Das Deutsche Fernsehballett

Das Deutsche Fernsehballett © Deutsches Fernsehballett

Das Deutsche Fernsehballett – Eine Institution mit den längsten Beinen aus DDR-Zeiten

 

Deutsches Fernsehballett – Die Anfänge

Am 1. April 1962 legte der Ballettmeister  Günter Jätzlau, damals im Auftrag des Deutschen Fernsehfunks der DDR, den Grundstein für das Fernsehballett. Zuerst wurden acht Tänzerinnen engagiert, bis 1967 vergrößerte sich das Ensemble auf zwanzig Mitglieder. 1967 förderte der ehemalige Choreograph des Berliner Friedrichstadtpalastes, Walter Schumann, weitere Tänzerinnen. Zusätzlich wurde ein größerer Ballettsaal angemietet und Theater- und Kunstschaffende wurde angestellt, um das Ensemble auszubauen.

Zu dieser Zeit hatten nur rund jeder zehnte Haushalt ein Fernsehgerät. Zu sehen gab es lediglich 56 Stunden Programm in einer Woche. Klar, dass es aufgrund mangelnder Alternativen für viele Bürger eine Freude war, die gelenkigen Beine im Fernsehen zu sehen. Bis zur Wende war die Showformation Teil vieler DDR-Shows, hatte bis zu 250 Auftritte im Jahr. Regelmäßig traten sie in der Samstagabendshow „Ein Kessel Buntes“ zusammen mit nationalen und internationalen Künstlern auf.

Berühmte Produktionen

1973, also knapp zehn Jahre nach der Gründung, wirkten Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles in der ersten Kinoproduktion mit. Der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ hatte in der ČSSR am 1. November 1973 Kinopremiere, in der DDR im März 1974 und in Westdeutschland am 19. Dezember 1974. Am 26. Dezember 1975 wurde er erstmals im westdeutschen Fernsehen gezeigt. Die berühmte Ballszene, in der die Mitglieder Fernsehballetts zu sehen sind, wurde in den Babelsberger Filmstudios in Potsdam gedreht. Noch bis heute ist der Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ fester Bestandteil des Fernsehprogramms zur Weihnachtszeit.

Genau 45 Jahre später wirkte das Deutsche Fernsehballett an einer weiteren großen Kinoproduktion mit. Im Studio Babelsberg in Potsdam liefen im Sommer 2018 die Dreharbeiten zum Liebesfilm “Traumfabrik“ mit Emilia Schüle, Dennis Mojen, Ken Duken, Heiner Lauterbach und dem Deutschen Fernsehballett. Der Film wurde im Studio in Potsdam sowie an Orginalschauplätzen in Berlin und Umgebung gedreht. Erfolgsproduzent Tom Zickler (KNOCKIN' ON HEAVEN'S DOOR, KEINOHRHASEN, HONIG IM KOPF) arbeitete erstmals mit dem Deutschen Fernsehballett zusammen: "Das DDR Fernsehballett war Kult. Eleganz, tänzerisches Können und Erotik machte es besonders. Das Deutsche Fernsehballett setzt diese Tradition fort. Ich bin so froh, dass sie bei unserer ersten Eigenproduktion dabei sind.", so Zickler.

DDR & BRD: Zeiten der Wende

Immer wieder stand das Ballett in seinen 58 Jahren vor dem Aus. Das erste Mal nach dem Mauerfall. Das Staatsfernsehen der DDR gab es nicht mehr. Der damals frisch gegründete MDR nahm das Ensemble dann jedoch an sich und setzte es in seinen Musikshows ein. Zu dieser Zeit durfte die Formation auch erstmals bei anderen Sendern und im Privatfernsehen auftreten.

Im Januar 1992 ging das Fernsehballett des DDR-Fernsehens in der MDR Deutsches Fernsehballett GmbH auf. Seit Juli 1992 war das Unternehmen selbst verantwortlich für die Finanzen. Im November des gleichen Jahres beging das Ensemble seinen 30. Geburtstag. Der bisherige Standort des Fernsehballetts in den ehemaligen, Filmgeschichte schreibenden Filmateliers in Berlin-Johannisthal musste zu dem Zeitpunkt geräumt werden. Der Sender Freies Berlin (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg) stellte in seinem Fernsehzentrum an der Masurenallee in Berlin-Westend Ende Mai 1992 einen Ballettsaal zur Verfügung, der bis heute Sitz und Probebühne des Ensembles ist.

Nach der Wende folgten Einsätze auch abseits klassischer Shows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. So waren die Tänzer*innen in "Gottschalk Late Night" (1994), im "Tatort" und anderen Produktionen zu sehen. Im Jahr 1996 überschritt das Fernsehballett erstmals die Gewinnschwelle. Die Reichweite der Sendungen, an denen das Tanzensemble mitwirkte, steigerte sich damals auf 122 Millionen Fernsehzuschauer. Der MDR übertrug 1999 seine Geschäftsanteile am Deutschen Fernsehballett an die "DREFA Media Holding GmbH", die eine Tochtergesellschaft des Senders ist. Im gleichen Jahr war das Ensemble zum ersten Mal seit der Wende schuldenfrei.

