Im Interview mit Mary Roos!

Im Interview mit Mary Roos! © Manfred Esser

Wir hatten das große Vergnügen, Mary Roos im Rahmen der Schlager-Revue „Nutten, Koks und frische Erdbeeren” in Duisburg im Theater am Marientor anzutreffen. Unglaubliche 84 Termine hat sie an der Seite von Kabarettist Wolfgang Trepper in vielen Städten der Republik absolviert. Das ungleiche Duo hat es drauf, die Lachmuskeln auf’s Äußerste zu strapazieren. Es ist jedes Mal eine wahre Freude, dabei zu sein, wenn die “Klitschkos der Schlagerszene” ihre Bühnenshow präsentieren. Dieses Vergnügen können wir nur empfehlen!

Zu unserer großen Freude, hat sich Mary die Zeit genommen, uns über Zugaben, ihr aktuelles Album, und alles, was ihr wichtig ist, zu erzählen.

Schlager.de: Liebe Mary, wir treffen uns wieder einmal bei „Nutten,Koks und frischen Erdbeeren, habt Ihr damals vor drei Jahren damit gerechnet, dass es solch’ ein Erfolg werden würde?

Mary Roos: Nein, überhaupt nicht. Es waren fünf Aufführungen geplant, und wie Du siehst, ich sitze hier immer noch. Und wie es aussieht, ist bereits für das vierte Jahr etwas geplant. Das ist einfach unglaublich! Wir sind jetzt auch in Kürze im Fernsehgarten, der Herr Trepper und ich, und müssen da irgendwelche Spielchen machen. Ich glaube, da muss ich den guten Mann dann nochmals zur Ordnung rufen, damit alles in geregelten Bahnen verläuft…(lacht).

Schlager.de: Reden wir ein wenig über Dein aktuelles Album „Ab jetzt nur noch Zugaben“. Man könnte ja in Anlehnung eines Titels von Dir fragen: “Frau Roos, wie lange wollen Sie das noch machen, denke aber, so ist der Albumtitel nicht gemeint, oder?

Mary Roos: Ja, genau, es ist so gemeint, dass ich jetzt das machen darf, was ich gerne möchte. Und wenn man Zugaben geben darf, dann war es ja zumindest ein erfolgreicher Abend. So etwas fällt mir nachts ein. Es war tatsächlich so, dass ich gedacht habe, ab jetzt nur noch Zugaben, Dinge zu tun, die mir Spaß machen, und die vor allen Dingen zu mir passen. Wenn man nun schon so viele Jahrhunderte dabei ist, dann ist es doch nahezu gefährlich, wenn man immer nur dasselbe macht. Das Leben ist so vielfältig und Musik darf das auch sein.

Schlager.de: Du bist ja jemand, der sich auch gerne mal auf die Schippe nimmt, über sich lachen kann, war das schon immer so, oder hat das die Lebenserfahrung mit sich gebracht?

Mary Roos: Na, ich glaube, als junges Mädchen ist man ja eher schüchtern und findet es nicht witzig, wenn andere über einen lachen. Ich denke, das kommt wirklich später und liegt vielleicht an meiner rheinischen Mutter, die einfach grandios war und viele Probleme und Katastrophen mit ihrem Humor gemeistert hat. Sie hatte vier Kinder und ein Hotel. Da musst Du schon sehr viel Humor haben.

Schlager.de: Dein neues Album ist einfach genial und wieder einmal anders, alleine die „Discozeitmaschine“ ist regelrecht kultig, wie kam es zu dem Song?

Mary Roos: Ja, klar ist mir auch wieder so eingefallen, als ich mit meinem Produzenten zusammen saß und zu ihm sagte, dass ich mal wieder bisschen etwas Retro machen möchte. Als junges Mädchen war es doch angesagt, in die Disco zu gehen, ‘ne Cola dabei und vor allen Dingen denStempel auf der Hand, der möglichst lange sichtbar sein musste, damit alles wussten, dass man in der Disco war, oder? Und ich war ein großer Fan von den Bee Gees und Beach Boys. Und so kam ich auf die Idee, Freunde mitzunehmen, die wohnen in Frankfurt und nennen sich Night Fever, ganz große Klasse, die werde ich auch noch zu zwei weiteren TV-Sendungen mitnehmen, weil die einfach sensationell sind.

