Radio starten Schlager.de Radio

Roland Kaiser – Die Kaisermania steht vor der Tür

Roland Kaiser – Die Kaisermania steht vor der Tür © Toni Kretschmer

Am Wochenende ist es soweit: Die Kaisermania in Dresden ist nicht nur der jährliche Höhepunkt der Roland Kaiser-Konzerttournee, sondern auch eines der größten Schlagerhappenings deutschlandweit. Was die vier Konzerte so besonders macht, was Roland Kaiser schon jetzt über sein neues Album verrät und warum seine Tochter sein Leben auf den Kopf stellt, hat er uns exklusiv im Interview erzählt.

 

Schlager.de: Sie haben im April in Bielefeld Ihre Hallentour beendet und steuern nun mit den Open Airs in zwei Wochen auf die Kaisermania in Dresden zu. Wie fällt Ihre Konzert-Halbzeitbilanz aus?

Roland Kaiser: Sehr positiv. Das betrifft nicht nur die Kartenverkäufe im Vorfeld, sondern auch die Reaktionen des Publikums. Die Stimmung insgesamt war großartig. Auch die Presse hat sehr positiv über uns berichtet. Ich bin mehr als zufrieden.

Spielen Sie eigentlich lieber Open Airs oder sind Sie lieber in der Halle?

Beides hat seinen Reiz.

Die Konzerte in Dresden sind für Sie mittlerweile ein Heimspiel, Sie machen das jetzt im 14. Jahr. Ich habe mal versucht, den Erfolg mit einem Zitat von Loriot zusammenzufassen: „Es ist der Reiz des Lebens, dass man nicht alles für selbstverständlich hält, sondern noch bereit ist, sich zu wundern.“ Passt das zu dem, wie Sie selbst Dresden sehen?

Ja, das passt wunderbar. Ich bin ja ein großer Verehrer von Vicco von Bülow, und es ist jedes Mal für uns alle, für meine Musiker und mich, ein Wunder, dass die Menschen ohne Anlaufzeit sofort da sind und sich in einer für uns unvergleichlichen Euphorie befinden. Das ist das Besondere. Die tolle Stimmung liegt aber auch daran, dass die Menschen sich selbst feiern. Man sitzt auf den Wiesen neben dem Konzertgelände, grillt, trinkt ein Glas Wein zusammen. Auch die Brücken sind voller Zaungäste. Es ist nur gute Laune unterwegs. Man ist sozusagen unverabredet miteinander verabredet. Wir sind immer getragen von einer Welle der Begeisterung. Ein tolles Gefühl.

Klick Dich hier in das aktuellste Video Deines Stars!

Roland Kaiser

Roland Kaiser – Warum hast du nicht nein gesagt (feat. Maite Kelly)

Video abspielen

Die etwa 48.000 Karten für die vier Konzerte in Dresden waren letztes Jahr in Rekordzeit, nämlich in neun Stunden, ausverkauft. Trotzdem spielen Sie keine Zusatzkonzerte. Haben Sie Angst, Sie könnten den Erfolg zu sehr ausbeuten?

Ich habe lange mit meinen Partnern gesprochen. Mit Dieter Semmelmann von Semmel Concerts, seinen Mitarbeitern und mit meiner Familie. Wir alle sind übereinstimmend zu dem Schluss gekommen: Das reicht. Man soll sein Glück nicht überstrapazieren.

In einem Interview mit dem stern im September letzten Jahres sprachen Sie über die „verblüffende Dimension Ihrer Alterskarriere“. Was verblüfft Sie daran am meisten?

Die ungebrochene Zustimmung meiner langjährigen Konzertbesucher und die Zuwendung des jüngeren Publikums.

Ihr aktuelles Album, mit dem Sie auf Tour sind, heißt „Auf den Kopf gestellt“. Wer oder was hat denn Ihr Leben zuletzt so richtig auf den Kopf gestellt?

Ich habe vor zehn Tagen das Abitur meiner Tochter gefeiert. So was stellt das Leben temporär auf den Kopf, wenn ich überlege, wie ich dieses kleine Wesen begleitet habe von den Windeln bis zum Abitur, von einem kleinen Baby, das allen Schutz und alle Fürsorge braucht. Jetzt ist sie allein mit einer Freundin unterwegs und verbringt den Urlaub mit ihr. Das ist schon ein Schritt. Das stellt mich vom Gefühl her auf dem Kopf, und ich denke: „Donnerwetter, wie sie sich entwickelt hat.“ Das ist toll.

„Meine Tochter sagte mir vor einem Konzert: 'Verkack' es nicht, Papa!'“

Weil Sie von Ihrer Tochter sprechen, komme ich noch einmal zurück auf das Interview im stern. Sie erzählten, wie sie vor einem Konzert in Dresden zu Ihnen kam und sagte: „Verkack' es nicht, Papa!“

Ja, das stimmt. Vor den Konzerten kommen immer ganz viele wichtige und unwichtige Leute und sagen zu einem: „Mensch, du machst das schon und ganz toll und so“, und sie kam einfach zu mir und sagte: „Papa, verkack es nicht!“ Ja, und wenn man es dann nicht verkackt hat, dann bekommt auch mal ein Küsschen auf die Wange.

Sie sagen, Sie gehen musikalische Entwicklungen mit, aber nur, insoweit sie zu Ihnen passen.

