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Der harte Weg zum Schlagerstar: Von Vincent Gross bis Bernhard Brink

Der harte Weg zum Schlagerstar: Von Vincent Gross bis Bernhard Brink © Schlager.de/G&D Breuer-Konze

Dass die Schlagerbranche zunehmend auch für einen Blick hinter die Kulissen interessant ist, beweist eine Reportage, die jetzt unter dem Titel „Traumjob Schlagerstar?“ im NDR zu sehen war. Dabei überschreiben die Autorinnen Domenica Berger und Stefanie Gromes ihre Dokumentation mit einer Frage, die nur auf den ersten Blick leicht zu beantworten scheint. Beide haben für ihren Film den Newcomer Vincent Gross und Schlager-Urgestein Bernhard Brink ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Schnell wird deutlich, dass das, was im Scheinwerferlicht so perfekt ausgeleuchtet erscheint, abseits der Bühne harte Arbeit und alles andere als glamourös ist.

 

Damit aus Talent auch tatsächlich ein gefragter Star wird, muss die Karriere der bracheneigenen Aufmerksamkeitsökonomie folgen und marktgerecht aufgebaut werden. Nichts wird einfach so dem Zufall überlassen. Das lernt seit einiger Zeit der 20-jährige Vincent Gross, den das Kamerateam dabei zeigt, wie er gemeinsam mit seiner Managerin Astrid van der Haegen seine erste eigene Deutschlandtour vorbereitet. Sie weiß: “Erfolg im Schlagergeschäft zu haben, ist wie eine Rolltreppe hoch laufen, die abwärts fährt. Bleibst du stehen, trägt es dich runter”. Damit genau das nicht passiert und die Plattenfirma an Gross festhält, müssen permanent Social-Media-Strategien gefahren, Fans hinzugewonnen und Konzerttickets verkauft werden. Gross wird als sensibler Held inszeniert. Um den Erwartungen zu entsprechen, trainiert er in Coachings seine Bühnenpräsenz und den Umgang mit den Fans. Selbst die Großen der Branche, wie beispielsweise Helene Fischer und Vanessa Mai, vertrauen auf Coaches, die ihnen helfen, ihr Image zu perfektionieren und einen Bekanntheitsgrad aufzubauen, der sie langfristig im Geschäft hält.

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Vincent Gross

Vincent Gross – Joanna | Das große Fest der Besten mit Florian Silbereisen 7-1-2017
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“Traumjob Schlagerstar” oder Akkordarbeit?

Und auch wenn Bernhard Brink, der Thomas Gottschalk der Schlagerbranche, genau das nicht mehr nötig hat, sagt er dennoch: „Der Druck, der auf den Künstlern lastet, den sieht das Publikum nicht.“ Brink hat im Juni 2017 seine neue CD „Mit dem Herz durch die Wand“ veröffentlicht. Die Promotion ist Akkordarbeit. Die Kamera ist dabei, wie er etwa 70 Termine in drei Wochen absolviert. Die großen Fernsehshows gehören genauso dazu wie Autogrammstunden und Werbetermine bei TV-und Radiosendern. Um sein Album vorzustellen, ist Brink außerdem in 14 Einkaufszentren unterwegs.

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Bernhard Brink

Bernhard Brink – Giganten (Offizielles Video)
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Die Schlagerbranche sei frischer geworden, seit Helene Fischer, so beschreiben es die beiden Autorinnen, ihr ein Rundum-Lifting verpasst habe. Doch wer denkt, es sei hier leichter als in anderen Genres, Fuß zu fassen, dem widerspricht Brink: „Wer meint, das Schlagerglück ist schnell gemacht, der irrt gewaltig. Viele beißen sich die Zähne aus.“ Denn auch wenn dieses Glücksversprechen der Branche eigen zu sein scheint, versteckt sich letztlich genau darin nicht weniger als eine Kalkulation aus Angebot und Nachfrage.

“Viele beißen sich die Zähne aus.”

Am Ende ist die Tour von Vincent Gross zu 90% ausverkauft. Alle sind, jedenfalls für den Moment, zufrieden. Und auch Bernhard Brink freut sich über sensationelle Verkaufszahlen und legt sein erfolgreichstes Album seit 30 Jahren vor. Die Reportage erlaubt einen spannenden Einblick in die Schlagerszene, der so viel mehr erzählt als die Inszenierungen für die Bühne. Die Frage nach dem Traumjob bleibt am Ende jedoch offen. Die Schlagerbranche ist in Bewegung, aber für alle Akteure gilt: Beim Wettlauf auf der Rolltreppe darf niemandem die Luft ausgehen.

Die Reportage ist noch bis zum 16.03.2019 in der ARD-Mediathek verfügbar.