Rex Gildo: Mit „Hossa!“ sorgte er für Stimmung, doch privat litt er Höllenqualen

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Rex Gildo: Mit „Hossa!“ sorgte er für Stimmung, doch privat litt er Höllenqualen © wikipedia.org/wiki/Rex_Gildo
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07.07.2021

Volles schwarzes Haar, braun gebrannte Haut, funkelnde Augen und immer ein bisschen „Hossa!“ – so liebten ihn seine weiblichen Fans. Rex Gildo sang, tanzte, schauspielerte. Er verkaufte mehr als 25 Millionen Schallplatten in 40 Jahren und spielte in rund 30 Filmen. Der Sonnyboy sorgte immer für Stimmung, doch privat litt er Höllenqualen. Dass er jenseits der großen Bühne ein ganz anderer war, verheimlichte er – bis er am Ende daran zerbrach.

Am 2. Juli 1936 wurde Ludwig Franz Hirtreiter als jüngstes von fünf Kindern im bayerischen Straubing geboren. Vater Ludwig war Handelsvertreter. Mutter Katharina war Hausfrau – ihre Großmutter kam aus Neapel. Ihnen verdankte Rex Gildo sein gutes Aussehen. Er wächst katholisch auf, war als Junge Ministrant. Die Eltern trennten sich früh – und nach dem Tod der Mutter 1949 zog er zum Vater und dessen neuer Frau nach München. Mit 15 begann er eine Lehre als Dekorateur und nahm nebenbei Gesangs, Tanz- und Schauspielunterricht. 1957 drehte er den ersten Film. Danach ergatterte er als „Alexander Gildo“ eine erste Hauptrolle neben Connie Froboess (77). Weggefährten lobten seine Disziplin und Hilfsbereitschaft. Doch über sein Privatleben und seine Träume verriet er ihnen nichts.

Außer als Filmstar wurde er auch als Sänger umjubelt. „Sexy Rexy“ sang Cornelia Froboess – und er wählte schließlich den Künstlernamen Rex Gildo. Sein Aussehen, der Hüftschwung und seine Aura machten ihn zum Frauenschwarm. Mit Gitte Haenning (75) sang er Duette, filmte 1964 „Jetzt dreht die Welt sich nur um dich“. „Wir spielen ein Liebespaar, und das fällt uns nicht so sehr schwer“, kokettierte er in einem Interview. Das gehörte alles mit zur Inszenierung als Herzensbrecher. Aber natürlich hatte es zwischen ihnen nicht gefunkt. Gitte ahnte bald, warum. Rex Gildo liebte Männer mehr als Frauen. Wäre das an die Öffentlichkeit gekommen, hätte es damals seine Karriere zerstört. Das wollte er nicht riskieren – denn er liebte den Beruf und das Scheinwerferlicht. Auch sein Manager Fred Miekley († 1988) riet ihm davon ab, sein wahres Liebesleben öffentlich zu machen. Wobei der wesentlich ältere Fred sogar sein Geliebter war. Sie lernten sich kennen, da war Gildo noch ein junger Lehrling. Damals wurde Miekley noch als sein Onkel vorgestellt, später übernahm er das Management. 37 Jahre sollten sie miteinander glücklich sein.

1972 sang Rex Gildo „Fiesta Mexicana“. Der schmissige Ruf „Hossa! Hossa!“ machte ihn zur Schlagerlegende. Um Gerüchte über sein Liebesleben im Keim zu ersticken, heiratete der Sänger 1974 seine Cousine Marion (damals 37). Kinder bekam das Paar keine. Dafür soll sein Freund zeitweise mit ins Haus des Paares in Oberbayern eingezogen sein.

Nachdem Rex Gildo über 20 Jahre ganz oben war, ebbte sein Erfolg ab. Als Fred Miekley 1988 starb, verlor der Sänger den Halt. Er zog nachts von Kneipe zu Kneipe. Die großen Auftritte waren Geschichte, stattdessen sang er bei Firmenfeiern. Wegen eines angeblich alkoholisierten Auftritts wurde er von einem Veranstalter sogar vor Gericht gezogen.

Bei einer Tour durch die Provinz lernte er 1989 den jungen Dave Klingeberg kennen, machte ihn zu seinem Privatsekretär und Chauffeur und zog mit ihm in eine Wohnung in München. Doch die 38 Jahre Altersunterschied waren zu groß, die Interessen zu verschieden. Es war dunkel geworden um den früher gefeierten Star, er war einsam, litt unter Stimmungsschwankungen und betäubte sich mit Medikamenten. Ohne Tabletten schien das Leben ihm unerträglich.

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Am 23. Oktober 1999 trat er in einem Möbelhaus in Bad Vilbel (Hessen) auf, vor 3000 Zuschauern. Doch er sah schlecht aus, traf kaum einen Ton. Zurück in München war er völlig orientierungslos. Als Dave den Notarzt rief, stürzte Rex Gildo aus einem Fenster im zweiten Stock. Drei Tage kämpften die Ärzte um sein Leben. Vergebens.

Seine Ehefrau Marion ließ ihn auf dem Münchner Ostfriedhof beisetzen – in einem gemeinsamen Grab mit Fred Miekley, seinem Lebensmenschen.

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