Neues bei Silvester-Stadlshow – Was sagt Ihr?

Neues bei Silvester-Stadlshow – Was sagt Ihr? © wikipedia.org/wiki/Jörg_Pilawa
Heiko Bremicker
† 01. Juli 2016
18.05.2016

Manchmal sind die Verantwortlichen einiger Sender unbelehrbar. Vor gut einem Jahr hat man Andy Borg entlassen und den von ihm wie auch vom Stadl-Vater Karl Moik immer glänzend, humorvoll und publikumsnah moderierten Musikantenstadl beerdigt. Und als neues Konzept die „Stadlshow“ geschaffen, mit einem Programm, das in der ersten Sendung gänzlich am Publikum vorbeilief. Während Andy Borg in seinen Sendungen auch zuletzt regelmäßig 4 – 5 Millionen Zuschauer für eine Mischung aus Volksmusik, volkstümlichem Bereich und Schlager begeistern konnte, folgte mit der „Stadlshow“ (welch einfallsreiche Namensgebung, vor dessen Genialität wir uns in Demut verneigen) – der vorhersehbare Absturz – letztlich auf rd. 2, 5 Millionen Zuschauer.

 

Ziel der Macher war es, das werberelevante Publikum von 14-49 zu erobern. Da stellen sich die Fragen: Wer aus dieser Zielgruppe sitzt tatsächlich an einem Samstagabend daheim vor dem Fernseher? Warum überhaupt „Werberelevanz“ bei gebührenfinanzierten Sendern? Warum wird dann die tatsächlich kaufkräftige Zielgruppe – auch für Musikprodukte – „50+“ dermaßen ignoriert und diskriminiert? Warum träumt man von Quoten – und setzt diese als Maßstab – als es für die meisten Zuschauer nur 3 Fernsehprogramme gab? Heute sind für jeden viele hundert Programme empfangbar!

 

Nach nur einer Hauptsendung und der Stadlshow zu Silvester (die immerhin eine große Bandbreite der bisher aus der Sendung beliebten Künstler aus dem volkstümlichen Bereich zu bieten hatte) war dann für das neue Konzept Schluss. Euphorisch wurde aber verkündet, dass es die Show zu Silvester (die überraschenderweise nun wieder offiziell „Silvesterstadl“ genannt wird) weiter geben wird, um den Gebührenzahlern nicht auch die letzte seit Jahrzehnten liebgewonnene Tradition zu rauben, wenn auch die letzten 3 bis 4 verbliebenen Sendetermine für volkstümliche Musik im Prime-Time-Programm entfallen sind. Und damit kommen wir gleich einmal zu einer sozialen Komponente, die von unseren Programmgestaltern nicht berücksichtigt wird. Schlager und Volksmusik boomen derzeit bei den Live-Veranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir als Berichterstatter sind in der privilegierten Situation, viele Veranstaltungen besuchen zu können. Zahllose Fans geben alles dafür, um bei den schönen großen und kleinen Veranstaltungen dabei zu sein. Aber nicht jeder kann das, gerade beim älteren Publikum sind viele Menschen dabei, die sich den Besuch der Veranstaltungen finanziell oder auch körperlich leider nicht mehr erlauben können. Gebühren für das Programm dürfen (müssen) sie – auch bei schmaler Rente - trotzdem bezahlen – auch wenn nun 3 bis 4 gewohnte TV-Termine für ihre Lieblingsmusik im Jahr nun fehlen.

Alles bekannt – und man könnte meinen, die Programmgestalter hätten (wie jeder mit einem halbwegs gesunden Menschenverstand) daraus gelernt. Aber da folgt sogleich die nächste Überraschung. Heute wurde bestätigt, dass ein neuer Moderator die Silvester-Stadlshow (ach ja, wieder Silvesterstadl!) moderieren wird: Jörg Pilawa. Hallo???? Nichts gegen den sympathischen norddeutschen Quizmaster, in diesem Bereich sicher einer der erfolgreichsten in Deutschland. Aber haben die Macher nicht kapiert, dass ein Genre-fremder Moderator, der nicht den geringsten Bezug zur Volksmusik hat, vom Publikum nicht akzeptiert wird? (Anders herum könnte Andy Borg ja nun auch die „Sportschau“ moderieren.) Das hat bei dem nun aussortierten Moderator Alexander Mazza nicht funktioniert und es wird leider auch bei Jörg Pilawa nicht funktionieren, obwohl dessen Sympathiewerte die seines sporadischen Moderator-Vorgängers um ein Vielfaches übertreffen. Und mit 50 Jahren ist er ja schon recht nah an der von den Sendern für verdiente Moderatoren festgelegten „Altersgrenze“. Nach den heute veröffentlichten Berichten soll es den Silvesterstadl weiter mit Francine Jordi geben, die leider schon bisher durch das nicht durchdachte Konzept einiges aushalten musste, und nach der Lesart der bisherigen Quellen zur Co-Moderatorin „degradiert“ wurde.

