Willkommen im 21. Jahrhundert!Unsere schwulen Schlagerstars – Vom Versteckspiel zum Vorbild für eine bunte Gesellschaft

Unsere schwulen Schlagerstars – Vom Versteckspiel zum Vorbild für eine bunte Gesellschaft © Frank Weichert/Schlager.de
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Schlager, das bedeutet für uns Fans Klatschen, Mitsingen, eine gute Zeit haben und den Alltag vergessen. Doch auch die Schlagerwelt hat ihre Schattenseiten. Gerade für homosexuelle Schlagerstars war und ist es bis heute nicht leicht, öffentlich dazu zu stehen, das eigene Geschlecht zu lieben. Manche verstecken ihr „Anderssein“, andere gehen ganz offen damit um und haben großen Erfolg.

Schlager, das bedeutet für uns Fans Klatschen, Mitsingen, eine gute Zeit haben und den Alltag vergessen. Doch auch die Schlagerwelt hat ihre Schattenseiten. Gerade für homosexuelle Schlagerstars war und ist es bis heute nicht leicht, öffentlich dazu zu stehen, das eigene Geschlecht zu lieben. Manche verstecken ihr „Anderssein“, andere gehen ganz offen damit um und haben großen Erfolg.

Ein tragisches Beispiel ist einer der erfolgreichsten Schlagerstars der 1970er Jahre: Rex Gildo. Ludwig Franz Hirtreiter, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, sammelte schon in den 1950er Jahren erste Bühnenerfahrung an dem Münchner Kammerspielen und auf der Musicalbühne, bevor er von einer Managerin zum Schlagerstar gemacht wurde. Nun hieß er Alexander Gildo und wurde an der Seite von Conny Froboess zum Leinwandstar. Er begeisterte mit seinem Gesangstalent und seinen Tanzkünsten. Für die Kinobesucher waren Alexander Gildo und Conny Froboess ein Traumpaar. Doch Conny hatte irgendwann genug von den Klamottenfilmen, sie wollte ans Theater gehen. Also wurde Gitte Haenning aus Dänemark die neue Bühnenpartnerin von Rex Gildo, wie er sich inzwischen nennt. Durch Interviews und Fotoaufnahmen sollte der Eindruck entstehen, dass Rex und Gitte auch privat ein Paar waren. Nach neun Jahren beendete Gitte die vermeintliche Beziehung zu Rex.

Rex Gildo liebte seinen Manager…

© Wikimedia Commons Rex Gildo

© Wikimedia Commons Rex Gildo

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Doch schon damals soll Rex längst ein Geheimnis gehütet haben, das er vor seinen Fans und den meisten seiner Kollegen hütete: sein Manager Fred Miekley war auch sein Geliebter. Fast 40 Jahre waren sie ein Paar. Für die Öffentlichkeit jedoch gab Rex den Frauenhelden mit dem dunklen Teint. Noch heute sind Hits wie „Fiesta Mexicana“ und „Marie (der letzte Tanz ist nur für Dich)“ der Renner auf Schlagerpartys. Rex liebte die Bühne und gab für seine Fans alles. Doch er hatte Angst. Er wollte auf keinen Fall, dass seine Homosexualität öffentlich wird. Auch sein Manager riet ihm davon ab, sein wahres Liebesleben öffentlich zu machen. Trotzdem gab es immer wieder Gerüchte und Spekulationen. Also heiratete er sogar seine Cousine Marion, um Tuscheleien im Keim zu ersticken. Zu groß war wohl die Angst, dass sich sein geliebtes Publikum von ihm abwenden würde. Rex‘ langjähriger Produzent Ralph Siegel glaubt, sein Schützling sei bisexuell gewesen. Fred Miekley zog sogar in das gemeinsame Haus von Rex und Marion ein.

Rex Gildo: Mit dem Tod blieb der Erfolg aus!

