Roy Black – Rührender Abschiedsbrief von seinem Sohn

Gastartikel
Roy Black – Rührender Abschiedsbrief von seinem Sohn © Wikimedia Commons / Kungfuman
NEUE POST
13.05.2021

Als Roy Black starb, war sein Sohn Torsten erst 15 Jahre alt. Exklusiv in NEUE POST schreibt der heute 44-Jährige nun – 30 Jahre nach dem Tod des Sängers – einen Abschiedsbrief an seinen Vater und teilt seine schönsten – und auch kuriosesten – Erinnerungen.

Hallo, mein lieber Roy, mein geliebter Vater!

Um ehrlich zu sein, weiß ich nach 30 Jahren gar nicht, wie ich Dich heute nennen würde. 30 Jahre sind ein Universum an Entfernung, und doch war es erst gestern. Gestern war ich bei Deiner Beisetzung. Nicht der Beerdigung. Die war später und es sind viel zu viele Menschen gekommen, dass ich wirklich stillen Abschied nehmen konnte. Hier aber waren nur ich, Deine Mutter, Dein Bruder und ein Geistlicher. Es war früh am Morgen und eiskalt. Später sollte ich erfahren, dass uns die ersten Paparazzi nur um 15 Minuten verpasst hatten. Aber da war schon alles vorbei. Es sollte nur etwa eine halbe Stunde dauern, in der ich von dir Abschied nehmen durfte.

Das war’s. 15 Jahre war ich bei Dir und dann nie wieder. Ich sollte akzeptieren, dass es das nun endgültig war. Ich konnte nicht. Ich wollte nicht. Ich war wütend. Aber auf wen? Auf Dich? Deinen Beruf? Sollte ich mich in Trauer verlieren? Oder sollte ich das Schicksal verantwortlich machen, dass es so gekommen ist? Vielleicht würde mir die Wut helfen, die Zeit zu überstehen. Das dachte ich wenigstens am Anfang. Was mir tatsächlich geholfen hat, waren all die Erinnerungen, die ich bis heute bei mir trage. Erinnerungen, die teilweise recht kurios sind …

Ich erinnere mich an das eine Mal, als ich im Bett neben Dir lag und meinte, Deine Uhr ticken zu hören. Doch es war nicht deine Uhr. Du erklärtest mir, dass dies deine neuen Herzklappen seien. Und ich erinnere mich an den Tag, an dem Du diesen riesigen mexikanischen Sombrero und eine große Sonnenbrille mit nur einem Glas aufgesetzt hast, um so in den Supermarkt zu gehen. Du sagtest: „So wird mich wohl keiner erkennen.“ Du sahst aus wie ein mexikanischer Pirat, den man an der Küste zurückgelassen hatte. Und ich dachte damals, Du seist verrückt. Als Du „Hombre, Sombrero!“ riefst, konnte ich mich vor Lachen nicht mehr halten.

Ich weiß, dass Du diese Papa-Sohn-Momente auch immer geliebt hast. Und obwohl solche Treffen zwischen uns am Ende Deines Lebens immer weniger wurden, haben sie nie an Qualität verloren. Ich merkte Dir den Stress an, als ich Dich einmal in Österreich besuchen kam. Die Dreharbeiten zu „Ein Schloss am Wörthersee“ gestatteten nicht viel Zeit, die wir gemeinsam verbringen konnten. Die Erschöpfung war Dir anzusehen. Und trotzdem hast Du tapfer durchgehalten, hast die Filmcrew nie im Stich gelassen. Das ist etwas, das ich von Dir gelernt habe.

In diesen Augenblicken wünschte ich, dass wir in unserer Fischerhütte in Bayern wären. Ich erinnere mich an die vielen Momente, in denen wir mit einer Angel am Seeufer im Gras saßen. Ob wir am Ende wirklich etwas fangen würden, war dabei gar nicht wichtig. Es ging um die Zeit, die wir zusammen verbrachten. Diese Fischerhütte war für uns fast eine Schutzburg.

Silke erzählte mir, dass ich dort gezeugt wurde, und ich finde es bis zum heutigen Tage bemerkenswert kenswert, dass Du dort die letzten Momente Deines Lebens verbracht hast.

Ich erinnere mich auch daran, wie sehr Du es liebtest, Witze zu erzählen und Dich am Ende immer als erstes darüber kaputtgelacht hast. Ich liebte es, Dich fröhlich zu sehen. Du hattest diese besondere Aura um Dich. Wenn Du entspannt und zufrieden warst, empfanden alle um Dich herum dasselbe. Es war ansteckend. Bei diesen Gelegenheiten kamst Du hinter all dem Makeup hervor. Der Gerd, der sein Abitur abgeschlossen hat, Forstwirtschaft studieren wollte und Hunde liebte. Der das knisternde Lagerfeuer den Bühnenscheinwerfern vorzog. Ich erinnere mich an Motorradausflüge auf unbefahrenen Waldwegen und Camping im Bayerischen Wald. Das ist der Mann, der Vater, an den ich mich erinnere. Man sagt, es sei besser, diese Erinnerungen zu haben und die Momente und den Menschen zu vermissen, als zu vermissen, dass man sie niemals hatte. Das ist wahr. Ich bin so dankbar, dass ich sie mit Dir erleben durfte.

Nur 15 Jahre einen Vater gehabt zu haben, mag nicht lange sein, aber es war jeden Augenblick wert. In so vielen Situationen würde ich Dich gerne um Rat fragen. Und obwohl ich Deine Energie noch spüre und weiß, dass Du dort noch irgendwo bist, nicht weit von mir entfernt, ist es die Stille, die mich manchmal traurig macht.

Roy Black - Der große Schlagersänger

Die Leute sagen, Du bist viel zu jung gestorben. Doch andererseits hast Du so viel in die Jahre gepackt, die Du hattest, dass es für zwei Leben reicht. Und in diesem Sinne bist Du nicht jung von uns gegangen, sondern erfahren. Nun bin ich selbst Vater geworden. Meine Frau Maria und ich haben den kleinen Dominique bekommen. Es ist leicht, zu behaupten, dass man so manches anders machen würde, wenn man selbst ein Kind bekommt. Dass man es besser machen würde. Aber wenn es dann so weit ist, wird einem klar, dass es kein Patentrezept gibt. Ich hätte mir so gewünscht, dass Du Dominique, Deinen Enkelsohn, aufwachsen sehen könntest. Aber mein Sohn kann seinen Großvater nicht mehr kennenlernen. Glaube mir, ich werde alles dafür tun, dass er weiß, wer Du warst. Durch all das, was Du uns hinterlassen hast.

Ich wünsche mir, dass dieser persönliche Brief energetisch nicht so einfach im Raum verpufft, sondern Anklang findet. Die Buchstaben sind für die Lebenden. Aber die Energie, die sie erzeugen, kann man hoffentlich auch noch anderswo vernehmen. Sie soll Dich erreichen. Ich hoffe auf ein Wiedersehen mit Dir, irgendwann, irgendwo. Und sende Dir eine dankbare Umarmung voller Liebe.
Dein Sohn Torsten

 

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