Bernhard Brink: „Ich habe in meinem Leben noch nie etwas anbrennen lassen“

Gastartikel
Bernhard Brink: „Ich habe in meinem Leben noch nie etwas anbrennen lassen“ © Hartmut Holtmann / Schlager.de
Meine Melodie
26.06.2021

Er führte ein Leben auf der Überholspur, immer Vollgas. Doch der Tod seiner geliebten Eltern Gerda († 91) und Evert († 68) sowie einiger Freunde lässt Bernhard Brink immer öfter über das eigene Ende nachdenken. Seine letzten Dinge hat er längst geregelt, erzählt er MEINE MELODIE.

Gibt es einen Lieblingstitel von Ihnen auf Ihrem neuen Album „lieben und leben“?

„Der Song ‚lieben und leben‘ gefällt mir sehr gut. Aber auch der Hitmix der alten Titel wie ‚Mit 17 fängt das Leben erst an‘ und ‚Ich hab Dir nie den Himmel versprochen‘. Insgesamt kann ich sagen, dass das Album mir sehr großen Spaß gemacht hat.“

Sind Sie ein Gefühlsmensch oder eher vom Kopf gesteuert?

„Beides. Ich bin schon ein sehr pragmatischer Mensch, der sehr klar ist. Ich bin kein Träumer. Ich würde mir niemals ein Auto kaufen, weil ich immer davon geträumt habe, aber dann nicht weiß, wie ich die Leasingraten bezahlen soll.“

Im nächsten Jahr feiern Sie Ihr 50. Bühnenjubiläum, oder?

„Ja, 1971 habe ich meinen ersten Vertrag unterschrieben, 1972 hatte ich den ersten Auftritt in der ‚ZDF-Hitparade‘ von Dieter Thomas Heck.“

Nach einem Auftritt in der „Hitparade“ haben Sie früher 30.000 Briefe bekommen ...

„Heute gibt es keine Briefe mehr. Alles spielt sich auf den sozialen Netzwerken ab. Das kann man wirklich nicht mehr mit dem vergleichen, was wir erlebt haben früher.“

Früher war mehr Sex, Drugs und Rock‘n‘Roll‘, oder?

„Ja, das war ganz anders! Wenn man heute den jungen Leuten erzählt, was in den 70er-Jahren abgegangen ist, das glaubt einem keiner. Man ist nach einem Auftritt noch zusammen essen gegangen und hat gefeiert. Das Leben war fast eine einzige Party. Ich habe gar nicht gemerkt, zwischen 20 und 30 Jahren, dass ich älter geworden bin. Heute ist doch vieles kontrollierter und distanzierter.“

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Es hieß, dass eigentlich alle Stars damals ihre Frauen betrogen haben …

Howard Carpendale war nicht verheiratet, Roland Kaiser nicht und ich auch nicht. Klar, dass wir nichts haben anbrennen lassen und die eine oder andere Chance genutzt haben, die sich anbot. Natürlich haben wir uns alle ausgetobt.“

Vor einigen Jahren starb Ihr bester Freund Ulf an einem Gehirntumor. Haben Sie das Gefühl, die Einschläge kommen näher?

„Ja, absolut. Bei Ulf ging das so schnell, auch ein Tennis-Kumpel von mir hat gerade Zungenkrebs bekommen. Meine Eltern sind verstorben. Es kann jeden jederzeit erwischen.“

Haben die Schicksalsschläge Ihre Einstellung zum Leben verändert?

„Ja, ich bin auf alle Fälle nachdenklicher geworden.“

Haben Sie denn schon Ihr Testament gemacht?

„Ja. Ich habe mein Testament gemacht. Das liegt alles da, vom Notar beglaubigt. Wenn Ute oder mir etwas passiert, dann ist alles geregelt. Meine Frau und ich, wir beerben uns gegenseitig und wenn dann einer stirbt und noch etwas da ist, dann tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Ich habe auch schon überlegt, einen Teil meines Vermögens der Arche in Hellersdorf zu vermachen, weil ich finde, dass die einen tollen Job dort machen.“

Sie haben auch mal über Sterbehilfe nachgedacht, oder?

„Ja. Ich bin eher ein Befürworter von Sterbehilfe. Wenn jemand so krank ist, dass es keine Chance auf Heilung gibt, er leidet und nur noch Schmerzen hat, dann sollte es sein Recht sein, selbstbestimmt über das Ende seines Lebens zu entscheiden.“

Was wäre, wenn Sie zum Pflegefall würden?

„Davor hätte ich Angst. Dafür habe ich eine Patientenverfügung, in der steht, was ich nicht möchte.“

Sie sind Botschafter von der Stiftung „daHeim im Leben“, die Menschen im Alter und mit Beeinträchtigungen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen will ...

„Ja, ich bin durch das Schicksal meines Vaters, der dement war, dazu gekommen. Man weiß, dass Musik einen positiven Einfluss auf Demenzkranke hat. Wenn du ihnen alte Songs wie ‚So schön schön war die Zeit‘ oder ‚Einmal um die ganze Welt‘ vorspielst, dann können sie plötzlich mitsingen.“

Haben Heime durch die Arbeit den Schrecken für Sie verloren?

„Meine Mutter war im Heim, mein Vater und die Mutter von Ute auch. Ich würde es gerne für mich selbst verhindern. Ich träume von einem Tod wie Udo Jürgens: schnell und ohne Schmerzen und Leiden mitten aus dem Leben gerissen zu werden mit 80 Jahren.“

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