Udo Jürgens: Sein letztes Geheimnis nahm er mit ins Grab

Gastartikel
Udo Jürgens:  Sein letztes Geheimnis nahm er mit ins Grab © Wikimedia Commons
NEUE POST
25.08.2020

Wenn wir Reporter Udo Jürgens († 80) trafen, erlebten wir einen wahren Gentleman. Einen Menschen der leisen Töne, selbstbewusst und doch stets höflich. Es war ein Erlebnis, wenn er formvollendet die Hand der Journalistinnen ergriff und an seine Lippen führte. „Mein Name ist Udo Jürgens, ich freue mich sehr“, sagte er dann mit österreichischem Charme.

Und diese Stimme! Sanft und verführerisch. Unvorstellbar, den großen Sänger einmal herumbrüllen zu hören. Umso schockierender ist das, was ein guter Freund auspackt. In dem Buch „Ich, Udo“ schildert der Autor Christian Simon eine ganz andere Seite von Udo Jürgens. Eine dunkle Seite, von der nie jemand etwas erfahren sollte.

Udo Jürgens sei auf und hinter der Bühne manchmal ein Tyrann gewesen. Wenn mal nicht alles so lief, wie er sich das vorgestellt hatte, sei er teilweise richtig aggressiv geworden, behauptet Simon. Die Opfer: seine Musiker. In Rage habe Jürgens die Bandmitglieder „bis an die Grenze der Tätlichkeit attackiert“. Er habe sie am Ärmel gepackt und ihnen gedroht: „Wenn du jetzt nicht ordentlich spielst, hau ich dir nach der Vorstellung eins in die Schnauze.“ Aggressionen seien an der Tagesordnung gewesen.

Der Charmeur als jähzorniger Despot? Über solche Tobsuchtsanfälle war zu Udos Lebzeiten nichts zu hören. Pepe Lienhard (74) schweigt bis heute. Mit seinem Orchester begleitete Pepe den Sänger 37 Jahre lang auf Tourneen, kannte ihn wie kaum ein anderer. „Udo hat uns aber immer sehr respektvoll behandelt“, sagt Lienhard nur.

Auch Udos Kinder Jenny (53) und John (56) vermitteln ein vollkommen anderes Bild des unvergessenen Künstlers. „Mit ihm konnte man sehr positiv und lustig ins Leben schauen“, erinnert sich Tochter Jenny Jürgens in einem Interview. Außer der Liebe zur Musik habe ihr der Vater viel mitgegeben, nämlich: „Korrektes Verhalten, Freundlichkeit und Respekt.“

Wie passen diese Zeugnisse mit den Vorwürfen des Autors Christian Simon zusammen? „Ich bin extrem harmoniebedürftig“, erzählte Udo Jürgens auch selbst oft und gern. „Ich versuche, positive Energie zu verbreiten, nicht negative.“ Und dieser Mann soll Mitarbeitern gedroht und wütend herumgeflucht haben?

Kaum zu glauben. Und doch bleiben Zweifel, denn bekannt ist auch: Udo Jürgens war ein Perfektionist. Nachlässigkeiten hasste er, wollte seinem Publikum immer das Beste bieten.

Sabrina Burda (45), seine ehemalige Geliebte und Mutter seiner jüngsten Tochter Gloria (25), verriet vielsagend: „Der Mann Udo Jürgen Bockelmann hinter der Bühne ist ein ganz anderer als der Udo Jürgens auf der Bühne.“ Worte, die andeuten, was Christian Simon in seinem Buch deutlich ausspricht: Udo Jürgens hatte zwei Gesichter. Doch auch Sabrina Burda wollte bis heute nie mehr dazu sagen.

Weil es ein Geheimnis bleiben sollte. Udos letztes Geheimnis, das er mit ins Grab nahm, als er im Dezember 2014 plötzlich bei einem Spaziergang tot umfiel.

„Ich habe immer Angst, dass ich dem Leben gegenüber versage“, benannte Udo Jürgens einmal seine größte Sorge. Immerhin, diese Sorge war unbegründet. Aber sein Hang zur Perfektion – auch zur Perfektion bei Kollegen – war eine Schwäche. Eine Schwäche, der er – der große Gentleman – niemals ganz Herr werden konnte.

Beatrice Egli: Kann sie ihren Traummann kneten?

Ihr möchtet mehr lesen?
Diesen und weitere spannende Artikel gibt es in ,Neue Post‘. Jetzt am Kiosk!
© Neue Post, Bauer Media Group

Benachrichtigung aktivieren

  • Erfahre immer sofort das Neueste von Deinen Stars.
  • Sei früher informiert als alle anderen!

Benachrichtigung aktiviert

NEUE POST25.08.2020NEUE POST

Die 3 beliebtesten
Schlager-News

Schlager.de - Alles für den Fan