Nie veröffentlichtes Interview kurz vor seinem TodGotthilf Fischer: Letzter Wunsch wurde nicht erfüllt

Exklusiv
Gotthilf Fischer: Letzter Wunsch wurde nicht erfüllt © BMC-Images/ Dominik Beckmann
Jörg Schulz
Redakteur

Gotthilf Fischer – Vor zwei Jahren starb der König der Chöre mit 92 Jahren. Kurz vor seinem Tod gab er noch ein Interview. Obwohl er sich längst zurückgezogen hatte. Es sollte sein Letztes sein, geführt während der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie. Dabei ging es um seine 2008 verstorbene Frau Hildegard, mit der er 60 Jahre lang verheiratet war. Und er sprach über seine Wünsche – für sein Leben. Und auch über den Tod hinaus. Aber sein letzter Wunsch wurden nie erfüllt. Schlager.de veröffentlicht nun dieses exklusive, nie veröffentlichte Interview. 

Herr Fischer – Macht Ihnen die Pandemie zu schaffen?
„Ja, sicher. Wem geht es nicht so? Ich kann nicht mehr für meine Lieben in den Seniorenheimen dirigieren. Das ist sehr schade. Für alle. Auch für mich. Das Virus hat mich aber bislang übersehen. Zum Glück!“

Singen tötet. So lautete ja eine Erkenntnis aus der Corona-Pandemie. Und Ihre Zuhörer, Sie selbst auch, gehören allein altersbedingt zur Risikogruppe. Bringt es Sie nicht ohnehin langsam um, schon so lange nicht mehr singen lassen zu können?

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(lacht) „So weit wird es nicht kommen! Natürlich fehlt mir jetzt etwas. Seit 78 Jahren haben mich meine Chöre begleitet. Singen und Dirigieren ist mein Leben. Aber Musik habe trotzdem jeden Tag um mich herum.“

Wer so lange schon den Ton bestimmt: sind Sie auch privat ein Mensch, der lieber den Takt vorgibt?
„Nein, überhaupt nicht. Das wäre viel zu anstrengend.“

Es gibt da diese Liebesgerüchte – Waren Sie doch nicht immer ein Chorknabe?

(lacht) „Sehr amüsant. Ich weiß, worauf sie hinauswollen. Ich kann ihnen versichern: Ja, ich war immer ein Chorknabe – Ich habe seit 1942 immer dirigiert.“

Gab es etwas in Ihrem Leben, worüber Sie im Nachhinein sagen: „Gotthilf, da hat Gott aber geholfen!“

Oh ja, das waren drei Auto-Unfälle und zwei Flugzeugabstürze. Um sowas zu überleben, reicht Glück einfach nicht.

Gotthilf Fischer verrät seinen letzten Wunsch

Haben Sie noch einen Lebenstraum?

„Ich würde gerne dirigierend vom Podest direkt in den Sarg fallen.“

Und als letzten Abschied ihre Chöre wieder vereint an ihrem Grab?
„Das wäre mein größter Wunsch. Aber dafür ist ja kein Friedhof groß genug.“

Tatsächlich kam es anders. Gotthilf Fischer wurde nur im engsten Kreise seiner Familie bestattet. Gotthilfs Managerin begründete die kleine Trauerfeier damals mit den Maßnahmen, die aufgrund der aktuellen Gesundheitslage galten. Seine letzte Ruhestätte fand er im Grab seiner Ehefrau auf dem Friedhof Weinstadt, Ortsteil Beutelsbach, bei Stuttgart.

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Glauben Sie daran, einmal wieder mit Ihrer Frau vereint zu sein?
Ja. Und naturgemäß kann das nicht mehr allzu lange dauern.

Haben Sie „Kontakt“ zu Ihrer 2008 verstorben Frau?

Ja, täglich. In Gedanken sprechen wir miteinander.

Ist es erstrebenswert, 100 zu werden?
Wenn man die Gnade erlebt, gesund und munter sein zu dürfen und noch am Leben teilnehmen zu können, warum nicht?

Acht Jahre fehlten Gotthilf Fischer zum 100. Geburtstag. Er starb am 11. Dezember 2020 im Kreise seiner Familie. Es war ein Freitag. Seiner Managerin damals zu „Stuttgarter Nachrichten“: „Er hatte keine schwere Krankheit, kein Corona, nichts, er ist in aller Ruhe in seinem Bett nachts eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht.“

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