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Alexander Kerbst: “Falco war ein schüchterner Mensch”

Alexander Kerbst: “Falco war ein schüchterner Mensch”

Johann “Hans” Hölzel, vielen besser bekannt unter dem Namen Falco, verstarb am 06. Februar 1998 durch einen Autounfall in der Dominikanischen Republik. Um diesen Ausnahmekünstler zu ehren, ist die Musical-Biographie “FALCO – Das Musical” quer durch Deutschland auf Tour. In Regensburg hatten wir die Gelegenheit mit Alexander Kerbst, dem Hauptdarsteller, zu sprechen und ihn zu seiner Beziehung zu Falco zu befragen.

 

Lieber Herr Kerbst, wir freuen uns, dass Sie die Möglichkeit eingeräumt haben, heute mit Ihnen zu sprechen. Was empfinden Sie bei so viel Wohlwollen der Zuschauer dem Thema “Falco” gegenüber?

“Ich glaube, dass das natürlich etwas mit Falco zu tun hat. Aber er wurde in letzter Zeit ja auch sehr durch den 60. Geburtstag (am 19.02.2017) und den 20. Todestag (am 06.02.1998) gehypt. Natürlich hat es auch etwas damit zu tun, dass das Musical qualitativ sehr gut geworden ist. Wir haben beispielsweise ganz viele Wiederholungstäter, die bereits das dritte Mal dabei sind. Diese hätten wir natürlich nicht, wenn es nicht so gut geworden wäre.”

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere am Menschen Falco? Anders gesagt: Wie würden Sie den Sänger Falco beschreiben? Hatten Sie auch die Gelegenheit, ihm zu Lebzeiten zu begegnen?

“Leider hatte ich diese Gelegenheit nicht, aber ich konnte mit vielen Weggefährten sprechen, u.a. mit Thomas Rabitsch, seinem Bandleader, mit Horst Bork, der sein Manager war, und mit vielen weiteren Kollegen und Weggefährten, die zusammen mit Falco damals in der Neuen Deutschen Welle aufgetreten sind. Diese Personen haben mir einige interessante Sachen über den Menschen Falco erzählen können. Ich persönlich glaube, dass Falco ein ganz schüchterner Mensch gewesen ist. Er ist ganz unsicher und schüchtern gewesen und hat sich dann diese Attitüde zugelegt, um sich in diesem Business zu schützen. Ich weiß das auch von Thomas Rabitsch, der sagte, dass Falco immer “der Hans” gewesen sei, aber kurz vor Beginn des Konzerts veränderte er sich zu Falco. Davor hatte er ganz normal als Hans geredet und gesprochen.”

Wenn man sich mit Falco beschäftigt, erfährt man, dass er es geliebt hat, im Mittelpunkt zu stehen und bejubelt zu werden. Was würde er über das Musical sagen? Wäre es in seinem Sinne?

“Ich glaube, es würde ihm gefallen, weil es um Falco geht, alles dreht sich nur um ihn, er selbst steht in der Mitte, es ist erfolgreich. Wir sind zuschauermäßig im dritten Jahr und laufen auf die 300.000 Zuschauer zu (aktuell: 260.000), daher glaube ich, dass es ihm schon gefallen hätte. So eitel, wie er war, hätte ihm das garantiert gefallen.”

Gibt es markante Eigenschaften, die man Johann “Hans” Hölzel zuschreiben kann? Bewegungen, Ausdruckweisen, Wortwahl etc.?

“Das weiß ich leider nicht, aber ich weiß, dass er sehr penibel gewesen ist. Es musste bei Falco alles genau stimmen. Er hat Songtexte einfach zerrissen, obwohl der Termin am nächsten Tag gewesen ist. Er wollte es eben perfekt machen und hat auch da nicht lockergelassen. Eine ganz typische Eigenschaft von Falco war es daher, Perfektionist zu sein.”

“Rock me Amadeus”, ein Song, der am heutigen Abend sicherlich auch erklingen wird, erreichte als bis heute einziges deutschsprachiges Lied die Spitze der US-Billboard-Charts. Was hat Falco bewegt, diesen Song zu singen? Hatte er eine Leidenschaft für die Musik des Landsmannes Wolfgang Amadeus Mozart?