Als Fred Miekley 1988 nach 37 gemeinsamen Jahren starb, riss es Rex den Boden unter den Füßen weg. In einer Dokumentation wird erzählt, er sei danach nächtelang durch die Kneipen gezogen. Auch der Erfolg bleibt von nun an aus. Hinzu kam wohl eine Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit. Selbst sein neuer Partner Dave Klingeberg habe ihm nicht helfen können. Costa Cordalis sagte in der Doku, Dave habe Rex‘ Sorgen nicht richtig nachvollziehen können. Doch die Bühne lässt ihn nicht los. Sie hilft ihm, seinen Kummer zu vergessen. Zuletzt tritt er vor allem bei bunten Abenden und in Möbelhäusern auf. 1999 kommt es nach einem Auftritt in Bad Vilbel zu einem Streit zwischen Dave und Rex. Rex wirkt völlig verwirrt und torkelt durch die Straßen. Zu einer alten Freundin sagt er am Telefon, er würde seinen Bruder wiedersehen. Der war jedoch schon längst verstorben. Aus lauter Verzweiflung ruft Dave den Notarzt. Als Rex die Sanitäter kommen hört, stürzt er sich aus dem Badezimmerfenster. Die Ärzte kämpfen tagelang um sein Leben, doch sie können ihm nicht mehr helfen. Ein tragisches Ende eines Schlageridols der frühen Jahre. Bis zum Schluss traute sich Rex nicht, zu seinem Liebesleben zu stehen, obwohl andere Kollegen wie Alfred Biolek oder Hape Kerkeling auch nach ihrem Outing große Erfolge feierten.

Jürgen Marcus wartete zu lange!

Sein Kollege Jürgen Marcus, der in den 1970er Jahren mit „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und „Ein Festival der Liebe“ große Erfolge feierte, ging lange einen ähnlichen Weg wie Rex Gildo. Erst 1991 outete er sich als schwul. So war es dann auch Jürgens Freund und Manager Nikolaus Fischer, der 2018 den Tod seines Lebenspartners öffentlich machte.

 

Doch es gibt noch mehr schwule Schlagerstars…

Der gelernte Koch Friedrich Günther Raab arbeite zunächst in seiner Heimatstadt München im Hotel Bayerischer Hof, bevor er zum Schlagerstar Patrick Lindner wurde. 1989 belegte er mit „Die kloane Tür zum Paradies“ den zweiten Platz beim Grand Prix der Volksmusik. Lange stand er für traditionellen volkstümlichen Schlager, bevor er sich Schlager mit moderneren Rhythmen und sogar dem englischsprachigen Swing widmete. Auch als Fernsehmoderator und Schauspieler feierte Erfolge.

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© Kevin Drewes / Schlager.de

1999 überraschte der Sänger die Menschen mit seinem Coming-out. Doch nicht nur das: mit seinem damaligen Lebenspartner Michael Link adoptierte er einen Jungen aus einem rumänischen Waisenheim. Für seine Fans war das ein Schock. Sie wandten sich von ihm ab. Seine Platten verkauften sich schlechter. Sein ebenfalls homosexueller Kollege Hape Kerkeling hatte ihn genau davor gewarnt. Doch trotzdem ist Patrick heute froh über das Outing. Er habe vielen Menschen Mut gemacht, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Auch der Erfolg ist längst wieder zurück. Inzwischen ist er mit seinem neuen Mann Peter Schäfer verlobt und lässt die Öffentlichkeit ganz selbstverständlich an seinem Glück teilhaben.

 

Ross Antony hat es nie verborgen…

Ross Antony machte nie ein Geheimnis daraus, schwul zu sein. Der Brite, der 2001 mit der Band Bro’Sis berühmt wurde, stellte der Öffentlichkeit seinen Freund vor. Paul Reeves ist klassischer Opernsänger. Bis heute sind die beiden glücklich miteinander. 2014 wurde das Glück durch die Adoption eines Kindes gekrönt, ein zweites kam 2017 hinzu. Es folgte die Hochzeit des Sängerpaares. Die Öffentlichkeit lassen die beiden an ihrer Liebe teilhaben. Sie posten gemeinsame Fotos in den sozialen Netzwerken und singen ab und zu singen sie sogar gemeinsam. Paul unterstützte ihn auch auf dem Weg zum Schlagerstar. Dafür werden die beiden von ihren Fans geliebt.

Eloy de Jong gilt als Vorreiter in Sachen Outing!