 

Aber die Macher suchen den Fisch (= Moderator) im falschen Teich! Jemanden ohne einen echten Bezug zu seinen Gästen und ihrer Musik wird das verblieben Publikum niemals akzeptieren, zumal seine Omnipräsenz im deutschen Fernsehen (gefühlt 3x täglich) auch nicht wirklich neugierig auf ein neues TV-Event macht. Wir lassen uns gern eines Besseren belehren. Aber die Quote zu Silvester wird wohl eher durch die Auswahl der Künstler bestimmt als durch die Moderatoren.

Die heutige Quizfrage lautet daher: Wie viele Zuschauer wird der „Silvesterstadl“ erreichen?

  1. A) 1, 5 Millionen
  2. B) 2,0 Millionen
  3. C) 2,5 Millionen
  4. D) Die Antwort ist ausgeschlossen. Um angesichts der heutigen Nachrichten auf über 3 Millionen zu tippen, müssten schon Helene Fischer, Andreas Gabalier, ein internationaler Gast (mindestens Robbie Williams) und die Wiedervereinigung von ABBA gleichzeitig im Programm sein.

 

So lesen sich einige Zitate zum neuen Konzept:

 

"So wie ‚Dinner for one‘ gehört für viele Zuschauer der ‚Silvesterstadl‘ zum Jahreswechsel. Dass in diesem Jahr Jörg Pilawa durch die Eurovisions-Show führen wird, ist eine großartige Sache für ihn und die ARD. Mit seinem Charme, seiner Spontaneität und Francine Jordi an seiner Seite wird er für die richtige Partystimmung in Deutschland, Österreich und der Schweiz sorgen."

ARD-Programmdirektor Volker Herres

 

"Die ‚Stadlshow‘ hat zwar in Österreich und der Schweiz funktioniert, wurde aber vom deutschen Publikum nicht im gewünschten Maße angenommen und daher haben wir uns zu einen Neustart entschlossen.“ Und weiter: „Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir wieder an unsere erfolgreiche Tradition anknüpfen und zum Jahreswechsel den ‚Silvesterstadl‘ mit seiner bewährten Musikfarbe zeigen. Es freut mich ganz besonders, dass wir mit Jörg Pilawa einen der großen deutschen Showmoderatoren gewinnen konnten und Francine Jordi wieder mit dabei sein wird."

ORF-TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm

 

"Silvester ist Silvester ist Silvester und damit Party. Und darauf habe ich riesige Lust. Durch ‚Spiel für dein Land‘ weiß ich, die Österreicher machen super Stimmung und deshalb freue ich mich darauf, mit 3.000 Fans in Graz ins neue Jahr zu feiern. Und keine Angst, das Singen überlasse ich Francine & Co."

Jörg Pilawa

 

„Damit folgt auf das "Musikantenstadl", das "Silvesterstadl", die "Stadlshow" und die "Stadlshow Silvester" nun wieder das "Silvesterstadl". Markenpflege sieht anders aus.“

Hannoversche Allgemeine Zeitung

 

Es hätte eine einzige Möglichkeit gegeben, aus dieser Eurovisionssendung am letzten Abend des Jahres wieder einen Quotenhit zu machen, aber dazu hätten die Verantwortlichen der beteiligten Sender wohl auf Knien in ein kleines Örtchen in der Nähe von Passau rutschen müssen. Diese Chance wurde vertan. Leider. Vor allem auch für die Zuschauer.

Schlager.de wird Euch rechtzeitig vor Silvester alle erdenklichen Sendetermine von „Dinner for one“ bekannt geben, damit wenigstens eine deutsche Silvester-Tradition erhalten bleibt.

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11 Kommentare

Heiko Bremicker18.05.2016Heiko Bremicker

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