Ex-MDR-Unterhaltungschef vor GerichtFlorian Silbereisen & Helene Fischer: Kommt Förderer Udo Foht im Betrugs-Prozess wieder davon?

Florian Silbereisen & Helene Fischer: Kommt Förderer Udo Foht im Betrugs-Prozess wieder davon? © IMAGO / Christian Schroedter
Jörg Schulz
Redakteur

30 Jahre lang entschied Udo Foht als Unterhaltungschef beim MDR, wer vom Musik-Sternchen zum Star wurde. Foht, der als Mit-Entdecker von Florian Silbereisen, Helene Fischer oder Carmen Nebel gilt, hatte Macht – die er nutzte. Und offenbar missbrauchte. Damit kam er lange Jahre durch. Bis 2011 – da flogen seine Machenschaften auf. Der Sender feuerte Foht. Jetzt erst der Betrugs-Prozess vor dem Leipziger Landgericht. Doch schon wie 2001, als bekannt wurde, dass Foht eine Stasi-Spitzel-Vergangenheit verheimlicht hatte und nichts geschah, könnte er diesmal wieder durchkommen.

Hat Udo Foht auch Stars wie Florian Silbereisen genötigt?

© BMC-Images/ Dominik Beckmann

Anders als 2001 ist die Aktenlage über die Betrugsvorwürfe gegen Udo Foht nachvollziehbar und eindeutig. So eindeutig, dass Foht zu Beginn der Prozess-Eröffnung vor dem Landgericht Leipzig ein Geständnis ablegte. Ein kluger Schachzug. Sein Geständnis legt er nicht persönlich ab. Zu schwach sei er. In der Erklärung heißt es, dass er Menschen getäuscht habe – und sich entschuldigen wolle. Er bestätigte laut übereinstimmenden Medienberichten, dass er immer wieder verschiedene Musikmanager und TV-Produzenten um Darlehen gebeten hatte. Das Geld habe er benötigt, um Unterhaltungssendungen im MDR umsetzen zu können. Er habe gewusst, dass er die zumeist fünfstelligen Summen nicht pünktlich würde zurückzahlen können. Zur Anklage gehören zwei Fälle, in denen sich Foht Geld in bar und auf sein Privat-Konto überweisen ließ. Wozu? Das weiß Foht angeblich nicht mehr: „Ich bedauere aufrichtig, dass einzelne Darlehensgeber das Geld nicht, teilweise nicht oder viel später als geplant zurückerhalten haben.“, so Fohts Erklärung in Leipzig.

Der Stasi-Verdacht gegen Udo Foht wurde nie ausgeräumt

Dabei gibt es Spekulationen um die wahren Gründe der Betrügereien. Am hartnäckigsten hält sich dieses: Bereits 2011 spekuliert BILD: „Freunde und Mitarbeiter des Unterhaltungschefs schließen nicht aus, dass Udo Foht wegen seiner möglichen Stasi-Vergangenheit erpresst wird.“ Damit bezog sich BILD auf Stasi-Vorwürfe, die 2001 gegen den Förderer von Stars wie Helene Fischer aufgekommen waren. Foth soll als IM „Karsten Weiß“ für die Stasi spioniert zu haben. Dubios: Die Akte war unvollständig. Zudem entlastete der ehemalige Stasi-Hauptmann Dieter Affeldt Udo Foht in einer eidesstattlichen Versicherung. Jedoch: Der Verdacht wurde nie ganz ausgeräumt.

Foht darf laut Gerichts-Urteil weiter IM der Stasi genannt werden

Am 11. Oktober 2001 berichtete das Branchenmagazin „kress report“, dass das Magazin „Focus“ weiter behaupten darf, dass Udo Foht von der DDR-Staatssicherheit in den Jahren 1986 bis 1989 als IMS Karsten Weiß (IMS – Abkürzung für Inoffizieller Mitarbeiter zur politisch-operativen Durchdringung und Sicherung des Verantwortungsbereiches) geführt worden ist. Das OLG München hatte am 24. September 2001 eine Berufung Fohts gegen ein Urteil des Landgerichts München als „unbegründet“ zurückgewiesen. Die Veröffentlichung in „Focus“ sei „gerechtfertigt“ gewesen. Foht, der als Entdecker von Florian Silbereisen gilt, habe keine Unterlagen liefern können, die zu weiteren Nachforschungen hätten führen können. Eidesstattliche Versicherungen des früheren hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiters Dieter Affeldt und von Foht selbst „sind nicht ausreichend, um die tatsächliche Unwahrheit der Unterlagen des MfS festzustellen oder wenigstens überwiegend glaubhaft zu machen“, so das OLG München.

Foht denunzierte auch Kollegin des damaligen DDR-Fernsehens

„Focus“ hatte am 5. Februar 2001 berichtet, dass sich Udo Foht als IMS Karsten Weiß als fleißiger Denunziant seiner Journalistenkollegen hervorgetan hatte. So soll er über eine Redakteurin des DDR-Fernsehens berichtet haben, sie zeige „nicht immer das richtige politische Gespür“. Eine andere Kollegin habe nach wie vor Kontakt zu einer Bekannten, „die eine Reihe West-Verbindungen unterhielt“.

Jetzt verspürt Foht das Bedürfnis, sich zu erklären

Übrigens: Als Begründung für seine Erklärung nach elf Jahren des Schweigens nannte Foht dem Leipziger Richter sein Bedürfnis, sich zu erklären: „Die Vorverurteilung der Öffentlichkeit hat mein Lebenswerk zerstört. Ich war nicht auf Karriere aus.“ Das vielleicht nicht. Aber auf Geld war Foht aus. Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt. Und nach der Erklärung, die Foht abgeben ließ, sieht alles nach einem Deal aus: Richter Michael Dahms bot nämlich gleich zu Beginn eine Verständigung an. Ein „glaubhaften Geständnis“ könnte eine Haftstrafe von höchstens einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, bedeuten.

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