambarini

Nach dem Tod von Cindys Ex-Ehemann und Duettpartner Norbert Berger († 66) war 2012 die Zeit von “Cindy & Bert” Geschichte. Doch auch als Solokünstlerin ging die gebürtige Jutta Gusenburger ihren Weg. In DAS NEUE BLATT verrät die Sängerin, wie sie heute lebt…

Vermissen Sie manchmal die 70er-Jahre?
“Nein, das wäre unverschämt. Es war eine wunderbare Zeit, und ich wundere mich heute, wie bekannt nicht direkt ich, aber unser Lied ‘Immer wieder sonntags’ ist. Sogar junge Leute kennen das. Ich genieße das Leben jetzt sehr. Früher war man die Schlagersängerin, jetzt wird man irgendwie anders angesehen. Das ehrt mich.”

Heute sind Sie vor allem in der Seniorenhilfe tätig. Wie kamen Sie dazu?
“Ich habe mich viele Jahre um meine Mutter gekümmert. Als sie verstorben ist, fiel ich in ein Loch. Ich wollte mich verändern und brauchte etwas Neues. Ich bin nach Berlin gezogen und im Internet, als ich nach einer sinnvollen Beschäftigung für mich suchte, auf die Organisation ‘Careship’ gestoßen. Als ich dort ankam, hat es mir direkt gefallen. Man bekommt von älteren Menschen so viel zurück. Sie sind dankbar, und man geht am Abend sehr zufrieden nach Hause, weil man etwas Gutes tut.”

Wie kamen Sie auf Berlin?
“Zuerst wollte ich nach Asien zu meinem Sohn auswandern. Ich hatte schon alles in die Wege geleitet und mein Hab und Gut verkauft. Als mich meine Tochter aber fragte, was ich dort machen möchte, hatte ich keine Antwort. Ich – ganz ohne Aufgaben, den ganzen Tag am Strand liegen? Das geht nicht. Meine Tochter hatte beschlossen, mit ihrem Partner zusammen zu ziehen. Also bin ich dann in ihre Studenten-WG gezogen.”

Lustig! Wie war das, mit 70 in einer Wohngemeinschaft zu leben?
“Meine Tochter hatte das Zimmer schön für mich hergerichtet. Es war eine Zweier-WG mit einem guten Freund von meiner Tochter, der auch Saarländer ist, wie ich. Wir hatten vereinbart, dass ich nur so lange bleibe, bis ich etwas Eigenes gefunden habe. Für ihn war das auch komisch, als plötzlich die alte Mutter ankam (lacht). Es hat sich herausgestellt, dass wir uns gut vertragen haben. Wir haben uns nicht genervt oder im Alltag behindert. So wurden es zwei Jahre, die ich in der WG gelebt habe.”

Wenn Sie sich so viel um andere Menschen kümmern, wer kümmert sich um Sie?
“Ich hoffe, dass ich keine Hilfe brauche. Mir geht es gut. Meine Tochter wohnt ja auch hier in Berlin, die sorgt sich um mich. Mein Sohn sagt auch immer, obwohl er in Vietnam lebt: ‘Mama, du weißt ja, ich bin nur 12 Stunden entfernt.’ Also der wäre sofort da, wenn ich etwas bräuchte.”

Sie haben auch schon Vorkehrungen wie eine Patientenverfügung getroffen. Warum?
“Ja, ich habe meinen Kindern gesagt, dass ich kein Pflegefall werden möchte. Wenn ich mir selbst nicht mehr helfen und mich an nichts mehr erfreuen kann, muss ich nicht weiterleben und meine Kinder und andere belasten.”

Hat diese Entscheidung mit dem Tod Ihrer Mutter zu tun?
“Wir hatten einen Fall in der Familie, eine liebe Tante, bei der die Behandlungen viel zu weit gingen. Ich finde, sie hat viel zu lange gelitten. Das hat uns einen Schock versetzt, sodass wir sofort die Patientenverfügung gemacht haben. Bei meiner Mutter war ich so froh, dass wir die hatten. Auch wenn es schwer ist, ein Ende zu setzen.”

Haben Sie Angst vor dem Tod?
“Nein, ich bin dankbar, dass ich gesund schon so alt geworden bin. Ich denke, jeder hat eher Angst davor, wie man stirbt. Bei meiner Mutter hat das toll geklappt. Sie ist einfach in meinen Armen eingeschlafen. Sie hatte keine Schmerzen, ihr ging es gut, und sie war zu Hause. Ich habe nie gewusst, wie leicht sterben sein kann.”

Wie steht es mit der Liebe? Sie sind Single?
“Ja, mit Überzeugung. Ich habe festgestellt, dass es schön ist, Single zu sein. Besonders wenn man viele Freunde hat. Ich vermisse keinen Partner und möchte auch keine Beziehung mehr beginnen. Ich möchte frei bleiben in meiner Entscheidung und niemanden haben, der mich fragt ‘Wo gehst du hin?’. Ich merke auch: Wenn mich ein Mann zweimal anschaut, renne ich weg (lacht).”

Haben Sie schon besondere Pläne nach Corona?
“Ich lasse alles auf mich zukommen. Das Einzige, was ich mir wünsche, ist, dass mein Sohn mit seiner Familie zu Weihnachten kommen kann. Ansonsten bin ich glücklich, wenn alles so bleibt, wie es ist.”

96% der user haben auch diese Artikel gelesen:

“Arschbomben-Challenge”: Kneift Bernhard Brink?

Ben Zucker: Hat er jetzt seine Herzensdame gefunden?

Die Frisuren der Schlagerstars

Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Dich in Deinem Browser über die wichtigsten Schlager Nachrichten informieren?
Benachrichtigung aktiviert
Ihr möchtet mehr lesen?
Diesen und weitere spannende Artikel gibt es in ,Das Neue Blatt‘. Jetzt am Kiosk!
© Das Neue Blatt, Bauer Media Group
DAS NEUE BLATT14.07.2020DAS NEUE BLATT

Die 3 beliebtesten
Schlager-News

Schlager.de - Alles für den Fan