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Howard Carpendale: “Verkaufszahlen sind nicht mehr das Wichtigste”

Exklusiv
Howard Carpendale: “Verkaufszahlen sind nicht mehr das Wichtigste” © Electrola
Sina Worm
23.10.2020

Howard Carpendale gelingt nach über 50 Jahren Bühnenkarriere im vergangenen Jahr ein großartiger Coup. Die Produktion “Symphonie meines Lebens” wird ein grandioser Erfolg und ist sein Album, das sich am längsten in den deutschen Albumcharts halten kann. Da ist es nur folgerichtig, noch einmal nachzulegen. Erneut spielt das Royal Philharmonic Orchestra in den Londoner Abbey Road Studios zwölf seiner Titel ein. Erneut entsteht die “Symphonie meines Lebens”. Es gibt nicht wenige, die sagen: Dieses zweite Album ist noch besser als das erste. Wir sprachen mit Howard Carpendale exklusiv über die Produktion unter Corona-Bedingungen, über Gefühle von Nostalgie und warum trotz des Erfolgs Verkaufszahlen nicht mehr das Wichtigste für ihn sind.

Herr Carpendale, Sie haben die erste Ausgabe Ihres Albums "Symphonie meines Lebens" mit folgendem Zitat angekündigt: "Fühlt sich eine erste Idee fast zu groß an, dann ist sie meistens genau richtig." Sie gehen jetzt mit Album Nummer 2 an den Start. Groß zu denken hat sich offenbar für Sie gelohnt.

Ich möchte jetzt keine Antwort geben, die unecht klingt, aber es ist eine Tatsache, dass das erste Album sehr erfolgreich war. Ich bin aber schon lange kein Mensch mehr, für den Verkaufszahlen das Allerwichtigste sind. Wir konnten viele Menschen erreichen, die mit Howard Carpendale nichts zu tun haben, aber das Album sehr mochten. Die Menschen haben, nicht zuletzt auch durch die Corona-Zeit, ein Bedürfnis nach Nostalgie. Das haben wir aufgegriffen. Ich glaube, das zweite Album tut das noch mehr. Wir gehen zurück zu ein paar Titeln, die man vielleicht längst vergessen hat, die aber große Erfolge waren.

Mit welchem Grundgefühl haben Sie die Produktion begleitet?

Es war alles ein bisschen anders als sonst. Ich durfte zu den Aufnahmen nicht nach London reisen, das Orchester durfte nicht zusammen spielen. Die orchestrale Begleitung wurde in zwei Schichten gefahren und dann zu mir nach Deutschland geschickt. Ich habe sehr oft mit den englischen Arrangeuren telefoniert. Sie hatten viel mehr Zeit und natürlich auch weniger Arbeit als sonst und haben sich gefreut, ein solches Album produzieren zu können. Ich kann allen nur ein Kompliment machen: Die Arrangements sind hervorragend! Ich bin mit Version 2 sehr zufrieden.

Sie sagen, dass beide Alben Ihre Karriere gut zusammenfassen. Haben Sie das Gefühl, damit einen Punkt zu erreichen, an dem Presse bzw. Kritiker endlich begreifen: Sie sind eben nicht der softe Schmuse-Howie, sondern Howard Carpendale?

Ja, das ist tatsächlich etwas, was mich schon über meine ganze Karriere hinweg begleitet. Ich wusste immer, was ich mache. Viele Künstler bleiben einem Image treu, aber wenn man authentisch sein möchte, dann ist es wichtig, dass man sich weiter entwickelt. Wenn man älter wird, ändern sich Lebenseinstellungen und Ansichten. Das soll sich in der Musik widerspiegeln. Ich glaube schon, dass die beiden Alben dazu beitragen.

Es gibt ein Zitat von Roland Kaiser, der sinngemäß gesagt hat, dass er seinen übertriebenen Ehrgeiz zurückgestellt und aufgehört hat, verbissen dem Erfolg hinterherzujagen. Sind Sie mittlerweile auch an diesem Punkt angekommen?

Verbissen um den Erfolg zu kämpfen – das klingt so negativ. Wenn man als junger Mann eine Karriere anfängt, dann geht es darum, sein Leben zu gestalten. Kommerzielle Ziele sind da schon sehr sehr wichtig. Doch es passiert über die Jahre fast allen Künstlern, dass sie mehr ihre Karriere als Persönlichkeit im Blick haben. Bei mir war das auch so. Sehr sogar. Wir leben im Moment in einer Zeit, wo Persönlichkeiten offensichtlich nicht mehr so gefragt sind. Nicht in der Musikbranche und nicht in der Politik. Ich finde das sehr schade, denn das Publikum möchte schon auch gern die Person durch die Musik kennenlernen.

Sie haben zwei Duette mit jüngeren Künstlern auf dem Album. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Giovanni Zarrella und Kerstin Ott?

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Sina Worm23.10.2020Sina Worm

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