Sie war spielsüchtigKerstin Ott: „Ich habe sieben Jahre gebraucht, um da herauszukommen“

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Kerstin Ott: „Ich habe sieben Jahre gebraucht, um da herauszukommen“ © Brigitte Dummer / Schlager.de
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Seit sechs Jahren führt Sängerin Kerstin Ott (40) ein Leben auf der Überholspur. Ihr Song „Die immer lacht“ macht sie quasi über Nacht zum Star. Dreifach Gold und einmal Platin bekam sie dafür. Das Lied wurde über eine Million Mal verkauft und hielt sich über 17 Wochen in den Charts. Unglaublich! Doch es gab auch eine Zeit im Leben der Sängerin, in der war ihr gar nicht zum Lachen zumute. Kerstin Ott war lange Zeit spielsüchtig und obdachlos. Immerhin: Aus eigener Kraft hat sie es in ihr neues Leben geschafft. Doch der Weg dahin war nicht leicht: „Ich habe sieben Jahre gebraucht, um da herauszukommen“, gesteht sie.

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In ihrem Hit singt sie: „Die immer lacht“, doch es gab auch schwere Zeiten

Schneller, immer schneller rotieren die kleinen bunten Bildchen auf dem Automaten. Stopp! Wieder kein Treffer. „Ein letztes Mal versuche ich es“, sagt sich Kerstin Ott still. Mit geschlossenen Augen zieht sie erneut den Hebel des Automaten. „Bitte!“, fleht sie Nächste Folge: Harald Glööckler heimlich in Gedanken. Schon wieder kein Treffer. „Ich hab mit 18 leider das Spielen für mich entdeckt“, erinnert sich die Musikerin. Damals hatte Kerstin Ott gerade ihre Lehre als Malerin und Lackiererin abgeschlossen. Für viele junge Menschen ein Moment, in dem das Leben gerade richtig losgeht. Doch bei der heute 40-Jährigen gerät alles außer Kontrolle. Jeden Tag geht Ott in Spielotheken, kann ihren Blick kaum abwenden von den vielen Automaten und den bunten Symbolen. Immer wieder hofft sie auf einen Gewinn. Doch viele Male verzockt sie statt dessen ihren ganzen Monatslohn.

„Dass ich ein Problem habe, merkte ich ungefähr nach einem halben bis dreiviertel Jahr. Das war wirklich ein schleichender Prozess. Am Anfang hat es Spaß gemacht, aber nach etwa 20 Mal in der Spielhalle wollte ich plötzlich immer wieder dorthin. Ich habe private Kontakte schleifen lassen und auch nicht mehr viel Lust gehabt, andere Dinge zu unternehmen. Dann wusste ich, dass es ernst ist.“ Es wurde aber noch schlimmer: „Dann kam eine Zeit, in der ich plötzlich keine Aufträge mehr bekommen habe, weil ich durch das Spielen auch sehr unzuverlässig geworden bin“, erzählt Ott offen. Auf einmal war sie nicht nur spielsüchtig und verzockte all ihr Hab und Gut, sie wurde auch obdachlos. Stand von einen auf den anderen Tag ohne Wohnung da und musste in ihrem Auto schlafen. „Das war eine ziemlich schwierige Zeit“, blickt sie heute zurück.

Bis sie 25 Jahre alt ist, ist ihr Lebensmittelpunkt das Glücksspiel. „Es hat eine ziemlich lange Zeit gedauert, bis bei mir der Schalter umgelegt wurde.“ Zum Glück erkannte die Künstlerin irgendwann selbst, dass es so nicht mehr weitergehen konnte. Sie hatte sogar schon überlegt, sich in eine geschlossene Psychiatrie einweisen zu lassen. Doch stattdessen entschloss sie sich, sich aus eigener Kraft von der Sucht zu befreien. „Ich habe mir irgendwann Hausverbot in den Spielhallen gegeben, weil ich einfach nicht mehr weiterwusste.“ Dieser mutige Entschluss ebnete ihr den Weg zurück ins Leben. Doch wie hat sie es geschafft, nicht rückfällig zu werden? „Ich habe den Glauben an mich selbst nie verloren!“, sagt sie. Und kam auf einen Trick: „Ich glaube, ich habe 30 kleine Zettel fertig gemacht, auf denen mein Passbild vorne drauf war und stand: Hiermit gebe ich mir Hausverbot.“ Diese Zettel verteilte die Sängerin dann in den Spielhallen.

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„Ich bin seitdem auch nie wieder in einer gewesen“, erzählt sie heute stolz. „Ob das was bringt, wusste ich nicht, aber mein Stolz hätte es mir verboten, wieder reinzugehen.“ Die Scham war am Ende wohl ihre Rettung. Die gebürtige Berlinerin betont aber auch: „Das funktioniert wirklich nicht von heute auf morgen. Um einmal Menschen Mut zu machen, die da noch drinstecken: Gebt euch ein bisschen Zeit. Seid manchmal streng zu euch, aber haut nicht dauernd mit dem Knüppel obendrauf. Das ist das Schlimmste, was man machen kann.“ Es lohnt sich aber dranzubleiben, das weiß Ott heute. Denn in dem Moment, in dem sie der Spielsucht den Rücken kehrte, fügte sich alles. Mit 30 lernte sie ihre jetzige Partnerin Karolina (41) kennen. „Man kann wirklich von Liebe auf den ersten Blick sprechen.“ Seitdem leben die beiden als glückliche Patchworkfamilie zusammen. Karolina brachte die Töchter Laura (17) und Lilli (12) mit in die Ehe. Ein Happy End!

Kerstin Ott: Ihre Geschichte

 

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