© Frank Weichert/Schlager.de

© Frank Weichert/Schlager.de

Eloy de Jong war schon in den 1990er Jahren ein Star als Mitglied der Boyband Caught in the Act. 1999 machten er und sein Bandkolege Stephen Gately ihre Beziehung öffentlich. Ihm widmete Eloy auch seinen Hit „Egal, was Andere sagen“, die deutsche Version des Boyzone-Songs „No matter what“. 2002 trennten sich die beiden und Eloy war mit dem Moderator Carlo Boszhard liiert. Inzwischen lebt Eloy de Jong mit seinem Partner und seinen zwei Kindern glücklich unter einem Dach, gemeinsam mit der Mutter der beiden Kinder (ein Junge, ein Mädchen). Sie sind das beste Beispiel einer funktionierenden Co-Elternschaft und für die Fans ist Eloy de Jong gerade deshalb ein Vorbild.

Und dann gibt es auch noch eine Frau…

Die bisher einzige bekennende lesbische Schlagersängerin ist Kerstin Ott, die mit dem Song „Die immer lacht“ berühmt wurde. Die Liebe zu ihrer Karolina machte sie von Anfang an öffentlich. Sie geben gemeinsam Interviews und teilen ihr Leben auf Instagram und Facebook. Doch nicht nur das: auch in Liedern bezieht sie klar Position für eine bunte, tolerante Gesellschaft. Gemeinsam mit Helene Fischer stellte sie in deren Show ihren Song „Regenbogenfarben“ vor. Darin besingt sie die gleichgeschlechtliche Liebe, die Adoption von Kindern durch Homosexuelle und dass das alles ganz normal ist. Wie Recht sie hat! Das denken auch ihre vielen Fans, die ihr für ihr Engagement dankbar sind und daraus Mut für ihr eigenes Leben schöpfen.

Nach Kerstin Ott ist vor Christoff de Bolle…

Es ist 50 % Fantasy dabei…

Auch Freddy März alias Fredi Malinowski vom erfolgreichen Duo Fantasy steht dazu, schwul zu sein. 2017 machte er öffentlich, dass er sich nach 15 Ehejahren in einen Mann verliebt hat. 1991 heiratete Freddy seine Jugendliebe Silke, mit der er drei Kinder hat. 2006 trennen sich die Eheleute. Ein Jahr später machte er seine erste sexuelle Erfahrung mit einem Mann. Anderthalb Jahre dauerte die Beziehung, dann zerbricht sie. Im Sommerurlaub 2008 in Kroatien betete er zum lieben Gott. „Mensch, von mir aus kann’s auch ein Mann sein, aber ich möchte nicht mehr alleine sein.“ Genau in diesem Moment lief ihm sein späterer Ehemann Dean über den Weg. Auch er kam wie Freddy aus Kroatien und hatte bereits eine Ehe mit einer Frau hinter sich. 2010 ließen sich Dean und Freddy von ihren Frauen scheiden. Eigentlich sollte 2018 die Hochzeit von Dean und Freddy stattfinden, doch die wurde für eine Tournee verschoben. Das tut der Liebe der beiden jedoch keinen Abbruch.

Willkommen im (voXX)club

2015 machte Voxxclub-Mitglied Christian Schild in einem Zeitungsinterview seine Homosexualität öffentlich. Schon mit 16 Jahren war ihm klar: ich bin schwul! Für seine Bandkollegen und auch für seine Familie und die Fans ist das ganz selbstverständlich.

Last, but not least:

Den Belgier Christoff kennt man hierzulande als Stimmungsmacher und Mitglied von KLUBBB3 an der Seite von Jan Smit und Florian Silbereisen. Er ging 2018 einen besonders gewagten Schritt: beim „Schlagerboom“ outete er sich live vor einem Millionenpublikum als schwul. Doch nicht nur das: er machte seinem Ritchie in der Show einen Heiratsantrag und rührte damit nicht nur seine Bandkollegen, sondern auch die Fernsehzuschauer zu Tränen.

Wie gut, dass sich unsere Gesellschaft gewandelt hat und Homosexualität heute endlich als das angesehen wird, was es ist: ganz normal! Dazu haben unsere schwulen und lesbischen Schlagerstars ganz sicher beigetragen!

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