Erneut Voice Of Germany-Teilnehmer bei der deutschen Vorentscheidung?

Erneut Voice Of Germany-Teilnehmer bei der deutschen Vorentscheidung? © Christine Kröning / Schlager.de

Seit 1956, also von Anfang an, nimmt Deutschland beim Eurovision Song Contest teil. Wenngleich es nicht immer zum Sieg reichte, wurden unvergessene Hymnen kreiert, die bis heute die Spatzen von den Dächern pfiffen.

 

In den letzten Jahren ist der Wettbewerb immer mehr zu einem Nachwuchswettbewerb geworden. Da es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so gut wie keine Musikshow mehr gibt, wildert man verzweifelt nach gescheiterten bzw. nichtssagenden Casting-Teilnehmern der Privatsender.

Schon 2005 sind die Verantwortlichen diesen Weg gegangen. Mit Gracias (bekannt aus DSDS) Song „Run And Hide“ wurde ein „hervorragender“ letzter Platz erreicht. 2015 sollte mit Andreas Kümmert der Sieger der Casting Show „Voice Of Germany“ ins Rennen geschickt werden. Als er gewinn, fiel ihm ein, dass er keine Lust auf den Wettbewerb hatte.  2016 wurde Jamie Lee, Siegerin von Voice Of Germany 2015, zum Wettbewerb entsandt. Auch sie wurde Letzte.

Zwischendurch castete man auch mal selber: Mit Ann Sophie und Levina war die Ausbeute ähnlich: Letzter Platz.

Die neue Resterampe der Castingshows

Eine „europäische Expertenjury“ hat nun laut Bild-Zeitung aus nicht weniger als 4.000 Bewerbern sechs Teilnehmer herausgefiltert. Genau die Hälfte davon (drei) stammen erneut von Voice Of Germany, mit dessen Kandidaten man sich international nun wie oben geschildert schon mehrfach hochnotpeinlich blamiert hat (bis hin zur Ablehnung nach gewonnener Vorentscheidung).

Mit „VoXXclub“ hat man genau einen professionellen Act am Start. Aber der wird sich kaum durchsetzen können. Dazu wurde extra ein dubioses „Europa-Panel“ kreiert, bei dem kaum jemand durchblickt. Die Sache ist eigentlich ganz einfach: Gesucht wird ein Song, der in Europa ankommen kann. Dass es auf den Song ankommt, hat die „Experten(!?!?!?)-Jury“ auch nach nunmehr dreifacher Super-Blamage nicht begriffen und greift erneut hochprozentig auf Castingformate der Privatsender.

Das Publikumsvoting wird diesmal nur teilweise eine Rolle spielen. In diesem Jahr setzen die Verantwortlichen wieder auf eine Jury. Auch damit wurde ja in jüngerer Vergangenheit sehr „gute“ Erfahrungen gemacht. 2013 kürte das Publikum die Band „La Brass Bianda“ zum Sieger. Die „Experten(!?!?!?)-Jury“ überstimmte das Publikum und schickte Cascada zur Eurovision – mit bekanntem „Erfolg“: Platz 21 von 26 Teilnehmern.

Erfolg wird zum Fremdwort

Seit 2013 ist der NDR alleine verantwortlich für die Auswahl des Eurovisions-Beitrags Deutschlands. Seither liest sich die Bilanz wie folgt:

  • 2013: Cascada – “Glorious” – Platz 21 von 26
  • 2014: Elaiza – “Is It Right” – Platz 18 von 26
  • 2015: Ann Sophie – “Black Smoke” – Platz 27 von 27 (0 Punkte…)
  • 2016: Jamie Lee – “Ghost” – Platz 26 von 26
  • 2017: Levina – “Perfect Life” – Platz 25 von 26

Angesichts dieser Bilanz verwundert das diesjährige einfach nur haarsträubende Procedere wenig – offensichtlich wird dem Lied weiterhin keine Bedeutung beigemessen. Die großen deutschen Erfolgsautoren, wie wir sie derzeit haben – man achte alleine auf die Vielzahl der Songschreiber der aktuellen Helene-Fischer-CD – beteiligen sich offensichtlich nicht an der Eurovision. Da holt man sich lieber dritte-Wahl-Songs von internationalen Autoren, die nichtssagende Songs aus der Schublade holen – mit dem bekannten Ergebnis.

Der Grand-Prix ist beerdigt (?)

Wenigstens einen Vorteil haben diese Beobachtungen: Wer sagt, dass es „Experten“ waren, die für genannten Vorgänge verantwortlich sind, hält auch diejenigen für „Experten“, die behaupten, dass die Deutschen lieber 100 mal Harpo im Radio hören als Helene Fischer – das wird ja (freilich ohne Nennung der Quelle) immer gerne behauptet – beispielsweise beim Kölner WDR, der nebenan (in der Kölner Arena) ausverkaufte Schlagernächte beobachten kann und in dessen Sendegebiet Großereignisse wie der Schlagerbooom veranstaltet werden.

Nicht nur als Schlagerfreund, nein auch als Fan des Grand Prix’ kann man nur hoffen, dass VoXXclub sich irgendwie durchsetzen kann (und sei es, weil mal wieder der Voice-Sieger keine Lust auf die Eurovision hat und das wieder als reine Promo-Veranstaltung sieht), weil die Jungs hoffentlich ein gutes Autorenteam hinter sich wissen und damit zumindest nicht desaströs einbrechen wie alle deutschen Beiträge der letzten Jahre.