Das Deutsche Fernsehballett - Die 2000er Jahre

Im Oktober und November 2008 ging das Fernsehballett erstmals, anlässlich seines 45-jährigen Bestehens, auf eigene Tour "World of Dance". Unter den Titeln Tanzpalast (2009) und STEPS – die Perfektion der Bewegung (2010) folgten weitere Tourneen. Im Mai und Juni 2013 stand das Ballett bei David Garretts Tour auf der Bühne. Von 2013 bis 2016 tanzte das Deutsche Fernsehballett regelmäßig bei "Willkommen bei Carmen Nebel".

Im Februar 2012 verkaufte der MDR seine gesamten Anteile am Fernsehballett an den Künstlermanager Peter Wolf. Am 19. Oktober 2012 wird in den Studios Berlin Adlershof die TV-Gala  "Die große Show der langen Beine" anlässlich des 50-jährigen Jubiläums aufgezeichnet und erzielt bundesweit Rekordquoten. Und trotzdem: Im Dezember 2013 wurde das Ballett in die Rote Liste Kultur des Deutschen Kulturrates aufgenommen und in die Kategorie 1 (von Schließung bedroht) eingestuft. Man beklagte damals den "Wegfall aller prestigeträchtigen ARD- und Eurovision-Formate". Die "José Carreras Gala" wechselte zu Sky, "Die Helene Fischer Show" gehörte nun zum ZDF und auch in den Sendungen von Florian Silbereisen wurde das Ballett immer weniger eingesetzt. Nach Bekanntwerden der bevorstehenden Schließung erfuhr das Deutsche Fernsehballett einer Welle der Solidarität. Viele Prominente, darunter Hape Kerkeling, David Garrett und Carmen Nebel, boten ihre Hilfe an. Seit März 2014 steht fest, dass das Deutsche Fernsehballett erstmal erhalten bleibt. Im März steht fest: Das Deutsche Fernsehballett bleibt bestehen.

(Presse-)Skandale rund ums Ballett

In den 90ern stießen viele osteuropäische Tänzerinnen zur Truppe. In TV-Kreisen nannte man es angeblich nur noch das "Balkan-Ballett". "Von zwei Bulgarinnen war bekannt, dass sie ihre Gagen als Escortgirls aufbesserten", erinnerte sich ein Mitarbeiter in BILD. Auf Wunsch sollen die Damen auch das Bühnenkostüm anbehalten haben. Auch ohne Bezahlung soll es bei den Ballettdamen hoch hergegangen sein. Laut BILD prahlte ein TV-Macher einmal: "Ich war mit jedem Mädchen im Bett! Schließlich habe ich hier was zu sagen." Die Begünstigten durften angeblich in der ersten Reihe tanzen. (Quelle: SUPERillu)

Auch von Drogen- und Alkoholmissbrauch war die Rede. Kurz nach der Wende nannten laut BILD die Tänzerinnen eine ihrer Kolleginnen nur die "Schneekönigin". Für ihre Kokain-Exzesse war sie bekannt – auch während der Arbeit. "Das weiße Pulver stand auf ihrem Schminktisch und fiel dort gar nicht auf", erklärte ein TV-Mitarbeiter in BILD. Auch von Alkohol und Aufputschmittel war die Rede. Viele der Mädchen sollen außerdem unter Ess-Störungen gelitten haben. (Quelle: SUPERillu)

Im Jahr 2011 knallte es erneut beim Deutschen Fernsehballett: Einige Tänzer*innen des Balletts traten beim 35. Geburtstag des umstrittenen tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow in Grosny auf. Der MDR fackelte nicht lange und verkaufte das Ballett ein Jahr später an den Berliner Künstlermanager Peter Wolf. Dieser besaß zum damaligen Zeitpunkt bereits das Deutsche Showballett Berlin. Dieses wurde dann vom Deutschen Fernsehballett übernommen. Und so wurde aus dem Berliner Abklatsch sozusagen das "Original" aus der DDR. Praktischerweise wurde dabei auch Wolfs Ehefrau, die bereits beim Deutschen Showballett Solistin war, Teil der neuen, "alten" Showtruppe - und das in der ersten Reihe.

Beim SemperOpnerball 2020 steht das Deutsche Fernsehballett ebenfalls auf der Bühne. Bereits vor der Veranstaltung ist es zum Eklat gekommen, weil dem ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi , der in Zusammenhang mit groben Verletzungen der Menschenrechte in Verbindung steht, der St. Georg Orden verliehen wurde. Viele Prominente sagten bereits im Vorfeld der Veranstaltung ab.

Das endgültige Aus

Im Februar 2020 wurde es dann offiziell: Das Deutsche Fernsehballett, das wohl schillerndste Überbleibsel der DDR, wird zum Jahresende den Betrieb einstellen. Das berichtet die “BILD am Sonntag”. Peter Wolf, der Geschäftsführer der Showformation, nennt die “schlechte Auftragslage” als Grund für das Aus. Im Jahr 2021 soll es – nach Angaben des Inhabers – noch eine Abschiedstournee geben.




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