Edward von Windsor: Der mysteriöse Millionärs-Mord riss den Ex-König in einen Skandal

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Edward von Windsor: Der mysteriöse Millionärs-Mord riss den Ex-König in einen Skandal © IMAGO / ZUMA Wire
DAS NEUE BLATT
11.09.2021

Seine luxusliebende Ehefrau brachte dem Herzog kein Glück. Für Wallis Simpson ließ er sich sogar in dunkle Machenschaften verwickeln … (Serie: Geheimakte Royal)

Ein Orkan raste am 8. Juli 1943 über die Bahamas. Im Morgengrauen stoppte ein Polizei-Jeep mit Blaulicht vor einer Villa. Detektiv Charles Pemberton schlug gegen das Tor der Residenz von Herzog Edward. Wallis schreckte hoch, ihr Mann eilte zur Schlafzimmertür. Ein Wächter brachte den Detektiv in den ersten Stock. „Sir Harry Oakes wurde ermordet. Er liegt in einem Meer aus Blut. Sie haben die Leiche mit Benzin übergossen und angezündet“, flüsterte er.

Der Herzog erstarrte. Er war der Herrscher der gottverlassenen Kronkolonie in der Karibik, wo sich Glücksritter, Stars und Millionäre im Zweiten Weltkrieg versteckten. Englands Ex-König wurde 1940 nach seiner Hochzeit mit der geschiedenen Amerikanerin dorthin strafversetzt. Der Mord riss Edward und Wallis in den Skandal.

Der Tote spielte in ihrem Exil-Leben eine Hauptrolle. Als sie im August 1940 auf der Insel landeten, fanden sie eine verkommene Residenz vor, über der die Flagge des Königreichs wehte. „Schäbige Möbel, Schimmel an den Seidentapeten. Dieses Haus ist eine Schande. Edward war der König von England!“, schrieb Wallis an ihre Freundin in London. Auf einer Party trafen die Windsors einen bulligen Mann mit Strohhut und Zigarre. Sir Harry Oakes machte Millionen mit Goldminen. Der reichste Mann der Insel bot dem Paar sein Herrenhaus als Zuflucht an.

Auf der Insel war der Amerikaner gefürchtet. Wallis gefiel der Draufgänger. Edward stand vor dem Ruin, das magere Gehalt als Gouverneur der Bahamas reichte nicht einmal für ein paar Chanel-Kleider und einen Diamantring von Cartier. Edward war jedoch Wallis verfallen. Aber sie drohte, den Avancen des gerissenen Oakes zu erliegen. Auf der Insel gab es Gerüchte, dass sie dessen Geliebte sei. Edward hatte Angst, Wallis zu verlieren.

Sein Rivale erfuhr von der Notlage und lieh ihm zwei Millionen Dollar. Damit hatte ihn der Millionär in der Hand. Edward deckte die Machenschaften von Oakes, der Millionen Schwarzgelder seiner Freunde in Amerika auf den Bahamas-Banken versteckte. „Der Herzog saß auf einer Zeitbombe. Er war zum Komplizen von Sir Oakes’ schmutzigen Deals geworden“, schrieb Stuart McIver in der Miami-Zeitung. Der Herzog versuchte verzweifelt, das Geld zurückzuzahlen. Da tauchte Miamis Unterwelt-König auf: Mafia-Boss Meyer Lansky plante ein Casino-Imperium auf den Bahamas. Die Genehmigung konnte ihm nur der Herzog erteilen. Hinter Oakes’ Rücken traf sich Edward mit ihm. „Der Herzog und Sir Oakes wurden über Nacht Feinde, denn der Millionär träumte von einem Casino auf Paradise Island“, verriet Oakes’ Schwiegersohn, Graf Alfred de Marigny, in seinem Buch „Wer tötete Harry Oakes?“.

Der Herzog versuchte, Spuren zu verwischen. Nur eine Stunde, nachdem Oakes gefunden wurde, wählte er eine Geheimnummer in Miami. „Wir haben einen Toten. Ich vermute Selbstmord. Kommen Sie!“, befahl der Herzog James Barker vom Mord-Dezernat, der früher als Bodyguard für ihn gearbeitet hatte. Barker ahnte, dass der Herzog darin verwickelt war, nahm den nächsten Flug.

Der Kommissar entdeckte zwei Einschüsse am Hinterkopf der Leiche. Selbstmord war ausgeschlossen. Am Tatort fand er einen Fingerabdruck vom Schwiegersohn des Toten. Dieser Graf hatte Oakes’ 18-jährige Tochter heimlich geheiratet. Nancy war Millionenerbin. Oakes hasste den Casanova mit dem windigen Adelstitel, auch Edward missfiel er. Nancy ließ ihren angeklagten Mann nicht fallen. Sie heuerte Amerikas besten Privatdetektiv an. Dieser deckte auf, dass die Cops aus Miami die Abdrücke von einem Wasserglas nahmen, das der Graf während des Verhörs angefasst hatte. Der Prozess dauerte 25 Tage. Am 14. November 1943 fällten die zwölf Geschworenen das Urteil: nicht schuldig! Edward verbannte den Grafen von den Bahamas, Nancy kassierte die Millionen ihres Vaters und heiratete später einen Baron.

Ein Jahr nach dem Prozess flohen Wallis und Edward nach Paris und wurden die Stars des Jetsets. Er überhäufte sie mit Schmuck und Kleidern. „Die Millionen kamen aus den dunklen Geschäften des Herzogs, die Oakes das Leben kosteten“, schrieb der mordverdächtige Graf in seinem Buch. Der Mord blieb ungeklärt, die Akte verschwand in einem Stahlschrank der Polizei von Nassau.

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