Schlager.de: Du verteilst in Deinen Songs viele wichtige Botschaften, die uns alle angehen. „Deine Welt ist keine Insel“ z.B., da geht es um Toleranz, Dankbarkeit, Begegnung, das ist Dir schon wichtig, oder?

Mary Roos: Ja, absolut! Ich finde, das ist das Wichtigste am Menschsein ist, tolerant zu sein! Weißt Du, andere machen lassen, die Ruhe haben, zuzuschauen, auch wenn es einem nicht gefällt. Wenn man immer versucht, in einem Horizont zu leben, und nie mitbekommt, wie es ist, in einem anderen Land zu leben, wo es vielleicht nicht so schön ist, kann das schwierig sein. Mir ist es mal so ergangen, als ich für Unicef in Kolumbien unterwegs war, und dann daheim im Supermarkt vor einem Nudelregal stand und die Auswahl hatte unter 50 verschiedenen Sorten zu wählen, da hat es mich fast geschmissen. Verstehst Du, diese Gegensätze dort. Es gab fast gar nichts zu kaufen. Oft ist man in vielen Dingen so festgefahren, als wäre es selbstverständlich, dass es uns gut geht. Deshalb ist es wichtig, auch mal andere Länder kennenzulernen und auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt zu werden.

Schlager.de: „Stein auf Stein“ ist ein Song, der direkt unter die Haut geht, erzähl doch bitte ein wenig darüber!

Mary Roos: Ja, dazu ist gerade ein ganz hervorragendes Video entstanden. Das ist ein Lied, das ich schon seit 20 Jahren machen wollte, aber es ist eine Sache, bei der Du ganz schnell nach hinten kippen kannst, oder es peinlich werden kann. Und deshalb war es mir so wichtig, dafür die richtige Person zu finden, die dazu den Text schreibt und das war wie bei „Unbemannt“ die wunderbare Pe Werner. Sie hat einfach das Gespür. Weißt Du, was bei diesem Thema ganz wichtig ist? Zum Beispiel habe ich ihr gesagt, es darf nicht das Wort “Trümmerfrauen“ verwendet werden, was ihr niemals in den Sinn gekommen wäre, sie weiß einfach, was sie tut. Ich habe versucht, mich bei dem Video sehr zurückzunehmen. Es sollte um den Text gehen und nicht um mich. Und ich muss sagen, ich bin noch nicht mal schön in dem Ding…(lacht herzlich!) Noch ‘ne Kleinigkeit zu dem Song „Ich hab Zeit“. Weißt Du, wie der entstanden ist? Wenn ich so im Supermarkt stehe und es kurz vor Toresschluss ist, kommt so eine Rentnerin herein, ähnliches Alter wie ich und sagt „Moment mal, ich habe es passend“ dann kriege ich die Krise. Oder Du bist im Restaurant und merkst, wie die Leute gerne auf Deinen Platz wollen, dann denke ich für mich, okay, bestelle ich jetzt noch ‘ne Torte, das ist dann meine Rache, weil die Leute ja einfach nie Zeit haben.

Schlager.de: Du bist ja auch noch „Schiffsherrin“, wie kam es denn dazu?

Mary Roos: Jaaa, Schiffseignerin, bitteschön 🙂 Meine Schulfreundin rief mich an und sagte, die wollen ein Schiff nach Dir benennen, was ich für ein Spiel für die versteckte Kamera gehalten habe. Aber es war tatsächlich so, und ich habe jetzt eine wunderschöne Eventfähre, die mich auf die andere Rheinseite bringt. Ich bin ja schon als kleines Kind immer von Bingen nach Rüdesheim gefahren, und nun trägt eine Fähre meinen Namen. Das ist doch kein Zufall, oder? Ich habe im Moment sowieso das Gefühl, dass ich soviel zurück bekomme ohne Anstrengung. Also, so schließt sich der Kreis ganz wunderbar. Alles, was jetzt kommt sind Zugaben.

Herzlichen Dank, liebe Mary Roos, für dieses wieder einmal so unterhaltsame Interview. Wir wünschen Dir noch ganz viele herrliche Zugaben!