Ja, man muss versuchen, aktuell zu sein und wie 2017 zu klingen. Die Bühne in Dresden wird in diesem Jahr noch aufwendiger sein als im letzten Jahr. Die Arrangements wurden überarbeitet, die werden noch überraschender. Alles mache ich jedoch nicht mit. Ich versuche beispielsweise immer, die eigene Sprache hochzuhalten und Anglizismen zu vermeiden.

Sie haben wiederholt gesagt, Sie vermissen Zeitgeist und Gesellschaftskritik beim Schlager.

Ja, das stimmt. Ich habe Sartre zitiert: „Kunst ist reflektierte Gegenwart.“ Vielleicht ist ja ein Titel wie „Zehn nackte Friseusen“ Zeitgeist. Das mag sein. Das will ich aber nicht hoffen. Zeitgeist war in den 50er, 60er Jahren im Schlager vorhanden. Als wir in Deutschland das Wirtschaftswunder hatten, hat Hazy Osterwald gesungen: „Geh'n Sie mit der Konjunktur.“ Als wir genug Geld hatten, um wieder ins Ausland in den Urlaub zu fahren, da hieß es: „Komm' ein bisschen mit nach Italien.“ Dann hatten wir ein Überangebot an Krimiserien, Edgar Wallace, Fancis Durbridge. Plötzlich sangen alle: „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett.“ Die Texte haben reagiert auf das, was draußen passierte. Später findet sich das in einem Lied von Udo Jürgens. In dem Titel „Ein ehrenwertes Haus“ ist es dem Texter Michael Kunze gelungen, gesellschaftskritisch eine Situation zu zeichnen und sie mit einer Zweierbeziehung aufzulösen: „Du und ich, wir passen nicht in dieses ehrenwerte Haus.“ Die Kunst dabei ist, dass es keinen erhobenen Zeigefinger gibt. Mit einem Lächeln in den Augen wird gesagt: „Guckt euch mal an, was hier los ist. Und macht euch mal eure Gedanken darüber.“

Gibt es aktuell einen deutschsprachigen Musiker, der den Zeitgeist gut einfängt?

Sicherlich haben die jungen Musiker, die unterwegs sind, den Finger am Puls der Zeit. Übrigens ganz anders als die Neue Deutsche Welle, die ja eine Spaßwelle war. Aber Künstler wie Gregor Meyle oder Johannes Oerding, die haben einfach ein anderes Anliegen. Die wollen ernst genommen werden. Oder auch Herbert Grönemeyer oder Udo Lindenberg. Aber in dem Bereich, in dem ich mich bewege, bin ich immer auf der Suche nach solchen Ideen. Ich suche nach Texten, die ins Allgemeingut übergehen, wie eben „Ein ehrenwertes Haus“ oder „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens. Aber die sind wirklich schwer zu finden.

Bei einem Konzert von Andrea Berg hatte Xavier Naidoo einen Gastauftritt. Er hat mit Vicky Leandros sogar ein ganzes Album gemacht. Würden Sie so etwas auch wagen: Roland Kaiser meets Soul and R&B?

Wagen? Ach, das ist doch kein Wagnis. Das ist Freude am Tun und schauen, was das Publikum dazu sagt.

Haben Sie mal konkret über so eine Kooperation nachgedacht?

Ja, lassen Sie sich überraschen.

Heißt das, wir können uns auf ein neues Album freuen?

Ja, das wird im Herbst erscheinen.

Der Schlager ist im Moment populär wie nie. Was ist die Ursache für diesen Erfolg?

Es gibt wieder eine Hinwendung zur eigenen Sprache. Die Leute sind auch viel offener, was den Musikgeschmack angeht.

Es heißt, Schlager verkauft sich heute über das Fernsehen, und er braucht die Inszenierung. Sie machen vergleichsweise wenig im Fernsehen und verzichten schon immer bewusst auf Inszenierungen. Warum?

Ich glaube, dass man nicht überall auftauchen sollte. Man macht sich sonst beliebig. Ich mache weniger, und weniger ist in diesem Fall mehr. Das ist immer schon meine Devise gewesen, nicht überall und jederzeit verfügbar zu sein.

Sie haben sich von der Schlagerbranche nie ganz vereinnahmen lassen und sind sehr selbstbestimmt. Warum ist Ihnen die Distanz so wichtig?

Ich bin immer bemüht, mein Berufsleben von meinem Privatleben zu trennen. In meinem Beruf gehört Öffentlichkeit dazu, in meinem Privatleben nicht.

Sie binden viel junges Publikum, und Sie sagen, das sei Ihr Vertrag mit der Zukunft. Wir hoffen, dass dieser Vertrag auf absehbare Zeit keine Ausstiegsklausel für Sie enthält.

Für mich gilt ja sowieso immer nur eins: Gute Arbeit machen, so dass die Konzertbesucher sagen: „Es hat sich gelohnt, es hat Spaß gemacht, ich komme nächstes Jahr wieder.“

Herr Kaiser, vielen Dank für das Gespräch. Viel Erfolg für die bevorstehenden Konzerte und alles Gute für Sie!

Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Dich in Deinem Browser über die wichtigsten Schlager Nachrichten informieren?
Benachrichtigung aktiviert
Sina Worm04.08.2017Sina Worm

Die 3 beliebtesten
Schlager-News

Schlager.de - Alles für den Fan