“Nein, es war genau anders herum, denn er wollte diesen Titel gar nicht singen. Damals hatte Falco mit Bolland & Bolland, ein niederländisches Produzenten-Duo, zusammengearbeitet und Falco meinte zu dem Song: “Na, diese Kasfresser, den Titel singe ich nicht”. Der Titel hat ihm nämlich überhaupt nicht gefallen. Die Produzenten haben aber immer wieder versucht, Falco davon zu überzeugen, den Titel zu singen. Ich habe mit Fred Bolland auch einmal darüber gesprochen, als er tatsächlich einmal in Wien bei unserer Musicalaufführung gewesen ist und er sagte, dass Falco dieses Lied am Anfang keineswegs haben wollte. Es habe die Produzenten viel an Überredungskunst gekostet und schließlich veränderte Falco noch etwas am Text, bis er sich schließlich dazu durchringen konnte, das Lied doch zu singen. Der Erfolg ist dann erst dadurch entstanden, wie die Bollands das Ganze gemixt haben und durch die Beziehungen und den Plattenverlag, der es ermöglichte, den Song in den USA zu platzieren. Falco selbst ist wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, er wollte das Ding nämlich gar nicht machen.”

Johann Hölzel war in seinem musikalischen Wirken sehr facettenreich: Einerseits die spannungsvollen, lebhaften Lieder wie “Der Kommissar” und “Vienna Calling” und andererseits die ruhigen, nachdenklichen Stücke wie “Jeanny” oder “Out of the Dark”. Welcher Stil war Falco lieber?

“Ich glaube, dass dies etwas mit der Entstehungszeit der Lieder zu tun hat: Am Anfang war er mit knapp 23 Jahren jung und hatte etwas schnellere Sachen gemacht. Später kam immer mal wieder eine Depression hinzu. Durch die Drogen und den Alkoholmissbrauch kam es oft auch dazu, dass Johann Hölzel “down” gewesen ist. Aufgrund dieser Erfahrungen kam es zur Entwicklung dieser Balladen, in denen er sich tiefere Gedanken über das Leben gemacht hat. “Muss ich dann sterben, um zu leben”, lautet ja auch eine Zeile von “Out of the Dark”.”

Die Anhänger von Johann Hölzel kennen ihn unter dem Künstlernamen Falco. Wie kam er denn zu diesem Namen? Hat ihn jemand zur Wahl dieses Namens inspiriert?

“Er hat sich versucht, einen Künstlernamen zu geben und hat dabei überlegt, was das Beste wäre, um ein “Überflieger” zu sein. Da sah er den DDR-Skispringer Falko Weißpflog im Fernsehen und hat gesagt: “Irgendwie so”. Daraufhin stellte er die Namen E L V I S und F A L C O gegenüber und stellte fest: “Das passt2. Im Film wird dies auch so dargestellt, dass Johann Hölzel geschaut hat, wie andere Große Künstler heißen und dachte: “So einen Namen möchte ich mir auch geben”. Am Anfang hieß er noch Falko Gottehrer und schrieb sich dann später als Falco mit “c”. Das “k” hat er natürlich aus seinem Namen herausgenommen, weil er international Karriere machen wollte und da ist das “k” zu provinziell. So kam es eben zustande und später sagte er: “Das Gottehrer, lass es einfach weg, sag einfach nur Falco”.”

Auf dem Zentralfriedhof von Wien befindet sich das Grab Johann Hölzels. Sind Sie dort schon gewesen?

“Ja, ich bin schon dort gewesen. Im vergangenen Jahr hatten wir eine große Presseveranstaltung mit ca. 30 Leuten und da sind wir mit einem Bus durch ganz Wien gefahren und kehrten unter anderem in einem Restaurant ein, indem Falco im oberen Stockwerk gewohnt hat. Dieses war sein Stammlokal und natürlich mussten wir dann auch dort eine Mahlzeit zu uns nehmen. Anschließend waren wir natürlich auf dem Friedhof und in der Villa und im U4, wo ich zusammen mit der Falco-Band, welche ja nicht mehr ganz komplett ist, einige Titel gesungen habe. Das war ein absolutes Highlight.”

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