InterviewPrinz Eduard von Anhalt: „Mit Rotwein und Drogen wollte ich alles vergessen“

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Prinz Eduard von Anhalt: „Mit Rotwein und Drogen wollte ich alles vergessen“ © Tristar Media/Getty Images
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Er traf sich mit den Schönen und Reichen. Mit Ex-Präsident Ronald Reagan plauderte er beim Dinner. Hollywoodstar Vivien Leigh („Vom Winde verweht“) kaufte ihm seinen Wagen ab. Doch Prinz Eduard von Anhalt (80) hat auch schlimme Erinnerungen, denn manche Kindheitserlebnisse lassen ihn nicht los. Jetzt schrieb er seine Familiengeschichte auf. NEUE POST bat ihn zum Interview.

Ihre Kindheit auf Schloss Ballenstedt in Sachsen-Anhalt fand ein plötzliches Ende. Was passierte damals?

Es waren ja sehr harte Zeiten, 1945, ich war knapp vier Jahre alt. Mein Vater wurde von den Sowjets in ein Speziallager in Torgau gesteckt. Meine Mutter war mit uns fünf Kindern allein und ich fragte immer wieder: „Wo ist Papi?“ Dann sollten wir nach Sibirien geschickt werden, aber eines Abends klopfte es an der Tür und Freunde meines Vaters standen davor, um uns noch schnell in Sicherheit zu bringen.

Wie war das genau?

Meine Mutter rief: ,Schnell, Kinder, zieht warme Sachen an.‘ Bald saßen wir alle in bitterkalter Novembernacht auf einer Ladefläche. Und dann fiel mir ein, dass ich mein Tretauto mitnehmen wollte und heulte. Um mich endlich zu beruhigen, holten meine Schwestern es tatsächlich. Der Makel, deshalb die ganze Familie in Lebensgefahr gebracht zu haben, hing mir noch lange nach.

Und wo kamen Sie dann hin?

Man steckte uns in ein Kloster in der Lüneburger Heide.

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Und da ging es, wie Sie in Ihrem Buch schreiben, im wahrsten Sinne um die Wurst.

Ja, da arbeitete eine dicke Frau, die auf uns Kleinen aufpasste. Sie band die wenigen Würstchen, die es zu Mittag gab, an eine Schnur, hielt sie hoch und ließ uns arme verhungerte Kinder danach schnappen. Aber es war zu hoch. Dann zeigte die Frau, wie es richtig geht, und aß alles vor unseren Augen genüsslich auf. Als das herauskam, wurde sie gefeuert.

Auch in der Schule hatten Sie es anfangs sehr schwer. Warum?

Ich kam 1948 in die erste Klasse der Dorfschule. Meine Lehrerin wusste, dass mein Vater kein Nazi war, daher war er für sie ein Verräter. Sie fand immer einen Grund, mich zu züchtigen, meist mit einem schweren Holzlineal. Verformte Fingernägel und Narben erinnern mich noch heute daran.

Haben Sie Ihren Vater jemals wiedergesehen?

Nein, wir erfuhren erst Jahre später, dass er 1947 gestorben war.

Wie haben Sie diese schlimmen Erlebnisse verarbeitet?

In jungen Jahren sprach ich viel mit Freunden darüber, wie sehr wir alle im Krieg gelitten haben. Wir trösteten einander bei Rotwein und Drogen – es war Cannabis. Für kurze Zeit wollte ich einfach alles vergessen.

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